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8.660314-15 - ROSSINI, G.: Occasione fa il ladro (L') (Martirosyan, Antonelou, Ruggeri, Utzeri, Cortes, Wurttemberg Philharmonic, Fogliani)
English  German 

Gioachino Rossini (1792–1868)
L’occasione fa il ladro

 

„Meine 11-Tages-Musik“: Gelegenheit macht Diebe

Dass Rossini nach seinem überwältigenden Erfolg mit La pietra del paragone an der Mailänder Scala überhaupt nach Venedig an das kleine Teatro San Moisè zurückkehrte, daran ist der Erfolg der dort im Jahr zuvor entstandenen sentimentalen Farsa L’inganno felice schuld. Am Tag nach der begeisterten Premiere vom 8. Januar 1812 schrieb der San Moisè-Impresario Antonio Cera an Rossinis Mutter: „Sie können sich rühmen, einen Jungen aufgezogen zu haben, der in wenigen Jahren der Glanz Italiens sein wird und man wird merken, dass Cimarosa nicht gestorben sondern sein Genie in Rossini übergegangen ist“. Mit der Prophezeiung lag der Impresario völlig richtig, und er zögerte nicht, das zu tun, was jeder gute Geschäftsmann tun würde, nämlich den Shooting Star an sich zu binden, bevor er endgültig entfliegen würde: „Ich teile Ihnen außerdem mit, dass ich ihn für drei weitere Farse verpflichtet habe, eine für das Frühjahr, eine für den Sommer und eine für den Karneval“. Für Rossini ging es danach Schlag auf Schlag. Noch während er im Februar 1812 mit Ciro in Babilonia in Ferrara beschäftigt war, wurde er—dank seiner guten Kontakte zu den Sängerkreisen—für einer Oper der Herbstsaison an die Scala verpflichtet. Nach Ferrara ging es aber zunächst zurück nach Venedig, um die erste der drei Vertragsopern für Cera zu schreiben. Etwas ernüchtert stellte er fest, dass ihm das Libretto von Foppa nicht besonders gefällt. Trotzdem wurde auch La scala di seta am 9. Mai ein großer Erfolg, wie Rossini selbst seiner Mutter berichtete: „Furore im Großen, denn von der Ouvertüre bis zur letzten Note gab es nichts als riesigen Applaus“. Das hat zur Folge, dass ihn das Gran Teatro La Fenice für eine ernste Oper verpflichtete. Rossini war sich bewusst, dass ihm die „materielle Zeit, soviel Musik zu schreiben“ fehlen könnte, und in der Tat sollte der Konflikt zwischen der Fenice-Oper Tancredi und der letzten Cera-Farsa, Il signor Bruschino im Januar 1813 für Letztere zu einem seiner größten Misserfolge führen; später kolportierten die Biographen sogar, dass sich Rossini für das schlechte Libretto (eine Verwechslung mit La scala di seta?) mit einigen Bizarrerien wie dem Schlagen der Geigenbögen auf die Kerzenleuchter in der Ouvertüre bei seinem Impresario gerächt hätte. Doch vorher ging Rossini ja nach Mailand, wo er die Sommermonate mit der Komposition von La pietra del paragone verbrachte. Er fand sofort Anschluss an das künstlerische und soziale Leben und dinierte beim Innenminister Luigi Vaccari. Fieberattacken—vielleicht erste Anzeichen einer schöpferischen Überanstrengung—führten zu einer Verspätung seiner zweiaktigen Oper, die schließlich am 26. September 1812 mit überwältigendem und nachhaltigem Erfolg an der Scala in Szene ging. Zu diesem Zeitpunkt sollte er schon in Venedig sein, wo ihn Cera Kraft seines Vertrages ungeduldig erwartete. Rossini sorgte vor und ließ sich von Vaccari ein Empfehlungsschreiben an den Präfekten in Venedig mitgeben, des Inhalts, dass die Fieberschübe von einer sofortigen Reise abgeraten haben. Die Bemühung höchster diplomatischer Kreise sollte sich auszahlen, wie Rossinis Bericht an seine Mutter vom 30. Oktober zu entnehmen ist: „Kaum [in Venedig] angekommen, machte mir der Impresario Cera eine Szene und wollte, dass ich ihm den entstandenen Schaden [für die Verspätung] und die Spesen zahle, weil ich meiner Pflicht nicht nachgekommen bin. Schließlich haben wir uns geeinigt, da ich ihm meine Gründe dargelegt habe, freilich nicht ihm selber, da ich mich nicht herabwürdige mit ihm zu sprechen, sondern der Regierung“. In der Folge verpflichtete er sich „die Farsa in 15 Tagen zu schreiben und heute ist der erste davon“. Dieses Versprechen unterbot er sogar noch, wie er am 18. November nach Hause meldete: „Meine 11-Tages-Musik gefällt sehr gut bei den Proben“.

