About this Recording
8.570455 - REGER, M.: Organ Works, Vol. 8 - Chorale Fantasia on Ein' feste Burg ist unser Gott / Little Chorale Preludes, Nos. 11-30 (Welzel)
English  German 

Max Reger (1873–1916)
Orgelwerke Folge 8

Choralfantasie über „Ein feste Burg ist unser Gott” op. 27
Zwölf Stücke op. 80 Nr. 7: Scherzo fis-moll
Dreißig kleine Choralvorspiele op. 135a, Nr. 11–16
Zwölf Stücke op. 80 Nr. 8: Romanze a-moll
Dreißig kleine Choralvorspiele op. 135a, Nr. 17–23
Romanze a-moll (1904)
Dreißig kleine Choralvorspiele op. 135a, Nr. 24–30
Präludium und Fuge fis-moll (1912)
Introduktion und Passacaglia d-moll (1899)

 

Einen großen Teil seines musikalischen Interesses verdankte der junge Max Reger seinem Vater, einem Lehrer und begeisterten Amateurmusiker, sowie der frühen Ausbildung bei Adalbert Lindner, dem Organisten von Weiden in der Oberpfalz. Ein Jahr nach der Geburt des Sohnes (1873) war die Familie von Brand nach Weiden gezogen, und hier verbrachte der Knabe seine Kindheit und Jugend. Nach Abschluss seiner schulischen Ausbildung wollte er selbst Lehrer werden; indessen hatte Lindner frühe Kompositionen seines Schülers an seinen einstigen Lehrer Hugo Riemann geschickt, und dieser nahm den jungen Reger zunächst in Sondershausen und dann in Wiesbaden als Schüler bzw. Assistenten an. Der darauf folgende Militärdienst wirkte sich negativ auf Regers körperliche und seelische Befindlichkeit aus. Er kehrte fürs erste ins Elternhaus zurück, wo in der Folgezeit zahlreiche Werke entstanden – darunter eine monumentale Serie von Choralfantasien und anderen Orgelstücken. Viele dieser Kompositionen hat Reger anscheinend mit Blick auf die technischen Fertigkeiten seines Freundes Karl Straube geschrieben, einem bekannten Interpreten dieser Werke.

1901 verlagerte Reger seinen Wohnsitz nach München, wo er während der nächsten sechs Jahre lebte. Die dortige Musikwelt tat sich nicht leicht mit ihm, denn sie sahen in dem Zugereisten einen Verfechter der absoluten Musik und zumindest anfangs einen Gegner der Programmusik, für die die Namen Wagner und Liszt standen. Als Pianist war Reger allerdings erfolgreich, und auf diesem Wege fand er auch für seine eigenen Werke allmählich ein Publikum. In München entstanden unter anderem die Sinfonietta sowie etliches an Kammermusik und die beiden großen Variationswerke über Themen von Bach bzw. von Beethoven, denen in späteren Jahren die bekannten Mozart- Variationen folgten.

1907 kam es zu einer Veränderung in Regers Leben. Er übernahm eine Kompositionsprofessur an der Leipziger Universität, und mit seiner Musik erreichte er inzwischen ein immer größeres Publikum, wobei ihm sein Ruf als ausübender Musiker nicht nur in Deutschland und Österreich, sondern auch in den Niederlanden und sogar in London und St. Petersburg zugute kam. 1911 verpflichtete ihn der Herzog von Sachsen-Meiningen als Dirigent des von Hans von Bülow etablierten Hoforchesters, wo auch schon der junge Richard Strauss dirigiert hatte. Max Reger blieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Meiningen. Die kriegsbedingte Auflösung des Orchesters kam Reger entgegen, denn er hatte ohnehin bereits mit dem Gedanken gespielt, den Posten aufzugeben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Jena, ohne freilich seine kompositorische und konzertierende Laufbahn aufzugeben. Er starb im Mai 1916, als er auf der Rückreise aus den Niederlanden in Leipzig Station machte.

