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8.570482 - HAYDN, J.: Trumpet Concerto / Horn Concerto No. 1 / Keyboard Concerto in D Major / Double Concerto in F Major (Bruhl)
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Joseph Haydn (1732-1809)
Trompetenkonzert • Hornkonzert Nr.1 • Doppelkonzert • Cembalokonzert

 

Fast 30 Jahre lang, von 1761-1790, stand Haydn im Dienste der ungarischen Fürstenfamilie Esterházy von Galántha, einem der reichsten Adelsgeschlechter Europas. Der seit 1762 regierende Fürst Nikolaus machte seinem Beinamen „der Prachtliebende“ alle Ehre: Er verlegte seine Sommerresidenz von Eisenstadt in das nach Versailler Vorbild erbaute Schloss Eszterháza, und der Hof unterhielt nicht nur ein eigenes Orchester, sondern auch ein Theater mit regelmäßigen Opernaufführungen. Haydn oblag es, den Opernbetrieb auf Schloss Eszterháza zu bestreiten. Er hatte selbst Opern zu komponieren, fremde Opern einzurichten und die Proben und Aufführungen zu leiten. Um die Mitte der 1770er Jahre nahm die Zahl der Opernaufführungen derartig zu, dass ihm kaum Zeit für andere Arbeiten blieb. Vor diesem Hintergrund ist es wohl vor allem zu sehen, dass Haydn, der in seiner Jugend Unterricht an verschiedenen Instrumenten und in Gesang erhalten hatte, keine Laufbahn als Solist verfolgte und nur gut 20 Instrumentalkonzerte schrieb. Er konnte seinen Stil in dieser Gattung nicht in dem Maße entwickeln und pflegen, wie er es in der Sinfonie und dem Streichquartett tat: Seine Konzerte entstanden in unregelmäßigen Abständen zwischen 1756 und 1796, die meisten vor 1770.

Für solistische Blasinstrumente komponierte Haydn mindestens sechs Konzerte, jedoch sind die meisten dieser Werke verschollen. Darüber hinaus wurden dem schon zu Lebzeiten berühmten Komponisten zahlreiche Werke fälschlicherweise zugeschrieben, wie z. B. das bis heute unter Haydns Namen bekannte Oboenkonzert CDur; es ist anonym überliefert und wird von der Haydn- Forschung als nicht authentisch angesehen. Das Hornkonzert und das Trompetenkonzert sind somit die einzigen authentischen Bläserkonzerte Haydns, die sich, beide in der Handschrift des Komponisten, erhalten haben.

Das Concerto per il corno di caccia D-Dur Hob. VIId:3 entstand im Jahr 1762, also kurze Zeit nachdem Haydn von Wien nach Eisenstadt gegangen war. Möglicherweise wurde das Konzert für den Hornisten Joseph Leutgeb (1732-1811) komponiert, dem später auch Mozart seine Hornkonzerte widmete: Leutgeb ließ im Entstehungsjahr seine Tochter taufen, und Haydns Ehefrau Maria Anna Haydn (1729-1800) war Patin des Kindes. Der ausgesprochen virtuose, einen weiten Tonumfang umspannende Solopart scheint wie für Leutgeb geschaffen, der ein herausragender Hornist war. Ein Indiz für die Taufe als Anlass könnte (mit ein wenig interpretatorischem Wagemut) in der Charakteristik der Musik selbst gesehen werden: Haydn bedient sich hier nicht des für Hornkonzerte des 18. Jahrhunderts typischen, für eine Kindstaufe jedoch unpassenden Topos der Jagdmusik, wie er etwa in den Finalsätzen von Mozarts Hornkonzerten durchgängig zu finden ist. Das Waldhorn hatte sich gegen Ende des 17. Jahrhunderts aus dem Jagdhorn entwickelt und wurde weiterhin als „Corno di caccia“, als Jagdhorn, bezeichnet. Vielmehr ist Haydns Komposition in den Ecksätzen von strahlender Festlichkeit, und der kantable langsame Satz ist – vielleicht ebenfalls im Hinblick auf das kirchliche Fest – von andächtiger Empfindung getragen.

Das 1796 komponierte Trompetenkonzert Es-Dur Hob. VIIe:1 ist Haydns letzte konzertante Komposition. Er schrieb es für den mit ihm befreundeten Wiener „k. k. Hof- und Theater-Trompeter“ Anton Weidinger (1767- 1852). Die erste öffentliche Aufführung des Werkes scheint erst vier jahre später stattgefunden zu haben. Im März 1800 findet sich folgende Ankündigung Weidingers in der Wiener Zeitung: „Dem Unterzeichneten ist die Abhaltung einer grossen musikalischen Akademie im hiesigen k. k. National Hoftheater auf den 28. März zugestanden. Seine eigentliche Absicht hierbey ist, die von ihm erfundene, und nach einer siebenjährigen, und kostspieligen Arbeit nunmehr, wie er sich schmeichelt, zur Vollkommenheit gediehene, und mit mehreren Klappen versehene organisirte Trompete, in einem von Hrn. Joseph Haydn, Doktor der Tonkunst, eigends auf dieses Instrument gesetzten Konzert […] zur öffentlichen Beurteilung erstmals ans Licht treten zu lassen.“