Doch L’occasione fa il ladro konnte bei der Premiere vom 24. November 1812 nicht an die bisherigen Erfolge anknüpfen. Rossini beschwichtigte: „Vorgestern ging ich mit meiner Farsa in Szene, welche bezüglich der Musik gefallen hat, nicht aber die Interpretation“, während das «Giornale Dipartimentale dell’Adriatico» in der Ausgabe vom 26. November etwas ausführlicher berichtete: „Herr Maestro Rossini hat seine Musik in elf Tagen geschrieben, ein zu kurzer Zeitraum selbst für den Elan eines glühenden Genies. Reifere Komponisten würden das nie riskieren. Es ist in der Tat notwenig, die Qualität, den Stimmumfang, den Charakter der Sänger, für die zu schreiben ist, genau zu studieren, was nicht immer blitzartig möglich ist. Die Musik von Hrn. Rossini enthält viel Gutes, das sei nicht in Abrede gestellt, vor allem in der Introduktion, im ersten Teil der Arie von Paccini [Don Parmenione], in der Arie von Berti [Conte Alberto] und in jener der Canonici [Berenice], aber nicht alles von diesem Guten war Gutes, das Eindruck machte, mehr aus äußeren Umständen als wegen irgendjemandes Schuld. Das Genie von Herrn Rossini ist hier bekannt: Er hat auf dieser und auf anderen Bühnen unzweifelhafte Beweise geliefert, und diese Gelegenheit wird auch nicht seinem Ruhm schaden; sowie es den Künstlern nicht schaden wird, die sich im laufenden Herbst präsentieren.—Der Ehrlichkeit halber müssen wir anfügen, dass die Farsa an den beiden folgenden Abenden mehr Erfolg hatte“.

Dem Bericht kann man entnehmen, dass es sich keineswegs um einen Misserfolg gehandelt hat; vielmehr scheint die extrem kurze Kompositionszeit für Irritation gesorgt zu haben. In der Folge hatte diese Farsa eine vergleichsweise große Verbreitung, was sich nicht zuletzt auch an der Menge der erhaltenen zeitgenössischen Partiturabschriften erkennen lässt.

Das Libretto stammte dieses Mal nicht von einem der beiden offiziellen Theaterdichter Gaetano Rossi oder Giuseppe Foppa, sondern von dem Advokaten Luigi Prividali. Der hatte seinen Beruf an den Nagel gehängt, um sich ganz dem Theater zu widmen. Rund 20 Libretti stammen aus seiner Feder. Außerdem wirkte er an verschiedenen Theatern als Impresario und vor allem tat er sich über lange Jahre als Theaterjournalist hervor. In dieser Rolle gehörte er zu den leidenschaftlichsten Verteidigern Rossinis, mit dem er auch persönlich verbunden blieb. Eine Chronik bezeichnete Prividali als armen Teufel, der „von den laufenden Rechnungen und der geschädigten Leber in dauernder Verbitterung lebte“, doch davon ist in seinem Libretto nichts zu spüren.

