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8.660403-04 - ROSSINI, G.: Sigismondo [Opera] (Gritskova, Aleida, Tarver, Bakonyi, Poznań Camerata Bach Choir, Virtuosi Brunensis, Fogliani)
English  German 

Gioachino Rossini (1792–1868)
Sigismondo

 

Analyse eines Misserfolgs

Unter den insgesamt 39 Opern Rossinis gehört Sigismondo zu den zwei oder drei, die am seltensten aufgeführt worden sind. Seit seiner Uraufführung 1814 im venezianischen Teatro La Fenice war Sigismondo nie ein Erfolgsstück, obwohl er eine starke Besetzung und eine sorgfältig ausgearbeitete Partitur eines Komponisten aufwies, den man nicht mehr als Anfänger bezeichnen konnte. Als Rossini Sigismondo komponierte, hatte er bereits dreizehn Opern auf seinem Konto.

Der Grund dafür, dass Sigismondo 1814 durchfiel und auch in moderner Zeit nur selten gespielt wurde, wird gewöhnlich mit dem Librettisten Giuseppe Foppa in Verbindung gebracht, dessen Story man als wirr und unlogisch ansah. Doch Foppa war schwerlich ein Theaterneuling. Er hatte schon 1793 damit begonnen, für das Fenice Libretti zu schreiben, als dieses Theater gerade ein Jahr bestand, und er schrieb auch für die kleinen Theater in Venedig, aber nicht nur dort. Für die Mailänder Scala schrieb er das Libretto zu Zingarellis seinerzeit sehr populären Oper Giulietta e Romeo; auch wirkte er in Wien und Lissabon (wo er eine Zeit lang lebte). Obwohl man ihn wegen seiner frühen Arbeiten für Rossini mit dem Genre der farsa assoziiert, war er gleichermaßen versiert auf dem Gebiet der opera seria und semiseria. Als er Sigismondo verfasste, hatte er seit über zwanzig Jahren Libretti geschrieben, darunter auch für einige bedeutende Komponisten jener Zeit wie Mayr, Pavesi, Zingarelli, Generali und natürlich den jungen Rossini. Sigismondo war sein zwölftes Werk für das Fenice.

Foppa hatte auch die Libretti für nicht weniger als drei der fünf farse Rossinis geschrieben, insbesondere für L’inganno felice, das auf demselben Topos basiert wie Sigismondo: Ein abgewiesener Höfling verleumdet eine unschuldige Ehefrau, deren Gatte ihre Ermordung anordnet. Doch stattdessen wird diese von einem Schutzherrn gerettet und lebt unter einem angenommenen Namen als dessen Tochter. Als ihr Ehemann und der abgewiesene Höfling ihr begegnen, sind sie verblüfft und verwirrt. Am Ende kommt die Wahrheit ans Licht und die Ehepartner versöhnen sich, während der Schurke bestraft wird.

Die Geschichte einer Ehefrau, der ganz übel mitgespielt wird, die aber ihren Mann immer noch liebt, mag sich der Sensibilität heutiger Zeitgenossen nicht leicht erschließen, doch liegen deren Ursprünge weit zurück. Ariost zog eine Version für die Geschichte von Rinaldo, Ginevra und Ariodante in seinem Epos Orlando furioso heran, das seinerseits Quelle für zahlreiche Opern wurde. Mehrere skandinavische Balladen und mittelalterliche Ritterromane benutzten eine ganz ähnliche Story mit unterschiedlichen Namen für die unglückliche Frau, und diese eindrucksvolle Tradition lebte bis ins 19. Jahrhundert fort, verknüpft mit der historischen Figur der Maria von Brabant, deren Gatte Ludwig II. („der Strenge“), Herzog von Bayern und Pfalzgraf bei Rhein, sie 1256 enthaupten ließ, weil er glaubte, dass sie ihn betrogen habe. Erst im Nachhinein stellte sich ihre Unschuld heraus, und er gründete zur Sühne ein Kloster. Im Laufe der Zeit wurde diese historische Maria mit einer literarischen Tradition von St. Geneviève, der Schutzpatronin von Paris, verquickt—mithin wurde Geneviève de Brabant geboren. L’innocence reconnue, ou vie de Sainte Geneviève de Brabant, ein fantasiereiches Buch aus dem Jahre 1638, legte den Namen der Heldin der Geschichte als Geneviève (und nicht Marie) fest.

Eine frühe Version dieser Story behauptete, dass Geneviève (oder Genoveva) die Ehefrau von Siegfried von Trier war: Sie wird vom Majordomus Golo fälschlich des Ehebruchs beschuldigt und zum Tode verurteilt. Doch der auf sie angesetzte Auftragsmörder verschont sie, und sie lebt seit sechs Jahren im Ardenner Wald, von einer Hirschkuh mit Nahrung versorgt. Auf der Jagd nach Rotwild in diesem Wald findet ihr Ehemann sie, und sie erhält ihre rechtmäßige Stellung zurück. Diese Legende von Geneviève war in Deutschland besonders populär.

