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8.573459 - CIMAROSA, D.: Overtures, Vol. 4 (Czech Chamber Philharmonic, Pardubice, Halász)
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Domenico Cimarosa (1749–1801)
Ouvertüren • Folge 4

 

Domenico Cimarosa wurde am 17. Dezember 1749 in Aversa geboren und war neben seinem alteren Kollegen Giovanni Paisiello der bekannteste Vertreter der spaten neapolitanischen Schule. Mit seinen Werken, von denen 65 Opern sowie eine Reihe geistlicher Stucke im Autograph erhalten sind, hatte er allenthalben beachtliche Erfolge. Seine Buhnenwerke wurden in ganz Europa inszeniert und nachgespielt. Nachdem sich Cimarosa zunachst im Konigreich Neapel einen Namen gemacht hatte, verbreitete sich sein Ruhm bald auch in Mittel- und Norditalien. Besonders bekannt wurde er in der Lagunenstadt Venedig, zu der er sein Leben lang fruchtbare Beziehungen unterhielt und in der er am 11. Januar 1801 auch verstarb. Der Erfolg in der Heimat fuhrte dazu, dass ihn Katharina II. als maestro di cappella an ihren Hof nach St. Petersburg berief, wo er von 1787 bis 1791 tatig war. Anschliesend bestellte Kaiser Leopold II. mindestens drei Opern fur das Wiener Burgtheater bei ihm, darunter sein vermutlich beruhmtestes Werk Il matrimonio segreto. Im Gegensatz zur Darstellung seiner Biographen war Cimarosa in Wien nicht offiziell als Kapellmeister angestellt, sondern, wie wir heute sagen wurden, fur Seine Majestat freischaffend tatig.

Im Laufe seiner Karriere hat Cimarosa fur seine Opernouverturen zwei verschiedene Formen verwandt. Wahrend der fruhen Jahre (bis etwa 1786) benutzte er vornehmlich den dreisatzigen Aufbau (schnell-langsam-cantabile-schnell) im Zweier- und mehr noch im Dreiertakt. Die grose Mehrzahl seiner spateren Ouverturen ist indessen einsatzig gestaltet, wobei dem Allegro in verkurzter Sonatenform mitunter ein langsamer, rhapsodischer Satz voraufgeht. Die Wahl der jeweiligen Formen war indessen nicht so sehr eine Frage der personlichen Vorlieben; vielmehr entsprach der Komponist damit dem Publikumsgeschmack, der sich im Laufe der Zeiten veranderte und von Ort zu Ort verschieden war.

I sdegni per amore

I sdegni per amore (»Argernisse der Liebe«) komponierte Cimarosa im Jahre 1776 fur die Karnevalsspielzeit des neapolitanischen Teatro Nuovo. Dem fur die Premiere gedruckten Libretto zufolge, von dem ein Exemplar in der Florentiner Biblioteca Marucelliana liegt, handelt es sich dabei um eine »komische Oper in einem Akt«. Aufgefuhrt wurde das Werk zusammen mit der »farsetta« I matrimoni in ballo, die Cimarosa 1786 revidierte und unter dem Titel La baronessa Stramba erneut auf die Buhne des Teatro nuovo brachte—dieses Mal als »dritten Akt« seiner Oper Il credulo. Da von dem Libretto der Sdegni per amore keine spateren Druckausgaben bekannt sind, ist anzunehmen, dass das Werk keine weiteren Auffuhrungen erlebte.

La finta Frascatana

La finta Frascatana (»Die falsche Frascatanerin«) ist eine commedia per musica. Cimarosa schrieb sie auf ein Libretto von Pasquale Mililotti. Die Urauffuhrung fand in der Wintersaison 1776 am Teatro Nuovo statt. Sie fand nicht zuletzt wegen ihres amusanten Textes beim heimische Publikum grosen Anklang, wurde aber von anderen Hausern nicht nachgespielt—vermutlich, weil einige der Figuren, wie bei neapolitanischen Produktionen ublich, den dortigen Dialekt sprachen, mit dem man sich andernorts schwer tat. Aufgrund seines aktuellen Arbeitsaufkommens ubernahm Cimarosa viele Themen der Ouverture in das entsprechende Vorspiel zu den Tre amanti, die wenige Tage nach La finta Frascatana am Teatro Valle in Rom herauskamen.

I tre amanti

Das zweiaktige Intermezzo I tre amanti entstand zu einem Libretto von Giuseppe Petrosellini und wurde im Karneval 1777 am romischen Teatro Valle uraufgefuhrt. Mit diesem Werk wurde Cimarosa auch auserhalb des Konigreiches Neapel bekannt: Der riesige Erfolg setzte sich zunachst in ganz Mittelitalien und dann bis nach Florenz fort, bevor Die drei Liebhaber in einer deutschen Ubersetzung auch nach Dresden kamen. Die beiden ersten Satze der Ouverture sind beinahe identisch mit den entsprechenden Abschnitten des Vorspiels, das Cimarosa zu La finta Frascatana komponiert hatte. Die einzigen auffallenden Unterschiede sind einige kurze, episodische Kadenzen im ersten sowie kleine melodische Modifikationen im zweiten der drei Satze.

