About this Recording
8.573000 - KUMMER, F.A. / SCHUBERT, F. François: Duos for Violin and Cello (Eichhorn, Hülshoff)
English  German 

Frédéric Kummer (1797–1879) und François Schubert (1808–1878)
Duos Concertants pour Violon et Violoncelle

 

Friedrich August (alias Frédéric) Kummer wurde am 5. August 1797 in Meiningen geboren. Sein Vater Friedrich August sen. (1770–1849) war zunächst Oboist in der Hofkapelle des Herzogs von Sachsen-Meiningen, übersiedelte aber mit seiner Familie bald nach der Geburt seines Sohnes nach Dresden und gab seinem Sprössling den ersten Musikunterricht, bevor dieser von Justus Johann Friedrich Dotzauer (1783–1860), einem der Begründer der sogenannten Dresdener Cellistenschule, unterrichtet wurde. Nachdem Friedrich August jun. bereits 1814 eine Anstellung als Oboist im Hoforchester des sächsischen Kurfürsten gefunden hatte, wechselte er drei Jahre später in die Cellogruppe des Ensembles. 1852 folgte er seinem Lehrer am Pulte des Ersten Cellisten nach, und diese Position bekleidete er bis zu seiner Pensionierung. In den zwanziger und dreißiger Jahren unternahm Kummer verschiedene Konzertreisen. Er gab Recitals in Dresden, Leipzig, Berlin, Weimar, gastierte aber auch in Wien, Prag, Mailand und Kopenhagen. Kummer war Mitglied eines Quartetts, zu dem auch die Kollegen Karol Lipiński und Franz Anton (François) Schubert gehörten. Mit dem Letztgenannten trat Kummer oft auch in einer Duoformation auf, die ihr Publikum, wie berichtet wird, durch ihr staunenswertes Zusammenspiel verzauberte. Bei der Gründung des Dresdner Konservatoriums im Jahre 1856 wurde Kummer zum Professor ernannt. Er unterrichtete viele vorzügliche Cellisten—darunter seine Söhne Ernst und Max sowie Bernhard Cossmann, Julius Goltermann und Robert Hausmann. Er schrieb über vierhundert Werke, von denen rund die Hälfte publiziert wurde. Darunter finden sich Entr’actes fürs Theater, virtuose Stücke für Violoncello und pädagogische Werke. Seine 1839 erschienene Violoncello-Schule op. 60 wird noch immer aufgelegt. Für den Unterricht gedacht sind unter anderem auch die Zehn melodischen Studien op. 57 und die Acht Etüden op. 44. Friedrich August Kummer starb am 22. August 1879 in Dresden.

Der bereits erwähnte Franz Anton (François) Schubert, der mitunter durch den Zusatz »der Jüngere« von seinem gleichnamigen Vater unterschieden wird, erblickte am 22. Juli 1808 in Dresden das Licht der Welt. Nach erstem Unterricht bei seinem Vater und bei Antonio Rolla (1798–1837) wurde er in Paris von Charles Philippe Lafont (1781–1839) ausgebildet, der seinerseits bei Rodolphe Kreutzer und Pierre Rode studiert hatte. Da man ihn bisweilen mit dem weitaus berühmteren Franz Schubert aus Wien verwechselte, nahm er in Paris, wo er unter anderem mit Chopin Freundschaft schloss, den Namen »François« an. Tatsächlich findet sich im Wiener Schubert-Katalog ein Lied mit dem Titel Mein Frieden, das möglicherweise von dem Dresdner François Schubert geschrieben wurde. Dieser kehrte 1833 in seine Heimatstadt zurück, wo er auch den Rest seiner Karriere verbrachte. 1861 trat er als Erster Konzertmeister der Dresdner Hofkapelle die Nachfolge seines Kollegen Karol Lipiński an. Zu seinen Kompositionen gehören Werke nach Opernmelodien, Violinetüden und andere Geigensachen. Seine berühmteste Kreation sind die Bagatelles: 12 morceaux detachés op. 13 für Violine und Klavier (1856–1862). Die neunte dieser Miniaturen—L’Abeille oder Die Biene—ist häufig in Anthologien kleiner Geigenstücke zu finden. Franz Anton (François) Schubert starb am 12. April 1878 in Dresden.

Das erfolgreiche Duo Kummer-Schubert fand beim Publikum, wie bereits gesagt, großen Anklang durch sein exzellentes Zusammenspiel, das nicht zuletzt durch mancherlei Gemeinschaftskompositionen entstanden war. Die vorliegende Produktion enthält drei jeweils zweiteilige Publikationen: Deux Duos concertans pour Violon et Violoncelle sur des thèmes favoris de Zampa et de Guillaume Tell; Deux Duos de Concert pour Violon et Violoncelle, op. 67; und Deux Duos de Concert pour Violon et Violoncelle, op. 52. Im Falle der Deux Duos concertans und der beiden Duos op. 52 sind beide Musiker als Autoren genannt, während das Titelblatt der Duos op. 67 Friedrich August Kummer allein als Verfasser angibt. Überall finden sich schnelle Läufe, Doppelgriffe und Akkorde, Pizzikati und Flageoletts, die ein vorzügliches, schwungvolles Ensemble verlangen.

