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8.570927 - MAYR, J.S.: Concerto Bergamasco / Keyboard Concerto in C Major / Trio Concertante (Bavarian Classical Players, Hauk)
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Simon Mayr (1763–1845)
Concerto bergamasco • Cembalokonzert in C-Dur • Trio concertante

 

Simon Mayr, in Mendorf bei Ingolstadt geboren, erhielt vom Vater, einem Schulmann und Organisten, den ersten Musikunterricht. Im Kloster Weltenburg und bei den Jesuiten in Ingolstadt erfuhr der junge Simon weitere Anregungen, ehe er um 1790 durch die Vermittlung von Thomas de Bassus und wohl auch dessen Sohn Dominicus nach Italien gelangte. Carlo Lenzi in Bergamo und der damals berühmte Ferdinando Bertoni, Markuskapellmeister in Venedig, unterwiesen den Bayern in der Komposition und förderten seine Karriere. Oratorien, Opern und zahlreiche Kirchenmusiken entstanden in der Lagunenstadt und machten Mayr bekannt, er galt als „celebre Maestro“. 1802 wurde er zum Kapellmeister an Santa Maria Maggiore in Bergamo gewählt. Er begründete dort eine Musikschule, die Lezioni Caritatevoli di Musica nach dem Vorbild der weithin aufgelösten Klosterkonservatorien und holte hervorragende Musiker und Pädagogen in die Stadt, die seine Wahlheimat wurde. Gaetano Donizetti war sein Schüler. Etwa 70 Opern, die an den prominenten Opernhäusern in ganz Europa erklangen, begründeten Mayrs Ruf als „Vater der italienischen Oper“. Daneben schuf er ein gewaltiges kirchenmusikalisches Werk, Lieder und auch einige größere Instrumentalkompositionen, darunter zwei vollständig überlieferte Klavierkonzerte, das Concerto d-Moll für Flöte, Klarinette, Bassetthorn, Piccolo und Orchester und ein Terzetto a-Moll für drei Violinen und Orchester.

Der Geiger, Kapellmeister und Komponist Louis Spohr, einer der hervorragenden Vertreter deutscher Frühromantik, gibt in seinen „Erinnerungen“ eine persönliche Charakteristik von Simon Mayr. Mayr sei allerdings “tief in die italienische Manier hineingeraten und verleugnet fast ganz den Deutschen. Seine Art, den Gesang zu führen und zu instrumentieren, ist rein italienisch. Verwundern darf man sich darüber freilich nicht, da er seit seinem vierzehnten [recte: vierundzwanzigsten] Jahre in Italien lebt und nie für andere als italienische Zuhörer geschrieben hat. Ich glaube, daß er sich, seinem angebornen Talent unbeschadet, bloß dadurch über die andern emporgehoben hat, daß er sich von jeher alle vorzüglichen deutschen Werke zu verschaffen suchte, sie studierte und benutzte, und zwar letzteres wohl manchmal ein wenig zu sehr. Er wird in ganz Italien und be sonders hier [in Neapel] sehr geschätzt und geliebt und verdient es auch in jeder Hinsicht und ist als Mensch noch immer der rechtschaffene, schlichte und bescheidene Deutsche. Sein Vaterland liebt er sehr und scheint nur zu bedauern, daß ihn das Schicksal nicht seine Karriere als Komponist in Deutschland machen ließ. In seinem Bergamo, wo er Kapellmeister ist, will er sich jetzt [1817] ganz zur Ruhe begeben und nur noch für seine Kirche schreiben.”