Weidinger arbeitete während der 1790er Jahre an der Entwicklung der sogenannten Klappentrompete, anfangs (wie in dem Zitat) auch als „organisirte Trompete“ bezeichnet. Auf der damals üblichen Naturtrompete konnten nur die sogenannten Naturtöne geblasen werden. Demgegenüber hatte die Klappentrompete vier bis sechs durch Klappen verschließbare Tonlöcher, die es ermöglichten, auch chromatische Töne zu spielen. Diese Klappenmechanik scheint jedoch ebenso Intonation wie Klangqualität des Instruments beeinträchtigt zu haben, wie Felix Mendelssohn noch 1831 in einem Brief beklagt: „sie [= die Naturtrompete] hat eben einmal die chromatischen Töne nicht, und nun [bei der Klappentrompete] klingt’s wie ein Trompetencastrat, so matt und unnatürlich.“ – Um 1830 setzte die Entwicklung der modernen Ventiltrompete ein, bei der die Schallröhre mit Hilfe von Ventilen durch Zusatzröhren verlängert wird, so dass die Röhre seitlich geschlossen bleibt und die Klangqualität der chromatischen Töne nicht beeinträchtigt wird. – Das Haydnsche Trompetenkonzert, dessen Solopart auf der Naturtrompete nicht spielbar ist, trägt den Bedingungen der Klappentrompete sowohl in technischer als auch in klanglicher Hinsicht Rechnung: Die Melodik bewegt sich bevorzugt in mittlerer, für das Instrument vorteilhafter Lage und nutzt hier auch alle chromatischen Töne. Das typische „Trompeten-Schmettern“, auf diesem Trompeten-Typ schwer zu realisieren, wird kaum verlangt, der weichere Klang der Klappentrompete kommt dagegen gut zur Geltung. Die Moll-Passagen in den Mittelteilen der Ecksätze sind „ohrenfällige“ Beispiele für die Ausrichtung der Komposition auf dieses Instrument. Haydns konzertanter Stil ist in seinem letzten Solokonzert gegenüber dem mehr als 30 Jahre zuvor entstandenen Hornkonzert gereift: Solopart und Orchester kommunizieren nahezu gleichberechtigt.

Das Klavierkonzert und das Doppelkonzert führen uns zurück in Haydns frühe Schaffensphase – eine Zeit, aus der nur wenig über die Zusammenhänge zwischen Biographie und Werk des Komponisten bekannt ist. Vielleicht entstand das Klavierkonzert D-Dur Hob. XVIII:2 schon Mitte der 1750er Jahre; erstmals nachgewiesen ist es 1767.

Es gehört zu der Gruppe von fünf frühen Konzerten für Tasteninstrument, von denen aufgrund ihres geringeren Tonumfangs im Solopart (von C bis c3) vermutet wird, dass sie ursprünglich für Orgel komponiert wurden. Haydns eindeutig für Orgel bestimmte Werke aus diesen Jahren weisen denselben Tonumfang auf, während etwa die frühen Klaviersonaten sowohl in der Tiefe als auch in der Höhe darüber hinausgehen. Möglicherweise waren diese frühen Konzerte für den Gebrauch innerhalb der Messe gedacht, in der Orgelkonzerte auf kleineren Instrumenten ohne Pedal vorgetragen wurden – der Solopart verlangt dementsprechend kein Orgelpedal und ist auch auf dem Cembalo oder Pianoforte bzw. Hammerklavier auszuführen.

Etliche Verpflichtungen Haydns als Organist an Wiener Kirchen während der 1750er Jahre stützen diese Einschätzung. Im sogenannten Entwurfkatalog, einem Werkkatalog, den Haydn als Nachweis für seinen kompositorischen Fleiß gegenüber seinem Fürsten führte, sowie in zeitgenössischen Abschriften werden diese Werke auch als „Concerto per il clavicembalo“ bezeichnet, so dass eine Aufführung mit Cembalo oder Hammerklavier durchaus adäquat ist. In einigen zeitgenössischen Abschriften des D-Dur-Konzerts überlieferte Bläser- und Paukenstimmen sind aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von Haydn komponiert, sondern von fremder Hand nachträglich hinzugefügt.

Das Doppelkonzert für Cembalo oder Orgel, Violine und Streicher F-Dur Hob. XVIII:6 ist das einzige überlieferte Konzert für zwei Soloinstrumente aus der Feder Joseph Haydns. (Ein Konzert für zwei Hörner ist verschollen.) Die ursprüngliche Bestimmung für Orgel ergibt sich auch hier wieder aus dem Tonumfang des Klavierparts, und auch für dieses Werk weisen etliche Quellen den Solopart für Cembalo und nicht für Orgel aus. Wann es entstand, ist ungewiss – wahrscheinlich Anfang bis Mitte der 1760er Jahre, denn 1766 erscheint es erstmals in den Verlagskatalogen der Firma Breitkopf. Allerdings soll Haydn als alter Mann das Konzert zu den Werken gerechnet haben, die er für die Zeremonie des Ordensgelübdes von Therese Keller, seiner späteren Schwägerin, komponiert hatte. Demnach fiele die Entstehungszeit bereits in das Jahr 1756. Es gibt allerdings keine Quellen, die über Haydns musikalischen Beitrag zu dieser Zeremonie zuverlässige Auskunft geben, und es ist durchaus möglich, dass Haydn nach vier Jahrzehnten das Werk verwechselte, z. B. mit dem Orgelkonzert C-Dur Hob. XVIII:1, das sicher 1756 entstand.

Stilistisch sind die frühen Konzerte geprägt durch den Umbruch vom Generalbaß- zum melodiebetonten Oberstimmensatz, der für die Konzertsatzform, wie sie durch Vivaldi und Bach etabliert war, gravierende Konsequenzen hatte. Wie vor ihm die Bachsöhne, setzte sich auch Haydn mit der Konzertsatzform auseinander und suchte nach neuen, flexibleren und durchlässigeren Formen als dem klar abgegrenzten Wechsel von stationären Tutti-Ritornellen und firgurenreichen, modulierenden Soloteilen der Konzerte Vivaldis.

Christin Heitmann


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