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8.570361 - BACH, J.C.: 6 Keyboard Sonatas, Op. 17
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Johann Christian Bach (1735-1782)
Six Keyboard Sonatas, Op. 17

 

Johann Christian Bach, der jüngste Sohn von Johann Sebastian Bach, wurde 1735 in Leipzig geboren, wo sein Vater seit 1723 als Thomaskantor tätig war. Zur Zeit seiner Geburt hatten die ältesten Brüder – die Söhne Johann Sebastians und seiner ersten Frau – bereits das Haus verlassen. Wilhelm Friedemann war Organist an der Sophienkirche in Dresden geworden, und Carl Philipp Emanuel studierte an der Universität von Frankfurt/Oder. Johann Gottfried Bernhard, der vierte überlebende Sohn aus Johann Sebastians erster Ehe, hatte eine Organistenstelle in Mühlhausen erhalten, wo einst sein Vater gearbeitet hatte. Drei ältere Kinder aus der zweiten Ehe waren noch daheim, darunter der zurückgebliebene Gottfried Heinrich und der damals dreijährige Johann Christoph Friedrich. Johann Christian erhielt Unterricht von seinem Vater und vielleicht auch von seinem Vetter Johann Elias, der inzwischen ebenfalls bei der Familie lebte. Bei Johann Sebastian Bachs Tod im Jahre 1750 war von den Söhnen nur noch Johann Christian zu Hause, nachdem Johann Christoph Friedrich kurz zuvor als Organist in Bückeburg angestellt worden war.

Nach des Vaters Tod ging Johann Christian nach Berlin, wo sein Halbbruder Carl Philipp Emanuel inzwischen als Cembalist im Dienste Friedrichs des Großen stand. Hier konnte der Knabe weitere Studien betreiben, die sich während der drei nächsten Jahre unter anderem in den ersten Cembalokonzerten sowie einer Ode für Chor zum Geburtstag des Königs niederschlugen. 1754 nutzte er die Möglichkeit, nach Italien zu reisen. Dort erhielt er aufgrund von Empfehlungen einen Posten bei Graf Agostino Litta, der zu einer der ersten Mailänder Familien gehörte. Sein Dienstherr ermunterte ihn, sich mit der Kirchenmusik auseinanderzusetzen, weshalb Bach eine kurze Studienzeit bei Padre Martini in Bologna verbrachte. 1757 trat der Protestant Johann Christian Bach zum Katholizismus über, und 1760 wurde er Organist des Mailänder Doms, obwohl sein Interesse für weltliche Gattungen inzwischen größer geworden war. Seine erste Oper, Artaserse, entstand 1760 für das Turiner Teatro Regio. Im nächsten Jahr schrieb er, wiederum auf ein Libretto von Metastasio, seinen Catone in Utica, der im Teatro San Carlo von Neapel gegeben wurde. Dasselbe Haus brachte dann Anfang 1762 seinen Alessandro nell’Indie auf die Bühne.

Während man sich in Neapel Hoffnungen auf weitere Opern aus Bachs Feder machte, erhielt dieser auch Angebote aus Venedig und London. Er ließ sich von seinem Dienst am Mailänder Dom beurlauben, den er in jüngster Zeit ohnehin recht vernachlässigt hatte, und reiste für die Opernspielzeit 1762/63 nach London, wo er eine Reihe von Pasticci arrangierte, bevor er im Februar 1763 seinen eigenen Orione am King’s Theatre inszenierte, dem im Mai ebendort die Zanaida folgte. Im weiteren Verlauf des Jahres gab er sein Mailänder Amt vollends auf, um sich in London niederzulassen. Königin Charlotte schätzte Bach und machte ihn zu ihrem Musiklehrer. Sein Logis teilte er sich mit dem Gambisten und Komponisten Carl Friedrich Abel (1723-1787), dessen Vater Christian Ferdinand zusammen mit Johann Sebastian Bach im Dienste des Köthener Hofes gestanden hatte. Carl Friedrich selbst war in Leipzig sogar noch Schüler des „alten“ Bach gewesen. Jetzt begründete er mit Johann Christian eine Subskriptionskonzertreihe, die bis zum Tode des letzteren durchgeführt wurde.

Johann Christian Bach erfreute sich seinerzeit als Komponist italienischer Opern großer Beliebtheit, insbesondere beim Publikum des King’s Theatre. In London begegnete ihm auch der junge Wolfgang Amadeus Mozart, der nachweislich wenigstens einmal mit ihm gemeinsam improvisierte und kompositorisch nachhaltig von ihm beeinflusst wurde.

Ein Opernauftrag führte Johann Christian 1772 nach Mannheim. Weitere Kommissionen folgten. 1778 entsprach er einem Auftrag der Académie Royale de Musique von Paris, wo er erneut mit Mozart zusammentraf, der damals eine schwere Zeit durchmachte. Auch für Bach war in London einiges anders geworden: Die Subskriptionskonzerte, die immer beträchtliche Investitionen verlangten, warfen keinen Gewinn mehr ab, und auch die Nachfrage nach seinen Opern ließ nach. Obwohl er nach wie vor recht angesehen war, konnte er weder den Forderungen seiner hartnäckigen Gläubiger nachkommen noch verhindern, dass er von einer unehrlichen Haushälterin ausgenommen wurde. Sein gesundheitlicher Zustand verschlechterte sich, und er starb am 1. Januar 1782 unter Hinterlassung sehr beträchtlicher Schulden. Königin Charlotte ermöglichte es seiner Witwe, der Sängerin Cecilia Grassi, mit der er seit 1773 verheiratet gewesen war, nach Italien zurückzukehren, und sie bestritt auch die Beisetzungskosten. Die Schulden wurden allerdings nicht vollständig beglichen.