Das erste der beiden Duos concertans pour Violon et Violoncelle beruht auf Themen der Don-Juan-Geschichte Zampa, ou La fiancée de marbre (»Zampa, oder Die marmorne Verlobte«), die neben Le Pré aux Clercs (1832) zu den bekanntesten Bühnenwerken des Opern- und Ballettkomponisten Louis Joseph Ferdinand Hérold (1791–1833) und zu den beliebtesten Singspielen des 19. Jahrhunderts gehörte. Das Duo in der Tonart D-dur beginnt mit einem Allegro, das neben einigen lieblichen Momenten viel virtuoses Passagenwerk enthält. Von hier aus führt der Weg zu einem Andantino mit zwei Variationen, denen sich ein Melancolico in Moll und im Dreivierteltakt anschließt. Danach werden die ursprüngliche Tonart und der Zweivierteltakt wieder aufgenommen; das Allegro erreicht schließlich zwei Fermaten, worauf das Stück ff in einem galoppierenden Vivace endet.

Das zweite der Deux Duos concertans fußt auf Themen aus Guillaume Tell. Einem ruhigen Vierviertel-Adagio in Gdur folgt ein Allegro moderato mit drei Variationen. Danach setzt ein gewinnendes Moderato im Dreivierteltakt ein, an das sich ein Allegro im Zweivierteltakt anschließt. Eine Trillerpassage beider Instrumente führt zu einer kurzen Reprise des Dreiviertel-Moderato und zum abschließenden Presto im Zweivierteltakt.

Das erste der Duos de Concert op. 67 ist eine Fantaisie brillante sur un motif de Bellini, befasst sich also mit einem der großen Meister der italienischen Belcanto-Oper. Eingeleitet wird das Stück von einem Allegro risoluto-Adagio in der Grundtonart D-dur. Das eigentliche Thema wird sehr schlicht und dolce in einem Moderato vorgetragen. Dann wird die Behandlung des Materials virtuoser: Es folgen ein con gusto, ein langsameres moderato und endlich ein Allegro, das vor der Coda (con fuoco) durch verschiedene Fermaten unterbrochen wird.

Ergänzt wird das Opus 67 durch Introduction et Variations sur un theme suisse in G-dur. Die Einleitung (Molto moderato) im Dreiachteltakt endet mit einer kurzen Kadenz, worauf moderato dolce das Dreiviertel-Thema vorgestellt wird. Nach zwei Variationen, die zunächst die Violine, dann das Violoncello ins Rampenlicht rücken, beginnt ein g-moll-Intermezzo im Viervierteltakt, das sich vom pianissimo bis zum fortissimo steigert. Eine Fermate führt im pianissimo wieder nach G-dur und zum Dreivierteltakt zurück—zunächst als ruhiges Moderato molto mit der Melodie im Violoncello, dann als abschließendes Allegro molto.

Die Deux Duos de Concert pour Violon et Violoncelle op. 52 schließlich beginnen mit einem Souvenir de Fra Diavolo, der wohl besten opéra-comique des Autorenteams Daniel-François-Esprit Auber (1782–1871) und Eugene Scribe (1791–1861), dessen Namen wir üblicherweise im Zusammenhang mit der Grand Opéra begegnen: Seit seiner Premiere im Jahre 1830 erlebte der ungemein populäre Fra Diavolo, ou L’hôtellerie de Terracine (»Fra Diavolo, oder Das Gasthaus in Terracina«) bis 1907 allein in Paris neunhundert Vorstellungen. Das Duo beginnt mit einem rabiaten Allegro marziale in C-dur und im Viervierteltakt. Nach und nach beruhigt sich die Musik bis zu einem leisen Adagio, an das sich »fieramente« ein Allegro moderato in E-dur mit zwei Variationen anschließt. Einem Risoluto folgt ein zartes Allegretto im Sechsachteltakt, das im weiteren Verlauf mit Energico bezeichnet ist und nach C-dur zurückkehrt. Einem Allegro molto-Abschnitt folgt ein Zweiviertel-Abschnitt im selben Tempo. Trillerketten in der Geige und anschließend im Violoncello bereiten die Rückkehr zu einem sanften Moderato im Sechsachteltakt vor, doch dieses ist nur ein kurzes Zwischenspiel vor dem Vivace im Zweivierteltakt, das beide Instrumente mit ihren Fortissimo-Akkorden beenden.

Das Programm schließt mit dem zweiten der Deux Duos op. 52, einer Fantaisie sur des airs nationaux styriens (»Fantasie über steyrische Volksweisen«) in G-dur. Die ruhige Misterioso-Einleitung im Viervierteltakt erreicht bald ein Andantino agitato im Sechsachteltakt. Im nächsten Abschnitt (3/4) spielt die Violine moderato grazioso einen österreichischen Ländler. Diese volkstümliche Weise wird in virtuoser Manier verarbeitet und kommt nach einem »passionierten« akkordischen Abschnitt auf einer Fermate zum Stillstand: Das anschließende Molto Allegro im Dreiachteltakt endet mit einer Presto-Coda.

Bruce Schueneman
Deutsche Fassung: Cris Posslac


Close the window