Lange Zeit hat man geglaubt, dass Prividali sein Libretto aus dem Stegreif selbst erfunden hat, bis eine Komödie unter dem Titel Le prétendu par hasard ou L’occasion fait le larron („Der gewagte Anwärter, oder Gelegenheit macht Diebe“) auftauchte, die der dereinst berühmte Eugène Scribe unter dem Kürzel „M. A. E***“ veröffentlicht hatte (Paris 1810). Vielleicht kam die Idee und vor allem der Titel wirklich von diesem Stück, doch sind die Handlungsparallelen so gering, dass Prividali—eine andere, unbekannte Vorlage vorbehalten—wirklich als originaler Schöpfer dieser Verwechslungskomödie gelten darf. So kommt zum Beispiel die Kofferverwechslung, die Don Parmenione zum Gelegenheitsdieb werden lässt, bei Scribe gar nicht vor. Diese Ausgangssituation wurde übrigens später als Untertitel herangezogen, nämlich „Il cambio della valigie“ (Der Koffertausch), was einige Biographen glauben machte, es handle sich um zwei verschiedene Opern. Im Gegensatz zu den anderen Venezianer Farse Rossinis gibt es hier auch einen richtigen Szenenwechsel (von der Locanda außerhalb Neapels zu dem Haus Berenices). Prividalis Verse sind elegant, die Situationen und Dialoge witzig, der Handlungsablauf klar und flink. Die doppelte Verwechslungskomödie dient dazu, zwei ganz unterschiedliche Paare—das eine leidenschaftlich und skurril, das andere sentimental und distinguiert—einander gegenüber zu stellen. So beginnen beide großen Ensembles—das Quintett in der Mitte des Aktes und das Finale—mit dem überschwänglichen Aufeinandertreffen von Don Parmenione und Ernestina und finden ihren ruhigen Mittelpunkt in der Begegnung von Conte Alberto und Berenice, bevor sie in der Konfusion des Ensembles bzw. mit dem abschließenden Finaletto enden.

Natürlich ging die extrem kurze Kompositionszeit nicht spurlos am Arbeitsablauf vorbei. Rossini ließ alle Rezitative von einem Mitarbeiter schreiben, eine Praxis, die er erst infolge seiner Krankheit bei La pietra del paragone angefangen hatte. Die Tonartenübergänge zwischen den Rezitativen und den nachfolgenden Nummern sind manchmal äusserst ungeschickt und Rossinis Notation ist teilweise fehlerhaft. Zwei Passagen im Quintett hat Rossini neu orchestriert, wahrscheinlich nachdem er das erste Ergebnis bei den Proben gehört hatte. Aber abgesehen davon schöpfte Rossini aus dem Vollen, die Musik kommt in einem Guss daher. Dabei scheute der junge Komponist auch nicht vor neuen Lösungen zurück: Er verzichtete auf die übliche Ouvertüre und eröffnete die Oper mit einer instrumentalen Einleitung, die direkt mit der ersten Nummer, der Introduktion, verbunden ist. Dass es sich dabei um die Übernahme der Gewittermusik aus La pietra del paragone handelte, hatte allerdings nichts mit Zeitnot oder Faulheit zu tun, vielmehr manifestiert sich darin jene für Rossini typische assoziative Haltung, wenn er auf Situationen stößt, die ihm in ähnlicher Form früher schon begegnet sind. Hier war es die „Notte oscura, e tempestosa“ („die dunkle Gewitternacht“), die ihn automatisch zur Gewitterszene in La pietra zurückführte. Von Anfang an ist die Inspiration der elf Tage förmlich spürbar. Das gilt sowohl für die brillanten mitreißenden Passagen wie etwa die Stretta der Introduktion mit ihrem begeisternden Brindisi oder Don Parmeniones Tatendrang angesichts des Brautbildes, wie auch für die lyrischen Momente, die in dem Duettino zwischen dem Pärchen Alberto und Berenice gegen Ende der Oper sublimiert werden. Welch ein Glück, dass Rossini ans San Moisè zurückkehrte!

Reto Müller

Die Handlung

CD 1

[1] Landschaft außerhalb Neapels mit einem einsamen Gasthaus. Während der finsteren Nacht bricht ein heftiges Gewitter los.

[2] In der sicheren Gaststube genießt Don Parmenione den draußen tobenden Sturm bei einem guten Essen. Sein Diener Martino hingegen fährt bei jedem Blitz und Donner zusammen. Nur mit Mühe zwingt ihn sein Herr, mit ihm zu tafeln.

