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8.660394-97 - WAGNER, R.: Walküre (Die) (Goerne, DeYoung, Skelton, Melton, P. Lang, Struckmann, Hong Kong Philharmonic, van Zweden)
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Richard Wagner (1813–1883)
Die Walküre

 

Im August 1876 wurde Richard Wagners Tetralogie Der Ring des Nibelungen im neuerbauten Bayreuther Festspielhaus zum ersten Male vollstandig aufgefuhrt. Der Zyklus besteht aus dem Vorabend Das Rheingold, worauf an den beiden nachsten Tagen Die Walkure und Siegfried sowie als Abschlus die Gotterdammerung folgen. Den Text zu Die Walkure vollendete Wagner 1854, und die komplette Partitur war 1856 abgeschlossen. Dennoch verstrichen vierzehn Jahre bis zur Erstauffuhrung des Werkes, und gar zwei Jahrzehnte musten vergehen, bevor der gesamte Ring in dem neuartigen, eigens dafur erbauten Opernhaus seine Premiere erlebte. Das Unternehmen stellt einen Hohepunkt des schopferischen Geistes und die Apotheose der deutschen Kunst dar. Mit den Charakteren, Ereignissen und Ideen des Dramas sind Leitmotive verbunden, die immer wieder aufscheinen und dem gesamten Werk Zusammenhalt verleihen.

Die Quellen seines Dramas fand Wagner vornehmlich in der islandischen Saga, im mittelhochdeutschen Nibelungenlied aus dem 13. Jahrhundert und der altnordischen Thidreks Saga af Bern. Daneben las er jedoch auch eine Vielzahl anderer Werke, indessen die Struktur der Tetralogie und das zu Grunde liegende Thema des Fluches in vieler Hinsicht Aischylos und der griechischen Tragodie verpflichtet sind. Wie Das Rheingold erlebte auch Die Walkure ihre Urauffuhrung am Munchner Hoftheater (1870) in Abwesenheit des Komponisten, den seine Beziehung zu Liszts Tochter und Hans von Bulows Ehefrau Cosima nebst Intrigen und Rivalitaten fur Jahre ins Exil getrieben hatte. Wahrend Wagner nun mit Cosima und den Kindern in Tribschen am Vierwaldstatter See residierte, hoffte er paradoxerweise auf einen Miserfolg in Munchen, da er seine Gegenwart bei der Inszenierung des Werkes fur unverzichtbar hielt und es ihm uberdies widerstrebte, einzelne Teile des Ring voneinander unabhangig aufgefuhrt zu sehen. Gleichzeitig entstand aus der Munchner Situation der Wunsch nach einem neuen Theater, in dem Wagner recht selbstandig wurde herrschen konnen. Dieser Traum erfullte sich 1876 mit der Eroffnung des neuen Bayreuther Festspielhauses, das durch den nach wie vor von Wagner faszinierten, groszugigen Bayernkonig Ludwig II. sowie durch Freunde aus dem neuen deutschen Machtzentrum Berlin unterstutzt worden war.

Die Handlung

CD 1

Erster Akt

[1] Wahrend des Vorspiels tobt ein Gewitter, durch das gelegentliche Hornrufe zu horen sind. Wenn der Vorhang aufgeht, legt sich der Sturm.

Szene 1

[2] Ort der Handlung ist Hundings Heim, erbaut um einen Eschenstamm. Siegmund, Wotans Sohn, wankt erschopft herein und sinkt bei dem Herd nieder. Sieglinde tritt aus der Ture des inneren Gemaches und sieht verwundert den Fremden liegen, der ihre Fragen nicht beantwortet, sondern schlieslich nur um Wasser bittet. Nachdem er getrunken hat, haftet sein Blick langer auf ihr, und er mochte wissen, wer ihn labte. Sie sei Hundings Weib, last sie ihn wissen, und bald schuttelt er die Erinnerung an den Kampf ab, dem er—geschwacht und waffenlos zwar, doch unversehrt—entkommen ist. Sie reicht ihm Met, von dem er trinkt, und beide blicken sich, mit wachsender Ergriffenheit, eine Zeitlang stumm an.

[3] Siegmund weis, das ihm „Miswende“ folgt, wohin er auch geht, weshalb er sich davonmachen will, doch Sieglinde ruft ihn zuruck: Nicht konne er Unheil dahin bringen, wo Unheil wohnt.