Die Orgelmusik von Max Reger nimmt im Repertoire eine besondere Stellung ein. Weithin gilt er als der größte deutsche Orgelkomponist seit Bach. Zwar war er selbst katholisch, doch in der lutherischen Tradition fand er einen musikalischen Quell, aus dem er die Inspiration für seine Choralvorspiele, Choralfantasien und andere Werke schöpfte. Die Wertschätzung, die seine Orgelwerke schon zu seinen Lebzeiten erfuhren, ist nicht zuletzt Karl Straube zu verdanken, der wie Reger bei Hugo Riemann studiert hatte und seit 1902 als Organist an der Leipziger Thomaskirche tätig war.

Die monumentale Choralfantasie über „Ein feste Burg ist unser Gott” op. 27 aus dem Jahre 1898 ist Karl Straube gewidmet und stellt eine offensichtliche Herausforderung dar. Das mit Allegro vivace (ma pomposo) bezeichnete Werk beginnt im Pedal, bevor die linke Hand den Choral exponiert. Dieser wird dann von einer bewegten Pedalstimme und ähnlichen Texturen der rechten Hand umrahmt. Zwar ist die Grundtonart des Werkes D-dur, doch dieser Teil endet mit einer großartigen homophonen Passage in B-dur über die dritte Zeile des Liedes von Martin Luther: „Er hilft uns frei aus aller Not.” Wieder in D-dur verlaufen dann die fünfte und sechste Zeile: „Der alt böse Feind / mit Ernst er’s jetzt meint” – worauf eine weitere Krönung in B-dur folgt. Auf diese Weise geht der erste Vers des Chorals dahin. Leise setzt dann die zweite Strophe ein: „Mit unsrer Macht ist nichts getan.”

Die Melodie liegt im Tenorregister des Pedals, das von den verschiedenen Lagen des Manuals eingefasst wird. Jedem Ddur- Abschnitt schließt sich eine akkordische Version in Bdur an. Die dritte Strophe (Allegro moderato) präsentiert eine verwirrende strukturelle Komplexität. Zu den Worten: „Und wenn die Welt voll Teufel wär” spielt der rechte Fuß den Tenor, während der linke Fuß in Achtelbewegung den Grund für die kunstreichen Akkorde der Manuale liefert. Dann erklingt die oktavierte Melodie in der rechten Hand; dazu liefern die linke Hand und das Pedal einen geschäftigen Kontrapunkt. Die letzte Strophe des Chorals beginnt in der rechten Hand, bevor die Melodie oktaviert in beiden Händen erklingt. Das Pedal übernimmt den Choral, dessen Anfangsphrase in verschiedenen Stimmen zu hören ist. Dabei wird die Textur immer akkordischer. Dem abschliessenden Maestoso („Das Reich muss uns doch bleiben”) folgt ein kurzer pianissimo-Schwenk nach F-dur, bevor das letzte Glaubensbekenntnis in D-dur angestimmt wird.

Die Zwölf Stücke op. 80 aus den Jahren 1902 und 1904 sind dem Breslauer Organisten Otto Burkert gewidmet. Das siebte Stück, ein Scherzo in fis-moll, zeigt die raschen Modulationen, die ein generelles Kennzeichen für Regers Musik sind. Als kontrastierendes Trio gibt es einen akkordischen Abschnitt, der am Ende kurz wiederholt wird. Das achte Stück, eine Romanze in a-moll, bewegt sich in einem zarten Sechsachteltakt.

Die Dreißig kleinen Choral-Vorspiele zu den gebräuchlichsten Chorälen op. 135a wurden 1914 veröffentlicht und sind Hans von Ohlendorff gewidmet. Sie dienen praktischen Zwecken und stellen relativ geringe technische Ansprüche, ohne dass Reger deshalb im Rahmen des hier Verlangten auf seine spezifischen Merkmale der Modulation und Chromatik verzichtet hätte.

