About this Recording
8.570501 - TORELLI / HANDEL / ALBINONI / GABRIELI: Baroque Trumpet Concertos
English  German 

Domenico Gabrielli (1651–1690) • Giuseppe Torelli (1658–1709)
Tomaso Albinoni (1671–1750) • Georg Philipp Telemann (1681–1767)
Johann Friedrich Fasch (1688–1758) • Georg Friedrich Händel (1685–1759)
Barockmusik für Trompete

 

Die Barocktrompete war ein Instrument ohne Ventile von etwa 2.25 m Länge; gewöhnlich war sie in D gestimmt. Sie konnte nur die Töne der so genannten. Naturtonreihe hervorbringen. Da von unten nach oben die Größe dieser Intervalle ständig abnimmt, ist nur in der hohen Lage, von der 4. Oktave aufwärts, eine komplette Skala spielbar. Um melodische Passagen auszuführen, muss ein Trompeter also in schwindelnde Höhen aufsteigen – bis zum “hohen C” oder noch höher, je nach der Stimmung des Instruments, der schöpferischen Laune des Komp-onisten oder den Kapazitäten des jeweiligen Spielers.

Während des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts suchten Trompetenbauer dem Würgegriff der Naturtonreihe zu entkommen. Nach kurzen Versuchen mit Handstopfen, Zügen und Klappenmechanismen wurde um 1815 mit der Erfindung des Ventils die moderne Ära der vollchromatischen Trompete eingeführt. Mit der Ventiltechnik werden die Lücken zwischen den einzelnen Tonhöhen der Naturtonreihe durch zusätzliche Rohrlängen, die mit den Ventilen verbunden sind, überbrückt; einzeln oder kollektiv eingesetzt, vertiefen sie halbtonweise die jeweiligen Tonhöhen. Von da an wurden Trompeten in immer höheren Tonarten gebaut.

Die moderne Piccolo-Trompete in Hoch B/A ist das Instrument, auf dem hohe barocke Trompetenpartien heute überall ausgeführt werden. Die Gesamtrohrläge von nur 65 cm kann mit der einer Oboe verglichen werden. Auf diesem Instrument ist es möglich, nicht nur Werke, die für die Barocktrompete konzipiert wurden, sondern auch Transkriptionen von Oboenkonzerten auszuführen. Die daraus hervorgehende Erweiterung des Trompeten-repertoires verdanken wir hauptsächlich dem charismatischen Maurice André (*1933). In den 1960er und 70er Jahren beschäftigte er eine wahre Armee von Musikwissenschaftlern, die auf der Suche nach transkribierwürdigen Werken sämtliche europäischen Musikarchive durchstöberten.

Thomas Reiner, ein führender Verfechter der Piccolo-Trompete, hat von solchen Bemühungen profitiert. Die von ihm auf dieser CD interpretierten Werke lassen sich folglich in zwei Gruppen einteilen: Originalwerke für die Barocktrompete (die Konzert-Sonate Telemanns, Händels Suite und die Werke von Gabrielli, Fasch und Torelli), die alle in D-Dur stehen, sowie Transkriptionen von Oboenkonzerten (Telemanns Konzert Nr. 21, Händels Konzert in g-moll und das Albinoni-Werk), die durch ihre Moll-Einschläge willkommene harmonische Abwechslungen bieten.

Der Cellist Domenico Gabrielli und der Violinist Giuseppe Torelli waren beide im Orchester der Basilica di S. Petronio in Bologna tätig. Die übergroßen Dimensionen der Kirche verlangten förmlich nach Trompetenklängen. Von 1665 bis in die Mitte des folgenden Jahrhunderts brachte die so genannten. Bologneser Komponistenschule eine ungewöhnlich große Zahl von Sonaten oder Sinfonien für eine, zwei oder vier Trompeten mit Streichern hervor, die an hohen Festtagen während der Messe erklangen – vor allem am 4. Oktober, dem Fest des Stadtpatrons Petronius. Sie zeichnen sich aus durch schnelle Sätze in D-Dur, in denen Trompete(n) und Streicher miteinander dialogisieren, sowie durch langsame Sätze für Streicher, in denen entferntere Tonalitäten berührt werden. Gabrielli war der Urheber einer besonderen Satzart, in der zwei Soloinstrumente, Trompete und Cello, miteinander über einer Generalbass-Begleitung wetteifern – wie hier in der Sonate Nr. 4. Mit mehr als 36 solchen Werken war Torelli der fruchtbarste Komponist Bolognas für die Trompete(n); seine Sätze ohne Trompete sind oft dreiteilig (langsam-schnell-langsam), wie in der vorliegenden kurzen Sinfonia mit der Werknummer G. 4 aus dem Jahre 1693.

Tomaso Albinoni war ein führender Vertreter der venezianischen Schule. Er war eine Persönlichkeit die in finanziell unabhängigen Verhältnissen lebte und daran Gefallen fand, Opern und Instrumentalmusik von hoher Qualität zu komponieren. Sein Opus 9 ist eine Sammlung von zwölf Konzerten, die er 1722 in Amsterdam veröffentlichte. Das daraus vorliegende Konzert ist eines seiner bekanntesten und am häufigsten aufgeführten Werke. Beide Außensätze weisen die Form einer so genannten. Devisenarie auf, bei der der erste Solisteneinsatz eine abgekürzte Form der Orchestereinleitung ist, während der zweite Solisteneinsatz identisch beginnt aber danach das musikalische Material weiter entwickelt. Solist und begleitende Streicher tragen die Entwicklung gemeinsam. Der mittlere Satz wirkt wie eine venezianische Gondola, die geruhsam über die plätschernden Wellen gleitet; der Solist spielt elegisch ausgehaltene Töne über einer in Achtelund Sechzehntelnoten bewegten Begleitung.