Szene 2

[4] Wahrend beide einander schweigend betrachten, tritt Hunding ein, gewaffnet mit Schild und Speer. Unter der Tur halt er inne, als er Siegmund gewahrt. Sieglinde erklart des Fremden Anwesenheit. Hunding bietet ihm, wie’s der Brauch, seine Gastfreundschaft und bemerkt verwundert, als sie sich zum Nachtmahl niedersetzen, die Ahnlichkeit zwischen Siegmund und Sieglinde.

[5] Von Hunding befragt, erklart Siegmund, das er Wehwalt heise: Mit seinem Vater, den er Wolfe nennt, habe er die Walder durchstreift, bis ihm eines Tages die Mutter erschlagen und seine Zwillingsschwester entfuhrt worden sei. Bei der Verfolgung durch die Feinde habe er endlich auch des Vaters Spur verloren.

[6] Unheil habe fortan auf ihm gelegen, auch jungst wieder, als ihn eine Maid um Hilfe angerufen, sein Versuch aber, sie vor ungewollter Heirat zu retten, in einer Katastrophe geendet habe.

[7] Hunding erkennt aufgrund des Berichts, das er es mit dem Morder seiner Verwandten zu tun hat, die zu rachen er vergebens ausgezogen war. Fur heute will er dem Gast Obdach gewahren, morgen aber soll er Zoll fur die Toten zahlen. Er befiehlt Sieglinde, ihm den Nachttrunk zu bereiten. Diese geht, zu tun, wie ihr geheisen, wirft aber zuvor noch einen Blick auf Siegmund und lenkt seine Aufmerksamkeit so auf den Eschenstamm. Hunding folgt seiner Frau und nimmt seine Waffen mit.

Szene 3

[8] Der waffenlose Siegfried erinnert sich, das ihm sein Vater einst fur Zeiten der Not ein Schwert verheisen habe. Er ruft den Vater bei dem Namen, den er kennt: „Walse!“—und wahrend das Feuer zusammenbricht, fallt aus der aufspruhenden Glut ein greller Schein auf die Stelle des Eschenstammes, welche Sieglindes Blick bezeichnet hatte. Das Herdfeuer verglimmt, Siegmund bleibt im Dunkeln.

[9] Sieglinde kommt zuruck. Sie hat ihren Gemahl mit dem Schlaftrunk betaubt und zeigt Siegmund das Schwert, das bis zum Heft in der Esche steckt. Die Hochzeit mit der Frau, die ihn nicht liebte, hatten Hunding und seine Sippe gefeiert, als ein alter, einaugiger Mann eingetreten sei: Sein blitzender Blick habe den Mannern Angst eingeflost, sie aber, die Braut wider Willen, habe sich dadurch getrostet gefuhlt. Dann habe er sein Schwert in den Baum gestosen mit den Worten, es solle dem gehoren, der es herauszuziehen vermochte. Niemandem wollte das gelingen. Da habe sie den alten Mann erkannt, und jetzt hofft sie, das Siegmund der Eine ist, der das Schwert ziehen und sie rachen kann: Sie umarmen sich.

[10] Die Tur springt auf: Der Vollmond leuchtet herein und wirft sein helles Licht auf das Paar. Der Winter ist dem Lenz und der Liebe gewichen.

[11] Sieglinde sieht in Siegmund Lenz, Licht und Liebe, die sie erhoffte.

[12] Beide gestehen einander ihre Liebe. Sieglinde bemerkt, das Siegmund ihr Spiegelbild sei, seine Stimme der Widerhall ihrer eigenen, sein Auge dem Blick des Greises gliche, der sie einst trostete: Auf die Frage nach dem richtigen Namen seines Vaters antwortet Siegmund: „Walse!“

[13] So will Sieglinde den Geliebten denn Siegmund nennen. Dieser, um seine Identitat zu beweisen, ergreift das Schwert, dem er den Namen Nothung gibt, und zieht es aus dem Baum.

[14] Das Schwert soll die Brautgabe sein fur die Frau, die er aus dem „Feindeshaus“ entfuhren will. Da verrat ihm Sieglinde ihren Namen und gibt sich als seine Zwillingsschwester zu erkennen. Siegmund zieht sie mit wutender Glut an sich; sie sinkt mit einem Schrei an seine Brust.