Nach Auskunft von Dr. Charles Burney soll Johann Christian Bach lange Jahre nicht viel Gelegenheit zum Cembalo- und Fortepianospiel gehabt haben – außer, wenn er Sänger begleitete. Dennoch wurde sein Stil in London sehr bewundert, obwohl er „nie vermochte, jene Kraft und Fertigkeit zurückzugewinnen, die für große Schwierigkeiten nötig gewesen wären, weshalb seine Kompositionen für das Pianoforte von solcher Art sind, dass Damen sie ohne viel Beschwer exekutieren können.“ Seine früheren Clavier-Sachen waren für das Cembalo gedacht. 1768 stellte er dann ein rechteckiges Klavier von Johann Christoph Zumpe vor, der sich in London als Instrumentenbauer etabliert hatte. Diese Präsentation trug nicht unwesentlich dazu bei, das neue Instrument in Mode zu bringen. Johann Christian Bachs Sechs Sonaten op. 5 wurden bei ihrer Veröffentlichung im Jahre 1766 als Stücke für Cembalo oder Fortepiano angekündigt, und auch die Sechs Sonaten op. 17 lassen diese Alternative zu. Letztere wurden 1774 in Paris als Opus 12 veröffentlicht; in London erschienen sie 1777 bei Welcker, und noch einmal zwei Jahre später brachte sie Hummel in Amsterdam heraus.

Die Sonate G-dur op. 17 Nr. 1 fängt mit einem Satz an, der sich der klassischen Sonatenform nähert. Am Anfang der zweiten Satzhälfte kommt das erste Thema in der Dominante und wird dann kurz durchgeführt, bevor der Nebengedanke transponiert erscheint. Der zweite der beiden Sätze ist ein Menuett mit Variationen. Nach dem Thema präsentiert die rechte Hand in der ersten Variation Triolen. Das ist dann in der zweiten Variation umgekehrt, wo die linke Hand eine Triolenbegleitung hat. Die dritte Variation bringt in der rechten Hand flinke Sechzehntel, die vierte bringt Synkopen. In der fünften Variation spielt die linke Hand Sechzehntel. Dann wird das Originalthema des Satzes wiederholt.

Das zweite Stück der Sammlung, die Sonate c-moll op. 17 Nr. 2, ist eine von nur zwei Werken des Opus 17 mit drei Sätzen. Auch hier fängt die zweite Satzhälfte des Allegro mit einer transponierten Fassung des Hauptthemas an, das kurz verarbeitet wird, bevor es in der Originaltonart wiederkehrt. Das Andante steht in Es-dur, und das Zwölfachtel-Prestissimo bringt seine eigenen dramatischen Elemente.

Die Sonate Es-dur op. 17 Nr. 3 bietet als erstes Thema eine ornamentierte Melodie in der rechten Hand. Danach folgt ein kontrastierender Nebengedanke in der Dominante, der aber auch nach Moll moduliert. Die zweite Hälfte des Satzes fängt mit dem ersten Thema in der Dominante an und führt zu einer Tonika-Version des Nebenthemas. Das anschließende Allegro im Dreiachteltakt beschäftigt sich erheblich mit den Sechzehnteltriolen, die schon in dem ersten Takt zu hören sind.

Das vierte Stück der Gruppe, die Sonate G-dur op. 17 Nr. 4, fängt mit einem Satz in Sonatenform an, bei dem die recht weiten Sprünge auffallen, mit denen die linke Hand das erste Thema begleitet. Die zweite Hälfte des Satzes beginnt wie üblich mit einer transponierten Fassung des Hauptthemas und einer kurzen Durch-führung, an die sich hier die korrekte Wiederholung des Hauptthemas und der transponierte Nebengedanke anschließen. Das thematische Material des relativ kurzen Presto assai im Dreiachteltakt beruht auf Arpeggien. Eine gewisse dramatische Spannung entsteht dabei durch eine aufsteigende, mehrfach vorkommende Sequenz, die von Oktaven der linken Hand verstärkt wird. Nach einer kurzen Durchführung werden die Arpeggien des Hauptthemas wieder aufgenommen.

Die Sonate A-dur op. 17 Nr. 5 beginnt mit einer besonders wirkungsvollen Melodie von mozartischer Eleganz und Eindringlichkeit. Diese ist das Hauptthema eines Satzes, der noch deutlicher der klassischen Sonatenform angenähert ist. Der zweite Satz im Dreiachteltakt fängt mit einer charakteristisch absteigenden Figur an und benutzt ziemlich viele Triolen.

Das letzte Stück der Sammlung, die Sonate B-dur op. 17 Nr. 6, hat ein erstes Thema, das zu der regelmäßigen Begleitung der linken Hand Triolen bringt. Dieses Hauptthema steht dann in der Dominante am Anfang des zweiten Satzteiles, und dann wird der Nebengedanke in der Tonika wiederholt. Einer ähnlichen Form folgt das Andante in Es-dur mit seinen Terzketten der rechten Hand. Die Sonate endet mit einem Prestissimo im Zwölfachteltakt, in dem Triolenfiguren dominieren, während die linke Hand die unteren Regionen des tiefen Registers erkundet.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

 


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