Le donne rivali

Die 1780 fur das Teatro Valle geschriebenen Donne rivali (»Rivalinnen«) erzielten von Anfang an beim Publikum einen derartigen Erfolg, dass sie sofort von Venedig und Florenz nachgespielt wurden und wenige Jahre spater auch schon in St. Petersburg und Moskau zu sehen waren. Der Name des Librettisten ist nicht bekannt (das fur die Premiere gedruckte Textheft nennt keinen der Autoren). Als Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1783 mit der Arbeit an der unvollendeten und nie aufgefuhrten Oper Lo sposo deluso ossia La rivalità di tre donne per un solo amante begann, wurde Lorenzo da Ponte genannt, der den Text vermutlich revidiert hatte. Tatsachlich handelt es sich um dasselbe Libretto, das Cimarosa fur seine Donne rivali verwendet hatte (die Unterschiede bestehen in einigen Abanderungen sowie einigen neuen Personennamen).

I finti nobili

Der zweiaktigen Komodie I finti nobili (»Die falschen Adligen«) liegt ein Libretto von Giuseppe Palomba zu Grunde. Cimarosa komponierte das Werk 1780 fur die Karnevalssaison des Teatro Nuovo. Der Abend ging mit einem »dritten Akt« zu Ende: der gleichfalls von Palomba und Cimarosa verfassten »farsetta« Li sposi per accidente. Doppelvorstellungen dieser Art waren in der zweiten Halfte des 18. Jahrhunderts in Neapel ublich. Das Teatro Nuovo etwa produzierte nur selten dreiaktige Komodien; lieber prasentierte man dem Publikum zwei neue Werke, von denen das erste und umfangreichere aus zwei Akten bestand, denen sich ein einaktiges Lustspiel anschloss. Die Ouverture der Finti nobili hat Cimarosa in seiner zweiten Wiener Oper wiederverwendet—dem Amor rende sagace von 1793, den er direkt nach dem ungeheuren Erfolg des Matrimonio segreto komponierte.

Il pittor parigino

Giuseppe Petrosellini, der schon den Text zu I tre amanti geschrieben hatte, war auch der Librettist der Oper Il pittor parigino (»Der Pariser Maler«), die in der Karnevalssaison 1781 am Teatra Valle uraufgefuhrt wurde. Damit gelang dem Komponisten einer seiner grosten »Hits«: Binnen weniger Jahre spielte man das Werk bei allenthalben gleichem Erfolg auch in Prag, Barcelona, Venedig und Korfu. Eine eigene Adaption leitete Joseph Haydn 1789 in Esterhaza. Il pittor parigino gehort zu den wenigen Werken Cimarosas, die einige europaische Opernhauser noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts in ihrem Repertoire hatten. Wie damals ublich, erlebte das Stuck bei seinen Reisen durch Europa verschiedene Umgestaltungen und Abwandlungen, die nicht nur die Handlung und Verteilung der musikalischen Nummern, sondern auch den Titel betrafen. Mal nannte man es Der Onkel aus Amsterdam, dann wieder Der Pariser Maler—und 1784 brachte das Teatro Nuovo sogar eine dreiaktige Fassung namens Il barone burlato auf die Buhne, die Francesco Cipolla musikalisch erganzt und erweitert hatte.

L’amante combattuto dalle donne di punto

Die dreiaktige Komodie L’amante combattuto dalle donne di punto (»Der von rankevollen Frauen besiegte Liebende«) schrieb Cimarosa 1781 fur das Teatro dei Fiorentini in Neapel. Das gedruckte Libretto, von dem die Florentiner Biblioteca Marucelliana ebenfalls ein Exemplar besitzt, tragt den obigen Titel, wahrend der Komponist selbst seiner Partitur den Namen der Hauptfigur gab: La Biondolina. Im Jahre 1805 erlebte die Oper am Teatro Nuovo in Neapel ihre Auferstehung, als man sie in einer zweiaktigen Version unter dem Titel La giardiniera fortunata (»Die gluckliche Gartnerin«) wieder auffuhrte.

Giunio Bruto

Dieses dramma tragico per musica uber Lucius Junius Brutus, einen der ersten romischen Konsuln, wurde 1781 im Teatro Filarmonico von Verona uraufgefuhrt, und zwar am 8. September, wie sich aus einem Theaterzettel ergibt, den der Autor dieses Textes unlangst entdeckt hat. Das Werk erzielte einen gewaltigen Erfolg und kam schon wenig spater nach Genua, Siena und Pisa. Auch Joseph Haydn bewunderte die Tragodie, die er 1788 in Esterhaza auffuhrte, wobei er das Original seinen Moglichkeiten anpasste (wie er das auch mit anderen Stucken Cimarosas tat, die er am Hofe seines Dienstherrn dirigierte).

L’amor costante

L’amor costante (»Standhafte Liebe«) wurde vermutlich fur die Karnevalssaison des Teatro Valle 1782 komponiert. Es gibt allerdings keine klaren Indizien fur das Wann und Wo der ersten Auffuhrung: Gedruckte Libretti sind nicht erhalten, und die teilweise autographe Partitur beantwortet die Fragen nicht. Der Verlust der wichtigsten literarischen Quelle bedeutet auch, dass wir den Namen des Librettisten nicht kennen. In der teilweise autographen Partitur fehlt die Ouverture, wenngleich die Numerierung der Bogen zeigt, dass Cimarosa eine solche geplant haben musste—das erste Buch beginnt mit der Nummer 12, woraus folgt, dass die Ouverture auf den ersten elf Bogen gestanden hat und nachtraglich vom Komponisten entnommen wurde—vielleicht um sie an einer anderen Stelle zu benutzen. Die vorliegende Aufnahme basiert auf einem unveroffentlichten Manuskript aus der Bibliothek des Florentiner Konservatoriums Luigi Cherubini; darin ist auch die Ouverture eines zweiten Musikers enthalten, dessen Name bis heute ein Geheimnis ist.

Simone Perugini
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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