CD 2

Zweiter Akt

Szene 1

[1] Schwert-, Geschwisterliebe-, Wonne-, Hunding- und Walkurenmotiv erklingen im Vorspiel. Wotan steht auf einem Felsenjoch und befiehlt seiner Tochter Brunnhilde, fur Siegmunds Sieg uber Hunding Sorge zu tragen.

[2] Brunnhilde springt jauchzend von Fels zu Fels in die Hohe, blickt in die hintere Schlucht hinab und ruft Wotan zu, das seine Frau Fricka auf dem Weg zu ihm sei.

[3] Fricka ist wutend. Hunding hat sie, „der Ehe Huterin“, um Beistand angerufen, und sie hat ihm diesen versprochen: Der Ehebruch der Walsungen soll geracht werden. Wotan sieht die Lage anders und mochte, das Siegmund und Sieglinde ihren Weg gehen durfen—auch wenn sie Geschwister sind, ist ihre Verbindung doch glucklicher als die Sieglindes und Hundings.

[4] Fricka schilt Wotan ob dieser Ansicht und wirft ihm vor, die gottlichen Gesetze aufgehoben zu haben, seit er Walsungen gezeugt habe. Schon der Walkuren Schar habe sie ertragen mussen, doch die Walsungen sind nicht einmal Gotter, sondern „gemeine Menschen“. Wotan versetzt, es sei ein Held vonnoten, der—frei vom Gesetz und Schutz der Gotter—eine Tat vollbrachte, die ihm selbst, dem Gott, aufgrund seiner Eide unmoglich sei. Fricka wendet ein, das Siegmund nicht selbstandig sei, da er Wotan das Schwert verdanke.

[5] Sie beharrt darauf, das er Siegmund seinen Schutz entzieht, Brunnhilde verbietet, ihm beizustehen und dem Schwert die Zauberkraft nimmt.

[6] Wotan mus sich um Frickas Ehre willen fugen und Siegmund sterben lassen. Man hort Brunnhilde zuruckkehren.

Szene 2

[7] Sie will wissen, was ihr der Vater zu sagen hat. Wotan ist verzweifelt ob der neuen Wendung. Machtlos beklagt er seine misliche Lage. Brunnhilde will den Grund seines Kummers wissen: Wotan erzahlt nun, das er nach Macht und Minne gestrebt habe, indessen Alberich der Liebe entsagte und so den Ring schmiedete, der ihm „maslose Macht“ verlieh. Er habe ihm diesen zwar entrissen, um die Erbauer von Walhall damit zu bezahlen: Doch Erda habe ihn gewarnt, den Ring zu behalten und vor dem Ende der Gotter gewarnt. Ihn drangte es, mehr uber dieses Ende zu erfahren, und so folgte er der Weisen hinab in die Tiefen der Erde, wo er sie mit Liebes-Zauber dazu zwang, ihm ihr Wissen mitzuteilen. Der Beziehung entsprossen neun Tochter, die Walkuren, die nun die Leichen der Helden zusammentragen, die bei der Verteidigung Walhalls fallen.

[8] Erda hat vorausgesehen, was geschehen werde, wenn Alberich den Ring aus dem Hort zuruckbekame, den nun der Riese Fafner bewacht, nachdem er einst seinen eigenen Bruder Fasolt erschlug. Wotan ist durch Vertrage gebunden und kann den Ring nicht selbst holen; vielmehr bedarf es eines freien Helden, der das—„entgegen dem Gott“—vermag. Nun aber hat Fricka entdeckt, das er machtlos ist und Siegmund seinen bisherigen Schutz entziehen mus.

[9] Brunnhilde fragt, was sie tun soll. Er antwortet, das er den Ring beruhrt habe und seinem Fluch erlegen sei: „Was ich liebe, mus ich verlassen.“ Er will nur noch das Ende: Sollte Alberich einen Sohn zeugen, so werde das dieses Ende sein.

[10] Dann wolle er dem Nibelungen-Sohn „der Gottheit nichtigen Glanz“ ubergeben. Brunnhilde soll fur Fricka streiten und Siegmund fallen. Er sturmt davon.

