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8.572187 - HOFFMEISTER, F.A.: Double Bass Quartets Nos. 2-4 / SCHUBERT, F.: Arpeggione Sonata (arr. for double bass) (Duka, Sebestyen, Nicolai, Ostertag, Moll)
English  German 

Franz Anton Hoffmeister (1754–1812) Kontrabassquartette Nr. 2, 3 und 4
Franz Schubert (1797–1828) Arpeggione-Sonate

 

Franz Anton Hoffmeister wurde 1754 in Rothenburg am Neckar als achtes Kind seiner Eltern geboren. Mit vierzehn Jahren ging er nach Wien, um Rechtswissenschaften zu studieren und sicherlich auch, um seine musikalischen Interessen zu verfolgen. 1778 wurde er Kapellmeister des Grafen Franz von Szecsenyi, auf dessen ungarischem Landsitz er die nächsten drei Jahre verbrachte. Wieder in Wien, gründete er—zunächst mit dem Buchhändler Rudolf Gräffer—einen neuen Musikverlag, der im Januar 1784 in der Wiener Zeitung gemeldet wurde. In diesen Jahren stand Hoffmeister in engem persönlichen und verlegerischen Kontakt zu Wolfgang Amadeus Mozart. Eine 1791 in Linz an der Donau eröffnete Niederlassung bestand nur für recht kurze Zeit, und 1795 veräußerte er den größeren Teil seines Unternehmens an Artaria.

Während einer Konzertreise mit dem Flötisten Franz Thurner lernte Hoffmeister 1798 in Leipzig den Organisten Ambrosius Kühnel kennen, mit dem er zwei Jahre später einen neuen Verlag, das Bureau de Musique eröffnete, woraufhin er teils in Leipzig und teils in Wien weilte, wo seine Gemahlin die Geschäfte führte. 1805 übergab er Kühnel die Leipziger Firma, die nach dessen Tod im Jahre 1813 an C.F.Peters verkauft wurde. Hoffmeister kehrte indessen nach Wien zurück und verkaufte eine Reihe seiner Publikationen an die Chemische Druckerey.

Wenngleich Hoffmeister nur vorübergehend als Verleger tätig war, publizierte er doch einige Werke der hervorragendsten Zeitgenossen wie Beethoven, Förster, Haydn, Mozart, Pleyel, Albrechtsberger, Clementi, Vanhal und Wranitzky. Zudem war er ein sehr rühriger Komponist: Sein Werkverzeichnis enthält rund fünfzig Symphonien, um die sechzig Konzerte, mancherlei Kammermusiken sowie einige Singspiele, unter denen Der Königssohn aus Ithaca einen besonders großen Erfolg errang: Das Libretto stammte von Emanuel Schikaneder, der das Stück 1795 am Freihaus-Theater herausbrachte und selbst den Colifonio, den mehr dem Irdischen verbundenen Begleiter des Prinzen, darstellte; dieser hatte unter anderem das Papageienlied Bey grossen und mächtigen Herren / möcht ich wohl ein Papagey sein zu singen, das besonders populär wurde.

Hoffmeisters Kompositionen kannte man auch bei den Mozarts in Salzburg: Nannerl vermerkt im August 1780 in ihrem Tagebuch, dass man etwas von seinen Quartetten gespielt habe. Als sich ihr Bruder dann 1781 in Wien niederließ, trat er in persönlichen Kontakt zu Hoffmeister, den er in einem Brief vom November 1785 um einen Vorschuss auf sein g-moll-Klavierquartett angeht (der Bitte scheint Hoffmeister mit der Zahlung von zwei Dukaten entsprochen zu haben). Auch in den Briefen, die Mozart 1790 seiner Frau Constanze schreibt, geht es um geschäftliche Angelegenheiten mit Hoffmeister—offenbar um weitere Vorschüsse, da die finanzielle Lage immer prekärer wurde.

Neu an Hoffmeisters „Kontrabassquartetten” ist, dass die erste Violine des üblichen Streichquartetts durch einen solistisch behandelten Kontrabass ersetzt wird. Das Soloquartett Nr. 2 D-dur beginnt mit der Exposition des Hauptthemas im Kontrabass. Nach einem kurzen Wechselspiel der Beteiligten stellt der Bass auch das zweite Thema vor. Die zentrale Durchführung des Kopfsatzes beginnt mit einer transponierten Variante des Hauptthemas, woran sich einige technische Demonstrationen des Solisten anschließen. Die ordnungsgemäße Reprise beschließt den Satz. Im nachfolgenden Menuett spielt die Bratsche die erste Hälfte des Hauptthemas, in dessen weiteren Verlauf sich Violine und Viola teilen, bevor der Kontrabass übernimmt, dem auch der melodische Part des Trioteils zufällt, wobei er neuerlich einige virtuose Einlagen zu spielen hat, ehe das eigentliche Menuett wiederholt wird. Im zweiten Teil des A-dur-Andante gibt es einige instrumentale Interaktionen, an die sich die Reprise des Hauptthemas anschließt. Ein Rondo im fröhlichen Sechsachteltakt beendet das Werk. Der Kontrabass präsentiert den Refrain, in den die Violine einfällt. Die erste Episode bringt vor der Wiederkehr des Hauptthemas kunstvolle Kontrabass-Figuren sowie eine Kadenz. Die Violine leitet dann die zweite Episode ein, die in einen weiteren Refrain übergeht. In den Schlussakkorden des Stückes darf sich der Kontrabass in einer Passage aus Doppel- und Dreifachgriffen ergehen.