Die Romanze a-moll erschien 1904. Sie wurde mit anderen Werken ohne Opuszahl veröffentlicht, war ursprünglich für Harmonium gedacht und wurde später für Orgel eingerichtet. Das Andante con moto wiegt sich in punktierten Sechsachtel-Figuren und verdichtet sich im Mittelteil zu komplexeren Texturen.

Präludium und Fuge fis-moll (1912) hat Reger ebenfalls seinem Freunde Hans von Ohlendorff gewidmet. Dabei handelt es sich um die Bearbeitung zweier Klavierstücke Aus meinem Tagebuch. Das recht einfache Präludium führt mit charakteristischen Modulationen und chromatischen Gängen zu einer vierstimmigen Fuge, in der das Thema zunächst im Tenor erklingt, worauf Alt, Diskant und endlich (im Pedal) der Bass antworten.

Wie die beiden vorigen Werke wurden auch Introduktion und Passacaglia d-moll ohne Opuszahl veröffentlicht. Das Stück erschien 1900 in einem Album zugunsten einer neuen Orgel in Schönberg im Taunus. Reger unterstrich in einem Brief an Ludwig Sauer, den Herausgeber dieser Kollektion, dass er die Musik bewusst einfach gehalten habe und ein einigermaßen gut ausgebildeter Organist die Passacaglia vom Blatt spielen könnte. Tatsächlich vermeidet das Werk die hohen Anforderungen und komplexen Texturen, wie man sie beispielsweise in der Choralfantasie zu Beginn dieses Programms hören konnte. Deshalb wird das Werk auch häufiger aufgeführt, als das sonst wohl der Fall wäre. Der feierlichen Einleitung folgt im Pedal der Passacaglia-Bass, über dem die Manuale anschließend ihre Variationen spielen.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac

---

 

The Johannes Klais Organ, Trier Cathedral, Germany (1974)


Hauptwerk 2. Manual C – c’’’’

Praestant 16’
Principal 8’
Hohlflöte 8’
Gemshorn 8’
Quinte 5 1/3’
Octave 4’
Nachthorn 4’
Terz 3 1/5’
Quinte 2 2/3’
Superoctave 2’
Cornett 5fach
Mixtur 5fach
Cymbel 3fach
Trompete 16’
Trompete 8’
Trompete 4’

Rückpositiv 1. Manual C – c’’’’

Praestant 8’
Quintade 8’
Gedackt 8’
Principal 4’
Rohrflöte 4’
Octave 2’
Waldflöte 2’
Larigot 1 1/3’
Sesquialter 2fach
Scharf 4fach
Glockencymbel 2fach
Dulzian 16’
Cromorne 8’

Brustwerk 3. Manual (schwellbar)
C – c’’’’

Rohrflöte 8’
Praestant 4’
Blockflöte 4’
Nasard 2 2/3’
Doublette 2’
Terz 1 3/5’
Sifflet 1’
Acuta 4fach
Oberton 3fach
Hautbois 8’
Vox Humana 8’

Schwellwerk 4. Manual C- c’’’’

Bordun 16’
Principal 8’
Lochgedackt 8’
Gamba 8’
Unda maris 8’
Octave 4’
Flute octaviante 4’
Salicional 4’
Flageolett 2’
Fourniture 6fach
Cor anglais 16’
Trompete 8’
Clairon 4’

Pedal C –g’

Untersatz 32’
Principal 16’
Subbass 16’
Octave 8’
Spielpfeife 8’
Superoctave 4’
Flöte 4’
Hintersatz 5fach
Aliquotbass 4fach
Piffaro 2fach
Bombarde 32’
Posaune 16’
Trompete 8’
Schalmey 4’


Koppeln: RP-HW, BW-HW, SW-HW, BW-RP, SW-RP, SW-BW, RP-P, HW-P, BW-P, SW-P

Tremulanten: RP, BW, SW, PED

Röhrenglocken: HW

Windauslass-Ventile: HW, SW

Tastenarretierung: HW
1920 elektronische Setzerkombinationen, Registercrescendo (Walze)
Spieltraktur mechanisch, Registertraktur elektrisch, Betätigung der beiden Schweller mechanisch.


Close the window