Georg Philipp Telemann war ein äußerst schaffensfreudiger Komponist, der etwa 1700 Kirchenkantaten aus mindestens zwanzig Jahrgängen, 50 Opern, 125 Orchestersuiten und 125 Konzerte hinterließ. Während seines Jurastudiums in Leipzig gründete er 1702 ein Collegium Musicum, das wöchentlich auftrat und bis 1745 existierte. Seine wichtigsten beruflichen Stationen waren Eisenach, Frankfurt am Main und schließlich Hamburg, wo er Musikdirektor der vier Hauptkirchen wurde. Seine reizvolle Konzertsonate (Originaltitel: Sinfonia, mit einer Trompete “ se piace ” in den Ecksätzen) wird hier in einer wesentlich ausgeweiteten Fassung gehört, die es der Trompete erlaubt an melodischen Aktionen außerhalb der Naturtonreihe teilzunehmen. Das Werk steht im postbarocken “galanten” Stil; der Hauptteil seiner emotionalen Energie kommt im dramatischen mittleren Satz zum Ausdruck. Der erste Satz seines Konzerts Nr. 19 ist im gelehrten Stil gehalten sowohl das breite Fugenthema als auch das lebhafte Gegenthema werden gleichermaßen von Trompete und Streichern bestritten. Die sanfte Melodie des zweiten Satzes (eines Siciliano) wird gelegentlich durch dramatische Abwärtsskalen in den Bassstimmen jäh unterbrochen („forte“), wie durch Blitzschläge, kommt aber dennoch zu einem friedlichen Schluss. Im dritten Satz entwickelt Telemann wie im ersten ein lebhaftes Hauptthema und ein dazu scharf kontrastierendes Gegenthema, die beide hauptsächlich aus Achtel- bzw. aus Sechzehntelnoten bestehen.

Zwischen 1708 und 1711 studierte Johann Friedrich Fasch wie Telemann Jurisprudenz in Leipzig. Er dirigierte dort sogar ein zweites Collegium Musicum. Nach den verschiedensten Anstellungen (in Darmstadt, Bayreuth, Greiz und Prag) diente er als Hofkapellmeister in Zerbst von 1722 bis zu seinem Tode. Sein Concerto à 8 (Originaltitel) mit einer Solotrompete ist ein beredtes Beispiel für seinen persönlichen Kompositionsstil, der Einflüsse französischer und italienischer Schulen aufweist. Der erste – italienisch inspirierte – Satz wird durch ein Ritornello beherrscht, das mit seinen wiederholten Sechzehntelnoten stark an den Beginn von Bachs Fünftem Brandenburgischen Konzert erinnert. Der zweite Satz ist ein kurzes Duo für Trompete und erste Oboe. Der dritte Satz beginnt wie ein französisches Menuett, zeigt aber immer mehr italienische Züge während seines Verlaufs; bei einer Wiederholung wird das Menuettthema alle vier Takte durch virtuose Trompeteneinwürfe unterbrochen.

Georg Friedrich Händel komponierte das Konzert g-moll (Oboenkonzert Nr. 3) wahrscheinlich 1703 in Hamburg. Keine Originalpartitur oder stimmen sind erhalten. Die früheste Ausgabe erschien 1864 bei J. Schuberth & Co. Trotz des zweifelhaften Befundes wird das Werk heute für original gehalten. Die ersten beiden Sätze, die aus pompösen punktierten Rhythmen bzw. aus leichten, schnellen Figuren bestehen, erinnern an eine französische Ouverture. Die Art und Weise wie Händel mit den beiden Themen des zweiten Satzes umgeht, ist ähnlich wie das oben beschriebene Verfahren Telemanns und Albinonis und zeigt einmal mehr, wie wichtig die italienische Schule für deutsche Komponisten aus Händels Generation war. Der dritte Satz ist ein getragenes Siciliano in Liedform (AABB). Der Schlusssatz weist auffallende Ähnlichkeiten zum zweiten Satz von Händels Orgelkonzert Op. 4, Nr. 3 auf und bietet damit ein weiteres Beispiel dafür, wie der Komponist ständig an seinem musikalischen Material feilte. Die Suite D-Dur wurde erstmals 1733 vom Londoner Verleger Jonathan Johnston – wohl ohne Händels Einwilligung – als „ The Famous Water Peice [sic] Compos'd by Mr. Handel ” veröffentlicht. Drei der fünf Sätze lassen sich in Händels sonstigem Oeuvre nachweisen, der erste ist tatsächlich aus der Water Music. Die anderen beiden Sätze, eine Gigue und ein Menuett, sind keinesfalls von geringerer Qualität. Im Gegenteil: das zentral angebrachte Menuett gilt als bedeutendster Inhalt des Gesamtwerks.

Edward H. Tarr

 


Close the window