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8.573568 - CIMAROSA, D.: Overtures, Vol. 5 (Czech Chamber Philharmonic, Pardubice, Patrick Gallois)
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Domenico Cimarosa (1749–1801)
Ouvertüren • Folge 5

 

Domenico Cimarosa wurde am 17. Dezember 1749 in Aversa geboren und starb am 11. Januar 1801 in Venedig. Er war einer der letzten großen Vertreter der sogenannten Neapolitanischen Schule und einer der bekanntesten, meistgespielten Opernkomponisten, bevor Rossini die Szene betrat. Seine Werke (von denen 65 Opern und eine Reihe geistlicher Stücke erhalten sind) waren außergewöhnlich erfolgreich: Sie wurden in allen europäischen Theatern inszeniert und nachgespielt. Nachdem Cimarosa zunächst die führenden Häuser des Königreiches Neapel erobert hatte, verbreitete sich sein Ruhm rasch auch in die Mitte und den Norden der Halbinsel (wobei vor allem die Stadt Venedig zu nennen ist). Die italienischen Erfolge führten dazu, dass ihn die Zarin Katharina II. als ihren maestro di cappella und Musiklehrer nach St. Petersburg berief, wo er von 1787 bis 1791 tätig war. Danach erhielt er von Kaiser Leopold II. den Auftrag über mindestens drei Opern für das Wiener Burgtheater (darunter war als sein vielleicht bekanntestes Werk Il matrimonio segreto). Anders als in einigen Biographien zu lesen, trug Cimarosa in Wien nicht den offiziellen Titel eines Hofkomponisten; vielmehr war er für Seine Majestät, wie wir heute sagen würden, als Freischaffender tätig, wofür er pro Jahr die enorme Summe von 12.000 Gulden erhielt.

Atene edificata

Die Kantate Atene edificata (»Die Gründung von Athen«) schrieb Cimarosa in der kurzen Zeit am Hofe Katharinas der Großen. Die vollständig autographe Partitur wird heute in der Bibliothek des Konservatoriums San Pietro a Majello zu Neapel aufbewahrt. Da sich von dem gedruckten Libretto bislang kein Exemplar hat auffinden lassen, bestehen die meisten Informationen über die Premiere des Werkes, die mit ziemlicher Sicherheit am 29. Junijul / 10. Juligreg 1788 stattgefunden hat, in den Notizen des Komponisten auf dem Titelblatt.

Dramatische Komposition für Kardinal de Bernis

Wenig wissen wir über die Entstehung und die Rezeption der Cantata a tre voci di Dom.co Cimarosa fatta / per l’Eminentissimo Cardinale De Bernis in occasione della Nascita del Delfino (»Kantate in drei Teilen von Domenico Cimarosa verfertigt / für Seine Eminenz Kardinal de Bernis anlässlich der Geburt des Kronprinzen«). Der Dauphin, dessen Geburt mit dem Werke gefeiert werden sollte, war der Sohn Ludwigs XVI., für den François-Joachim de Pierre de Bernis—ebenso wie zuvor für seinen Vater Ludwig XV.—als Berater tätig war. Mit der Dichtung hatte der Kardinal den Poeten, Schriftsteller, Dramatiker und Übersetzer Vincenzo Monti, einen führenden Vertreter des italienischen Neoklassizismus, beauftragt. Die Aufführung des Werkes dürfte privatim in der Residenz seiner Eminenz stattgefunden haben.

La bella Greca (I matrimoni impensati)

La bella Greca (»Die schöne Griechin«) ist ein »Intermezzo in musica«, das Cimarosa für das römische Teatro Valle zur Karnevalssaison 1784 komponierte. Das zur Premiere gedruckte Libretto verrät uns zwar, dass es auch unter dem alternativen Titel I matrimoni impensati (»Die unerwarteten Hochzeiten«) bekannt war, verschweigt aber—wie das während des späteren 18. Jahrhunderts im Teatro Valle recht üblich war—den Namen des Textdichters. Es dürfte sich bei diesem allerdings um Giuseppe Petrosellini gehandelt haben, der damals am Teatro Valle tätig war und mit Cimarosa vielfach bei den römischen Produktionen zusammenarbeitete. Die zum Teil autographe Partitur liegt im Konservatorium San Pietro a Majella. Auf der Titelseite steht von fremder Hand La bella Greca, doch der von Cimarosa vertonte Text ist zweifelsfrei mit dem Libretto der Matrimoni impensati identisch, wenn man von zwei Abweichungen in den Szenen IX und X des ersten Aktes absieht.

La felicità inaspettata

Die »pastorale Kantate« La felicita inaspettata (»Unerwartete Glückseligkeit«) schrieb Cimarosa 1788 in St. Petersburg. Während Nick Rossi und Talmage Fauntleroy in ihrem Buch Domenico Cimarosa. His Life and His Operas mit der Bemerkung überraschen, dass von La felicita inaspettata keine originalen Quellen erhalten seien, wird auch diese—wiederum vollständig autographe—Partitur im Konservatorium San Pietro a Majella aufbewahrt. Das Libretto brachte der offizielle russische Hofpoet Ferdinando Moretti 1794 zusammen mit einer Auswahl eigener Bühnendichtungen heraus. Die Titelseite der Partitur verrät uns, dass »das Werk am 24. Februar 1788 im Theater der Eremitage gegeben ward«.