[3] Ein anderer Reisender, Graf Alberto, tritt durchnässt ins Gasthaus, hoffend, dass sich die Elemente nicht weiter gegen seine Liebespläne auflehnen. Sein Diener (stumme Rolle) stellt den Koffer achtlos in eine Ecke. Bei Blitz und Donner begrüßen sich die Gäste und stimmen ein süffiges Trinklied auf Bacchus und das weibliche Geschlecht an, während sich Martino in seiner Angst von den beiden unverstanden fühlt.

[4] Man tauscht Höflichkeiten aus, aber Parmenione geht nicht auf Albertos Angebot ein, die Reise gemeinsam fortzusetzen; trotz des Einwandes Martinos behauptet er, nicht nach Neapel unterwegs zu sein. Alberto erklärt, dass ihn nichts weniger als seine Heirat mit der ihm noch unbekannten Verlobten dorthin führt. Da das Gewitter nachlässt, will er weiterziehen; er weckt seinen Diener, der noch halb benommen mit dem falschen Koffer das Gasthaus verlässt. Allein geblieben erklärt Parmenione Martino, dass er niemandem Rechenschaft ablegen und deshalb alleine nach Neapel weiterreisen will. Als er zahlen möchte, bemerkt er bestürzt, dass sein Koffer mit demjenigen des anderen Reisenden verwechselt wurde. Martino, der seine Gelassenheit zurückgewonnen hat, freut sich über die vorteilhafte Verwechslung und bricht den Koffer auf. Wie erhofft findet er Geld und Schmuck, doch Parmenione fordert ihn auf, die Finger davon zu lassen. Als jedoch ein schönes Frauenporträt und auch noch der Reisepass des Grafen auftauchen, kann er nicht mehr an sich halten: er will die Braut.

[5] Entzückt über die Fügung und das Bild, schlägt Parmenione Martinos Warnungen in den Wind: trotz der kühnen Idee und der Gefahr, im Gefängnis zu landen, entschuldige das hübsche Gesicht seinen Plan—er wird sich als Graf Alberto ausgeben!

[6] Im eleganten Haus der Marchesa Berenice erwartet man mit Spannung die Ankunft des Bräutigams. Eusebio, ihr Onkel, wünscht von Ernestina, die in einer Notsituation im Haus aufgenommen wurde, dass sie als Nichte und erste Zofe Berenices betrachtet werden soll.

[7] Berenice sieht beklommen der Hochzeit entgegen und vermisst ihre übliche Beherztheit. Doch dann rafft sie sich auf und beschließt, dass sie sich nur auf eine gegenseitige Liebe einlassen wolle.

[8] Der hinzukommenden Ernestina erklärt sie, dass ihr verstorbener Vater ihre Hand dem Sohn eines Freundes versprochen hat, der sich nach ausgedehnten Reisen heute bei ihr einfinden wird. Um zu testen, in wen sich dieser verlieben wird, ordnet sie in Abstimmung mit ihrem Onkel den Rollentausch mit Ernestina an: diese wird als Braut, Berenice als Zofe auftreten. Inzwischen sind Parmenione, nun mit dem Frack Albertos gekleidet, und Martino noch vor dem wahren Bräutigam am Reiseziel angelangt.

[9] Ungestüm stellt sich Parmenione der vermeintlichen Braut vor, und obwohl er bemerkt, dass sie nicht dem Bild entspricht, verliebt er sich sofort in sie. Ernestina ihrerseits findet ihn skurril und liebenswürdig und bedauert schon, nicht die wirkliche Braut zu sein. Überschwänglich eilen sie, um Eusebio über die Ankunft zu unterrichten.

[10] Der mittlerweile ebenfalls eingetroffene Alberto glaubt sofort, in Berenice die Braut zu erkennen und ist tief enttäuscht, von ihr zu erfahren, dass sie nur die Zofe sei, während diese sich eingesteht, dass sie sich keinen besseren Mann wünschen konnte.

[11] Da eilt Eusebio herbei, um nach dem Bräutigam zu fragen, und Alberto stellt sich ihm als diesen vor. Doch im gleichen Moment kommt Ernestina mit Parmenione, der sich dreist als Don Alberto vorstellt. Die drei Hausbewohner fragen sich beklommen, wer der Betrüger sei, während die beiden Rivalen um Fassung ringen.