CD 3

[1] Brunnhilde ist erschrocken uber den Befehl. Sie sieht Siegmund und Sieglinde; dann zieht sie sich zu ihrem Ros in eine Hohle zuruck.

Szene 3

[2] Siegmund will Sieglinde aufhalten, die vorwartsdrangt und sich Vorwurfe wegen ihres Verhaltens macht. Ihr Bruder verspricht, das die Schande ein Ende habe, wenn er Hunding erschlagt, dessen Horn man in der Ferne hort. Sieglinde mahnt zur Flucht und malt sich aus, wie ihr Geliebter von Hundings Hunden zerfleischt wird. Wieder hort sie Hundings Horn, und sie sinkt mit einem Schrei ohnmachtig in Siegmunds Arme.

Szene 4

[3] Brunnhilde schreitet, ihr Ros am Zaume geleitend, aus der Hohle heraus. Sie spricht Siegmund an: Er sei dem Tode geweiht und werde sie nach Walhall begleiten, um dort mit den Gottern und Helden, seinem Vater und dessen Tochtern zusammen zu sein.

[4] Siegmund will Sieglinde nicht verlassen, mus aber von Brunnhilde horen, das Hunding ihn toten wird. Als er ihr nicht glaubt, verrat sie ihm, das das Schwert seine Macht verloren habe.

[5] Er flucht dem, der das Schwert ihm schuf, und will Sieglinde toten. Brunnhilde halt ihn jedoch zuruck und verspricht schlieslich, wahrend sie davonsturmt, der Schlacht einen andern Ausgang zu geben.

Szene 5

[6] Die Buhne hat sich allmahlich verfinstert; schwere Gewitterwolken senken sich herab. Siegmund beugt sich uber die jetzt friedlich schlafende Sieglinde, kust sie, zieht sein Schwert und geht Hunding kampfbereit entgegen.

[7] Sieglinde erwacht und ruft angstvoll nach Siegmund. Man hort Hunding nach Wehwalt rufen. Siegmund antwortet. Die Manner kampfen auf dem Felsenjoch. Brunnhilde erscheint und bedeckt Siegmund mit ihrem Schild. Wie dieser eben zuschlagen will, sieht man Wotan uber Hunding stehen: Nothung zerbricht an des Gottes Speer. Brunnhilde ist erschrocken zuruckgewichen. Hunding stost dem entwaffneten Siegmund sein Schwert in die Brust.

[8] Indessen hebt Brunnhilde Sieglinde auf ihr Ros und reitet mit ihr davon. Wotan betrachtet Siegmunds Leichnam, dann schickt er Hunding mit einem verachtlichen Handwink zu Fricka: Der Mann fallt tot zu Boden. Wotan verschwindet mit Donner und Blitz, um Brunnhilde zu bestrafen.

CD 4

Dritter Akt

Szene 1 (Die Walküren)

[1] Die Walkuren kehren aus der Schlacht zuruck und treffen auf dem Gipfel eines Felsengebirges zusammen. Sie begrusen einander, wahrend sie mit erschlagenen Kriegern herbeireiten. Als Brunnhilde eintrifft, sehen ihre Schwestern, das sie anstelle eines Helden ein Weib mitbringt.

[2] Brunnhilde bittet um Hilfe, da Wotan ihr nachhetzt. Die Walkuren weigern sich, ihr beizustehen. Sie erklart, das es sich bei der Frau um Sieglinde, die Schwester und Braut Siegmunds, handelt, und sie berichtet, wie letzterer durch Wotans Eingreifen zu Tode kam—doch keine will ihr helfen.

[3] Sieglinde kommt zu sich. Jetzt, da Siegmund tot ist, soll ihr Brunnhilde das Schwert ins Herz stosen. Diese weis aber, das sie Siegmunds Kind im Schos tragt, und will, das sie lebe. Die Walkuren drangen sie, sich vor Wotan, der sich naht, in Sicherheit zu bringen: Sie solle in die Walder fluchten, dorthin, wo Fafner Alberichs Schatz bewache und Wotans Wut ihr nichts anhaben kann. Brunnhilde uberreicht Sieglinde die Stucke des zerborstenen Nothung—fur Siegfried, den Sohn, den sie gebaren wird. Gewitterwolken ziehen sich zusammen, und man hort Wotans Ruf zwischen den Donnerschlagen: Er ruft Brunnhilde, die ihre Schwestern verstecken wollen.