La villana riconosciuta

Der komischen Oper La villana riconosciuta (»Das entdeckte Mädchen vom Lande«) für das neapolitanische Teatro del Fondo liegt ein Libretto von Giuseppe Palomba zu Grunde. Anders als bei den meisten Produktionen Cimarosas kennen wir das genaue Uraufführungsdatum, da die Gazzetta universale dem Ereignis eine kurze Notiz widmete: Am Montag, den 30. Juni 1783 berichtet ein ungenannter Korrespondent, dass »Seine Majetsät am 28. ... die Aufführung einer komischen Oper namens La villana riconosciuta besuchte. Diese begab sich im Teatro del Fondo, das damit in diesem Jahr eröffnete, und die Musik von Signor Cimarosa wurde vom Publikum mit großem Beifall bedacht«. Nach der neapolitanischen Premiere wurde das Werk, oftmals unter alternativen Titeln, in vielen in- und ausländischen Opernhäusern (London, Madrid, Berlin, Florenz, Rom, Bologna, Modena) inszeniert.

I due supposti conti (Lo sposo senza moglie)

Das zweiaktige »Dramma giocoso per musica« auf Angelo Anellis Libretto I due supposti conti (Lo sposo senza moglie) (»Die zwei Möchtegern-Grafen, oder Der Bräutigam ohne Weib«)—kam am 10. Oktober 1784 an der Mailänder Scala heraus. In einem kurzen Artikel der Gazzetta universale heißt es am Mittwoch, den 13. Oktober, dass die Oper—selten genug für Cimarosa—kein Erfolg gewesen sei. Der ungenannte Berichterstatter will das der in letzter Minute geänderten Besetzung zuschreiben; eine nähere Analyse der teilweise autographen, im Konservatorium San Pietro a Majella aufbewahrten Partitur verrät überdies, dass der Komponist das Manuskript in aller Eile kompiliert hat.

Le trame deluse

Die komische Oper Le trame deluse (»Die vereitelten Pläne«) wurde 1786 am Teatro Nuovo zu Neapel als »zweite Oper« inszeniert und errang einen sofortigen Publikumserfolg. Wie an der unzähligen Menge weiterer in- und ausländischer Produktionen abzulesen ist, gehört das Werk zu den erfolgreichsten Stücken, die Cimarosa überhaupt geschrieben hat. Man spielte sie in Mailand, Wien und Neapel (1788 am Teatro dei Fiorentini in einer zweiaktigen Bearbeitung von Giuseppe Benevento), ferner in Dresden, Budapest, London und Bologna (als Li raggiri scoperti – »Die entdeckten Winkelzüge«) sowie in Madrid, Florenz und wieder in Mailand (1811 am Teatro della Canobbiana und 1818 an der Scala).

Il marito disperato

Das »Dramma giocoso« Il marito disperato (»Der verzweifelte Gemahl«) schrieb Cimarosa auf ein Libretto von Giovan Battista Lorenzi für das neapolitanische Teatro dei Fiorentini, wo 1785 die Uraufführung stattfand. Die zweibändige, zum Teil autographe Partitur liegt in der Bibliothek des Konservatoriums San Pietro a Majella, wo auch die handschriftliche, wenngleich nicht autographe Partitur einer späteren Fassung aufbewahrt wird, die 1805 am Teatro Nuovo zu Neapel als L’amante disperato (»Der verzweifelte Liebhaber«) gegeben wurde.

L’Olimpiade

Das »Dramma per musica« L’Olimpiade entstand 1784 zur Eröffnung des Teatro Eretenio in Vicenza. Das Libretto war die x-te Adaption des Textes von Pietro Metastasio, den Antonio Caldara im Jahre 1733 als Erster vertont hatte, bevor er nach und nach weitere sechzig Komponisten inspirierte. Zunächst hatten die Impresarii des Eretonio Giovanbattista Borghi, der weit weniger berühmt war als Cimarosa, mit der Komposition ihrer Oper beauftragt. Dieser aber gab das Unternehmen, nachdem er einige Teile geschrieben hatte, aus bislang ungeklärten Gründen auf. In letzter Minute wurde Cimarosa kontaktiert, der gerade in Florenz mit der Produktion seiner Vanita delusa beschäftigt war—einem »Dramma giocoso«, das sich mit der Olimpiade die Ouvertüre teilt.

La ballerina amante

Das dreiaktige »Dramma giocoso per musica« La ballerina amante (»Die verliebte Tänzerin«) entsprang einem weiteren Auftrag des Teatro dei Fiorentini. Leider ist von der Uraufführung kein gedrucktes Libretto erhalten, das uns mit Sicherheit den Namen des Textdichters nennen könnte. Es ist jedoch anzunehmen, dass es sich auch hierbei um einen Text von Giuseppe Palomba handelte, der damals am Teatro dei Fiorentini wirkte und regelmäßig mit Cimarosa zusammengearbeitet hat. La ballerina wurde viele Male außerhalb des Königreichs Neapel produziert—in Florenz, Triest, Prag, Lissabon und St. Petersburg sowie auf Malta und Korfu.

Il fanatico burlato

Die »Commedia per musica« Il fanatico burlato (»Der überlistete Fanatiker«) schrieb Cimarosa auf einen Text von Saverio Zini für das neapolitanische Teatro del Fondo, wo es 1787 als »erste Oper« aufgeführt wurde, wie das zur Premiere gedruckte Libretto mitteilt. Tatsächlich war der »Fanatiker« das letzte Werk, das Cimarosa in Italien komponierte, bevor er sich an den russischen Hof verfügte. Eine anonyme Meldung der Gazzetta universale teilt am 10. Juli 1787 mit, dass der Komponist nach St. Petersburg gereist sei, »wohin ihn die Herrscherin berufen habe, auf dass er verschiedene Werke in Musik setze«. Il fanatico burlato wurde nacheinander in Mailand, Florenz, Wien, Barcelona und Paris, auf Korfu sowie in Lissabon, Mannheim und Weimar inszeniert.

Simone Perugini
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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