About this Recording
8.572906 - REGER, M.: Organ Works, Vol. 13 - Monologe: Nos. 7-12 / Organ Sonata No. 1 / Fantasia and Fugue in C Minor (Barthen)
English  German 

Max Reger (1873–1916)
Orgelwerke • Folge 13

 

Sein Interesse an der Musik verdankte der junge Max Reger vor allem seinem Vater, einem Lehrer und begeisterten Amateurmusiker, sowie seinem frühen Unterricht bei Adalbert Lindner, dem Organisten von Weiden in der Oberpfalz. Ein Jahr nach der Geburt ihres Sohnes waren die Regers aus dem benachbarten Brand in die Stadt gezogen, wo der der Knabe seine Kindheit und Jugend verbrachte. Nach Abschluss seiner schulischen Ausbildung wollte er selbst Lehrer werden; indessen hatte Lindner einige frühe Kompositionen seines Schülers an seinen eigenen Lehrer Hugo Riemann geschickt, und dieser nahm Reger zunächst in Sondershausen und dann in Wiesbaden als Schüler bzw. Assistenten an. Der Militärdienst hatte negative Auswirkungen auf die körperliche und seelische Befindlichkeit des jungen Mannes. Er kehrte fürs erste ins Elternhaus zurück, wo in der Folgezeit zahlreiche neue Stücke entstanden—darunter eine monumentale Serie von Choralfantasien und anderen Orgelwerken. Viele dieser Kompositionen komponierte Reger offenbar im Hinblick auf die Fertigkeiten seines Freundes Karl Straube, der sich als Interpret der Werke einen Namen machen sollte.

1901 zog Reger nach München, wo er während der nächsten sechs Jahre lebte. Die dortige Musikwelt tat sich nicht leicht mit ihm, denn man sah in dem Zugereisten einen Verfechter der absoluten Musik und zumindest anfangs einen Gegner der Programmusik, mit der man Wagner und Liszt assoziierte. Indessen hatte Reger als Pianist Erfolg, und so fanden auch seine eigenen Schöpfungen allmählich ihren Weg zum Publikum. In München entstanden unter anderem die Sinfonietta, etliche Kammermusiken und die beiden großen Variationswerke über Themen von Bach bzw. von Beethoven, denen in späteren Jahren die bekannten Mozart-Variationen folgten.

1907 änderte sich Regers Leben. Er übernahm eine Kompositionsprofessur an der Leipziger Universität, und seine Musik erreichte ein immer größeres Publikum, wobei ihm sein Ruf als ausübender Musiker nicht allein in Deutschland und Österreich, sondern auch in den Niederlanden und sogar in London und St. Petersburg half. 1911 verpflichtete ihn der Herzog von Sachsen-Meiningen als Dirigent des von Hans von Bülow etablierten Hoforchesters, wo auch schon der junge Richard Strauss dirigiert hatte. Max Reger blieb bis zum Ausbruch des Ersten Weltkrieges in Meiningen. Die kriegsbedingte Auflösung des Orchesters kam Reger entgegen, denn er hatte ohnehin bereits mit dem Gedanken gespielt, den Posten aufzugeben. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in Jena, ohne freilich seine kompositorische und konzertierende Laufbahn aufzugeben. Er starb im Mai 1916, während er auf der Rückreise aus den Niederlanden in Leipzig Station machte.

Die Orgelmusik von Max Reger nimmt im Repertoire eine besondere Stellung ein. Weithin gilt er als der größte deutsche Orgelkomponist seit Bach. Zwar war er selbst katholisch, doch in der lutherischen Tradition fand er einen musikalischen Quell, aus dem er die Inspiration für seine Choralvorspiele, Choralfantasien und andere Werke schöpfte. Die Wertschätzung, die seine Orgelwerke schon zu seinen Lebzeiten erfuhren, ist nicht zuletzt Karl Straube zu verdanken, der wie Reger bei Hugo Riemann studiert hatte und seit 1902 als Organist an der Leipziger Thomaskirche tätig war.

Die schwierige Fantasie und Fuge c-moll op. 29 vollendete der Komponist 1898. Im nächsten Jahr erfolgte die Veröffentlichung mit einer Widmung an Richard Strauss. Die imposante Fantasie ist deutlich aus dem Geiste Bachs geschrieben, spricht dabei unverkennbar die harmonische Sprache Regers und mündet in eine ebenso vertrackte wie beeindruckende Fuge zu vier Stimmen.

Die zwölf unterschiedlich komplizierten Monologe op. 63 erschienen 1902 in drei Heften. Die ersten vier Stücke sind dem Hannoveraner Organisten Hermann Dettmer gewidmet, die zweiten vier dem Organisten und Komponisten Robert Frenzel. In dieses zweite Album gehört das siebte Stück, ein recht schlichtes Ave Maria in A-dur mit der Vortragsbezeichnung Andante sostenuto (ma con moto). Ihm folgt eine kontrapunktische Fantasie in C-dur mit der Tempoangabe Vivace. Widmungsträger des dritten Heftes ist Richard Jung, der Organist der Greizer Stadtkirche. Es beginnt mit einer gehaltvollen Toccata e-moll, an die sich eine fünfstimmige Fuge e-moll anschließt. Darauf folgt ein Kanon in D-dur, dessen Oberstimmen sich im Abstand einer Septime antworten. Das Heft endet mit einem chromatischen Scherzo d-moll im Dreiertakt mit der Bezeichnung Vivace.

Seine Sonate Nr. 1 fis-moll op. 33 schloss Reger im Jahre 1899 ab. Sie ist »Herrn Prof. A. W. Gottschalg, grossherz. sächs. Hoforganist in verehrungsvoller Dankbarkeit« zugeeignet. Nämlicher August Wilhelm Gottschalg hatte als Organist und Kantor von Weimar- Tiefurt mit Franz Liszt Freundschaft geschlossen und denselben bei einer Exkursion zu den Orgeln der Weimarer Gegend begleitet, die den berühmten Virtuosen zu eigenen Kompositionen für das Instrument inspirierte. Man spürt etwas vom künstlerischen Verhältnis der beiden Musiker zueinander, ohne dass Reger als Vertreter der abstrakten Musik ein unbedingter Gefolgsmann Liszts und Wagners gewesen wäre. Dementsprechend ist Bachs Geist selten fern. Der erste Satz, eine Fantasie in fis-moll mit der Tempobezeichnung Allegro energico, bringt als kurzes kontrapunktisches Zwischenspiel eine leise Fugenexposition (Un poco meno mosso), bevor die massiven chromatischen Texturen wieder aufgegriffen werden und den Satz beschließen. Das nachfolgende Intermezzo wendet sich sostenuto von e-moll nach E-dur und fungiert als Vorspiel der eindrucksvollen Passacaglia, mit der die Sonate ihr Ende findet. Der Grundbass dieses Finales erklingt zunächst im Pedal der Orgel (ppp), wo er über weiteste Strecken auch verbleibt. Zwischendurch bringt ihn die linke Hand in wuchtigen Oktaven, dann kehrt er ins Pedal zurück, um seinen Teil zu dem triumphalen Fis-dur-Schluss beizusteuern.


Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window