Im ersten Satz des Soloquartetts Nr. 3 D-dur stellen Kontrabass und Bratsche das erste Thema vor, das danach von der Geige übernommen wird. Diese sorgt auch für die Überleitung zu dem zweiten Thema, das nun wiederum der Bass exponiert. Nach der kurzen Durchführung beschließt die Reprise des Materials den Satz. Das Adagio G-dur überträgt dem Solisten das Hauptthema, bevor auch die Bratsche sowie die Geige eine gewisse Prominenz erreichen. Das Quartett endet im Tempo di Minuetto, dessen Thema vom Solisten präsentiert und anschließend viermal variiert wird: Zunächst ergeht sich die Violine in Sechzehnteln, worauf der Kontrabass eine triolische Veränderung spielt. In der dritten Variation machen sich gewisse synkopische Bildungen bemerkbar, und endlich steuert die Bratsche mit ihrem Figurenwerk dem Ende des Stückes entgegen.

Das Soloquartett Nr. 4 D-dur lässt wiederum den Kontrabass als erstes zu Worte kommen, ehe der Hauptgedanke kurz in die Violine übergeht, der nachfolgend im Duett mit der Bratsche die Exposition des Nebenthemas obliegt, das nachher der Bass aufgreift. Eine kurze Durchführung führt zur Rückkehr des ersten Themas in einer modifizierten Reprise. Das Hauptthema des Menuetts ist zunächst Sache der Geige, wohingegen der Bass im Trio die Führung übernimmt. Das Andante in Adur bietet ein instrumentales Wechselspiel, in dem das Violoncello freilich—nicht anders als in den anderen Stücken—nur eine recht bescheidene Begleitfunktion erfüllt. Das Rondo enthält zwei kontrastierende Episoden, von denen die zweite dem Kontrabass noch einmal die Gelegenheit der Selbstdarstellung bietet.

Franz Schubert, der Sohn eines Schulmeisters, verbrachte die meiste Zeit seines kurzen Lebens in Wien. Er wurde an der Kaiserlichen Kapelle als Chorsänger ausgebildet und erhielt ebendort auch eine allgemeine Ausbildung. Mit dem Stimmbruch beschloss er, die Schule zu verlassen und in die Fußstapfen seines Vaters zu treten, mit dem er auch tatsächlich für kurze Zeit als Lehrer zusammenarbeitete. Gleichwohl widmete er sich immer mehr der Musik und den Freunden. Ein offizielles Amt hat Franz Schubert in keiner der Wiener Institutionen erhalten, doch bei seinem Tode im Jahre 1828 hatten die Verleger eben begonnen, sich in zunehmendem Maße für sein Schaffen zu interessieren.

Der Arpeggione, ein Variante der Streichgitarre, wurde 1823 von dem Wiener Lautenmacher Johann Georg Staufer erfunden oder zumindest konstruiert. Das Instrument hatte sechs Saiten in Gitarrenstimmung und ein Griffbrett mit 24 metallnen Bünden. Der einzige Repräsentant von einigem Rang war Vincenz Schuster, der in Anton Diabellis Verlag eine Arpeggione-Schule publizierte. Für Schuster schrieb Schubert im Jahre 1824 auch die hier vorliegende Sonate, die inzwischen längst ins Repertoire der Cellisten und Bratscher gehört und nunmehr auch in einer Einrichtung für Kontrabass erklingt.

Das Hauptthema des Kopfsatzes wird vom Klavier vorgestellt und, wie üblich, vom Soloinstrument mit einigen Erweiterungen wiederholt. Ein zweites, lebhafteres Thema führt zum Ende der Exposition und ihren Pizzikato-Akkorden. Viel von diesem Material erscheint in der zentralen Durchführung, die mit einer kurzen Kadenz zum ersten Thema und somit zur Reprise zurückleitet. Das Adagio bietet nach einer kurzen Klaviereinleitung eine schöne, singende Melodie des Soloinstruments. Den Abschluss bildet ein Allegretto, das mit einem liedhaften Thema beginnt, in dem sich Schubert einmal mehr als Meister der melodischen Erfindung zeigt. Die rhythmisch an den ersten Satz erinnernde Episode kontrastiert mit dem Hauptthema, das sich als Refrain zurückmeldet, noch einmal von der Episode unterbrochen wird und dann in einer letzten Wiederholung die Sonate beschließt.


Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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