[12] Eusebio verlangt eine Erklärung. Alberto beteuert seine Identität, doch Parmenione kann mit dem Reisepass beweisen, dass er der Graf Alberto ist. Alle fünf glauben in dieser Konfusion den Kopf zu verlieren.

CD 2

[1] Ernestina sinniert über ihre Situation: von einem Undankbaren sitzen gelassen, sieht sie sich erneut von einem möglichen Heiratsschwindler hofiert. Da kommt Alberto und bekräftigt mit nobler Würde, der Bräutigam zu sein. Er verzeiht ihr, sich gutgläubig in einen Betrüger verliebt zu haben.

[2] Alberto löst die Braut von ihrem Eheversprechen, da er für sie sowieso keine Liebe empfinde; aber dass sein Name von einem suspekten Abenteurer usurpiert wird, kann er nicht auf sich sitzen lassen.

[3] Berenice beschließt, den angeblichen Bräutigam zu testen. Dieser erklärt der vermeintlichen Zofe großspurig, dass er sie nach seiner Heirat in seine Dienste nehmen werde. Sie behauptet, gar nicht die Zofe, sondern die Braut zu sein.

[4] Parmenione ist verunsichert, aber ihre Bemerkung, dass er für einen Hochstapler gehalten werde, pariert er mit dem Hinweis auf seine Beweismittel. Berenice stellt ihm eine ganze Reihe Testfragen, bei denen er sich immer mehr verstrickt. Zuletzt überschütten sich die beiden gegenseitig mit Vorwürfen.

[5] Eusebio und Ernestina versuchen, von Martino mehr über seinen Herrn zu erfahren.

[6] Der schlaue Diener zeichnet von Parmenione ein Bild, das keine Klarheit schafft, und ihn als eines jener Wesen ausweist, wie sie überall anzutreffen sind.

[7] Alberto stellt Parmenione zur Rede. Die Rivalen geraten in einen heftigen Streit, dessen Lärm Berenice herbeiruft. Alberto ist bereit, auf die Hochzeit zu verzichten, falls die andere Frau die Braut sei, während Parmenione diese auch heiraten würde, wenn sie nicht die Braut wäre. Berenice ist empört, wie die beiden Männer über ihren Kopf hinweg paktieren.

[8] Sie selbst will zuerst einmal wissen, wer der wirkliche Bräutigam ist. Alberto bietet ihr seine Hand an, was ihm Parmenione gerne zubilligt. Berenice tappt im Dunkeln. Sie verliert die Beherrschung und droht den Männern, dass sie ihre Verschwörung noch bereuen werden.

[9] Eusebio hat von Martino die zwielichtige Vergangenheit Parmeniones erfahren, doch Ernestina verteidigt ihn. Da tritt dieser hinzu und stellt sich als Don Parmenione di Castelnuovo vor, der den Auftrag hatte, die verschwundene Schwester eines Freundes zu suchen. Ernestina gibt sich als diese zu erkennen, und Parmenione bietet ihr seine Hand an.

[10] Eusebio will wissen, wer der andere Fremde sei und Parmenione bestätigt, dass es sich um den wahren Bräutigam handelt. Eusebio frohlockt mit den beiden Liebenden über die glückliche Wendung. Derweil geben sich Alberto und Berenice, endlich über ihre wahren Identitäten im Bild, ein zärtliches Stelldichein.

[11] Martino kündigt eine Erklärung seines Herrn an. Parmenione bittet um Verzeihung für seine Hochstapelei und begründet sie mit dem Porträt aus dem Koffer. Alberto beschwichtig Berenice, dass es das Bild seiner Schwester sei, das er ihr als Brautgeschenk mitgebracht hat. Parmenione gesteht, dass er den Irrtum sofort bemerkt habe, aber sich sogleich in Ernestina verliebt hat, die sich schließlich als diejenige herausstellte, auf deren Suche er eigentlich war. Unter der allgemeinen Freude über die Doppelhochzeit erkennt man die Moral, dass es manchmal eine gute Entschuldigung dafür gibt, wenn Gelegenheit Diebe macht.

Reto Müller


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