Wohl um 1820 entstand das Concerto per Flauto, Clarinetto, Corno bassetto ed Ottavino, so der Titel auf der autographen Partitur. Originell an diesem Werk ist, daß die vier Soloinstrumente ausschließlich im Wechsel musizieren. Mayr schrieb dieses Konzert “pel Sig. Gio:[vanni] Sangiovanni”, der offenbar alle vier Instrumente beherrschte und mit diesem Werk die Gelegenheit erhielt, seine Vielseitigkeit öffentlich herauszustellen. Im Druck erschien das Werk erstmals 1978 unter dem Titel „Concerto bergamasco“, von Heinrich Bauer mit einigen Retouschen versehen. Der erste Satz, der in d-Moll beginnt und in D-Dur schließlich endet, gehört der Flöte. Der Kenner mag immer wieder thematische Anspielungen Mayrs heraushören, auf Beethoven beispielsweise. Der zweite Satz, der stimmungsvoll über Streicherpizzicati anhebt, ist der Klarinette gewidmet, bisweilen darf ein Solocello sich dazugesellen, heiter nachseufzend. Der dritte Satz bringt nach einer orchestralen d-Moll-Einleitung eine weitgespannte, reich ornamentierte Kantilene des Bassetthorns, ehe der vierte Satz in der Durparallele anhebt mit einem volksliednahes Thema, das variiert wird. In der ersten, dann wieder in der fünften Variation führt das Bassetthorn. In der zweiten, vierten und siebten Variation verschnauft der Solist, die übrigen Orchesterinstrumente teilen sich die Aufgaben. In der dritten Variation kehrt die Flöte mit übermütigen Trillern und Sprungfiguren zurück, die Klarinette gestaltet die sechste „con espressione“, in trübem f-Moll. Schließlich fällt auch das Ottavino ein, verkürzt gleichsam ungeduldig die siebte Variation und eröffnet das Finale mit einer Variante des ursprünglichen Variationsthemas. Im heiteren 6/8-Rhythmus werden, der Reihe nach, nochmals alle Soloinstrumente vorgeführt, das Orchester sekundiert und dialogisiert. Virtuos beschließt das Ottavino den unterhaltsamen Reigen.

Als Klavierkonzert wird in der Regel Simon Mayrs Concerto C-Dur bezeichnet. Die autographe Partitur, die in der Bibliothek des Istituto Donizetti in Bergamo aufbewahrt wird, nennt freilich als Soloinstrument das Cembalo. Damit ist natürlich die Interpretation auf einem Hammerflügel nicht ausgeschlossen, der in den letzten Jahrzehnten des 18. Jahrhundert auf dem Vormarsch war und das Cembalo allmählich an den Rand drängte. Das Werk ist wohl um 1800 entstanden, möglicherweise in Venedig. Ein originales Titelblatt ist leider nicht erhalten, zu vermuten ist allerdings, daß das Werk ähnlich wie die Mozartschen Klavierkonzerte KV 413, 414, 415 und 449 alternativ auch mit Begleitung eines Streichquartetts aufgeführt werden kann, Oboen und Hörner also ad-libitum-Instrumente darstellen. Das Soloinstrument spielt in Anlehnung an eine Basso continuo-Praxis die Orchesterritornelle mit, Mayr hat die entsprechenden Partien ausnotiert. Ähnliches findet sich beispielsweise in Mozarts Klavierkonzert C-Dur KV 246. Im stilistischen Gestus nähert sich Mayr den Konzerten von Joseph Haydn an, den er, zumal in seinen früheren Jahren, hoch verehrte. Die Kadenzen im ersten und dritten Satz stammen von Mayr.

Das Trio concertante a tre Violini mit Begleitung des Orchesters dürfte Mayr um 1820 geschrieben haben, der Anlaß ist unbekannt. Auszugehen ist, daß das Werk erstmals im Rahmen von Konzerten der Lezioni Caritatevoli di Musica oder der 1823 gegründeten Unione Filarmonica erklang. Das Trio beginnt mit einer Introduktion in a-Moll, zunächst stockend, von Pausen unterbrochen, ganz im Stile einer Opernszene. Das folgende Andantino gibt den drei Solisten Gelegenheit, sich ausdrucksvoll und im Wechselspiel einzuführen. Ein Variationssatz schließt an, das Thema im lichten A-Dur stellen die Solisten vor. Jeder von ihnen kann in den folgenden Variationen zunächst einzeln mit virtuosen Figuren glänzen, ehe sie im Finale wieder in einen gemeinsamen und unterhaltsamen Dialog treten.


Franz Hauk


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