Szene 2

[4] Wotan rast vor Wut und sucht seine Lieblingstochter Brunnhilde, die seinen Befehl misachtete. Wohl wisse er, das ihre Schwestern sie verbergen, sie, der er vertraut und die jetzt den „seligen Bund“ zwischen ihnen zerrissen habe.

[5] Brunnhilde tritt vor und ist bereit, die Strafe anzunehmen, die sie sich—so Wotan—selbst schuf. Sie wird ihre Macht verlieren, keine Walkure mehr sein und keine toten Helden mehr nach Walhall bringen. Wotan wird sie verstosen und aus seinem Angesicht verbannen. Auf diesem Berg soll sie schlafen, bis ein Mann sie findet und aufweckt. Brunnhilde sinkt schreiend vor seinen Fusen zu Boden, ihre Schwestern sind entsetzt uber die strenge Bestrafung. Wotan ist unerbittlich. Brunnhilde gehort nicht mehr zu ihnen und wird nicht mehr durch die Lufte reiten. Die andern sollen sich fern von ihr halten, wenn sie nicht denselben Jammer erleiden wollen. Zum Gebraus des Sturmwindes fahren die Walkuren in die Lufte.

Szene 3

[6] Der Sturm ist erstorben. Wotan und Brunnhilde sind allein. Lange herrscht feierliches Schweigen, wahrend das Madchen dem Vater zu Fusen liegt.

[7] Endlich fragt sie, ob ihr Verbrechen wirklich so schmahlich gewesen sei: Sie habe nur seinem ersten Befehl gehorcht und seinen Wunsch erfullt. Den aber, so versetzt er, habe er widerrufen—worauf Brunnhilde meint, er habe sich Fricka gebeugt und sei damit sein eigener Feind geworden. Sie aber, Brunnhilde, habe von Wotans Liebe zu dem Walsung gewust.

[8] Wotan versteht ihren Beweggrund: Sie sei ihrem Herzen gefolgt, wahrend er „in den Trummern der eigenen Welt“ seine ewige Trauer enden musse. Er mus sie jetzt allein lassen, nachdem sie die Liebe uber ihre Pflichterfullung gesetzt habe. Brunnhilde erwidert, sie sei nicht weise, habe aber seine wirklichen Absichten begriffen. Darauf Wotan: Sie sei der Liebe Macht gefolgt und solle nun dem folgen, den sie lieben musse. Sie bittet ihn, sie nicht irgendeinem „feigen Prahler“ auszuliefern; er aber, Wotan, werde nicht fur sie entscheiden. Endlich sagt sie ihm, das Sieglinde, die jetzt die Stucke von Siegmunds Schwert aufbewahrt, einen grosen Walsungen-Helden zur Welt bringen werde.

[9] Wotan last sich dennoch nicht umstimmen: Brunnhildes Los wird fallen, wie es fallt; ihre Strafe ist ein fester Schlaf, und wer sie erweckt, wird ihr Gatte sein. Brunnhilde bittet, das sie im Schlaf wenigstens so geschutzt ist, das nur ein furchtloser Held zu ihr gelangen kann: Ein Feuer solle um den Felsen brennen, auf dem sie ruhen wird.

[10] Wotan hebt Brunnhilde auf und sagt ihr Lebewohl und wendet sich traurig von ihr, verspricht aber das Feuer, um das sie bat.

[11] Er kust die Tochter, die er so liebte, auf die Augen, und sie sinkt sanft ermattend in seinen Armen zuruck. Er bettet sie zart auf einen moosigen Hugel.

[12] Dann kehrt er die Spitze seines Speeres gegen einen machtigen Felsstein. Er ruft Loge herbei, der die Lagerstatt mit Feuer umgeben soll. Bei der letzten Anrufung Loges schlagt er mit der Spitze des Speeres dreimal auf den Stein.

[13] Feuer zungelt empor und umringt den Felsen: „Wer meines Speeres Spitze furchtet, durchschreite das Feuer nie!“ gebietet Wotan. Er wirft einen letzten traurigen Blick auf Brunnhilde und verschwindet in der Glut nach dem Hintergrunde zu.

Keith Anderson
Deutsche Fassung: Cris Posslac


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