Foppa selbst hatte ein Prosastück mit diesen Themen geschrieben, das den Titel Matilde, ossia La donna selvaggia (Matilde, oder Die wilde Frau) trug und als Grundlage für ein Ballett von 1800 und für Coccias Oper La donna selvaggia (Venedig 1813) diente. Für Rossini verlegte Foppa den Schauplatz aus dem mittelalterlichen Italien in ein mythisches Polen und setzt mit seinem Libretto gegen Ende der Story ein, als die schändlich behandelte Ehefrau (Aldimira) unter einem angenommenen Namen (Egelinda) schon seit einigen Jahren im Wald lebt und ihr Ehemann (Sigismondo), von Schuldgefühlen geplagt, sein seelisches Gleichgewicht verloren hat.

Vielleicht hatte Foppa den Geneviève-Plot schon überstrapaziert. Il Nuovo Osservatore di Venezia empfand ihn zum Zeitpunkt der Premiere als abgedroschen, eine „Missgeburt eines Schriftstellers, der seine mangelnden Fähigkeiten schon mehr als hundertmal nachgewiesen hat“. Vor der Premiere hatte Rossini jedoch geglaubt, dass die Oper ein Erfolg werden würde. Er schrieb an seine Mutter: „Meine Oper wird, wenn ich mich nicht täusche, gut gehen. Die Sänger sind sehr zufrieden mit ihren Partien.“ Laut dem Rossini-Biografen Azevedo applaudierten die Orchestermitglieder bei den Proben, weil sie das Werk für die bis dahin beste Leistung des Komponisten hielten. Doch das Publikum war nicht überzeugt; die ganze Premiere hindurch rührte sich keine Hand. Aus Höflichkeit dem Komponisten gegenüber buhten die Zuschauer nicht, doch konnte Rossini von ihren Gesichtern Langeweile ablesen, wie er viele Jahre später Ferdinand Hiller erzählte. Was die Musik anlangt, entdeckte der Nuovo Osservatore „viele Schönheiten, die er hier und da verteilte, leuchtende Strahlen seines Genies; aber inmitten all dieser Schönheiten beobachtet man von Fall zu Fall eine gewisse Nachlässigkeit—verschiedene Motive, gewiss immer die seinigen, gewiss immer schön, aber bereits in anderem Zusammenhang gehört, was der allgemeinen Meinung Vorschub leistet, dass er sich gerne wiederholt, da er sich nicht gerne abmüht…“.

Die Mär von Rossinis Bequemlichkeit begann schon in einem ganz frühen Stadium seiner Karriere, doch in Wirklichkeit ist die Partitur zu Sigismondo sorgfältig ausgearbeitet. Es stimmt, dass die Ouvertüre (die hier erstmals ohne die Kürzungen gespielt wird, die Rossini wahrscheinlich während der Proben eingetragen hat) das Adagio der Ouvertüre aus dem Turco in Italia übernimmt, und einige andere Nummern hatte man auch schon vorher gehört; doch wenn uns eine Menge Musik bekannt vorkommt, hat das wahrscheinlich damit zu tun, dass Rossini sie nach dem Misserfolg der Oper für künftige Werke nutzte, und weniger, weil sie häufige Zitate aus früheren Werken enthält. Hierzu gehören Elisabetta, Torvaldo e Dorliska, Barbiere, Cenerentola und Adina.

Das interessanteste Merkmal von Foppas Libretto ist seine Betonung auf Schuld und Wahnsinn. Wenn Schuldgefühle und Reue Sigismondo heimsuchen, versinkt er mindestens viermal eine Zeit lang in melancholischen Wahnsinn. Sogar der Schurke Ladislao ist irritiert und verhaltensgestört. Dadurch, dass sein Libretto an einem späten Punkt der Handlung einsetzt, legt Foppa das Schwergewicht auf die Psychologie der Hauptpersonen (was seine Bearbeitung bemerkenswert experimentell erscheinen lässt), und diese Fokussierung hat Rossini anscheinend dazu inspiriert, neue, experimentelle Wege zu gehen, um deren Charaktere durch seine Musik zu verdeutlichen.

Sigismondos Auftrittskavatine „Non seguirmi…omai t’invola“ [CD 1 /  4 ] steht in einem unregelmäßigen, durchbrochenen Versmaß, und Rossini hat hierfür eine unterbrochene, fragmentarische Melodie komponiert, die sich eng an die Worte anlehnt und so den seelischen Zustand der Figur veranschaulicht. Ladislaos Arien bilden in ihren Rhythmen und Sprüngen seine Zweifel und Verstörung ab, insbesondere „Vidi… ah no che allor sognai!“ [CD 1 /  10 ], als er Egelinda im Wald zum ersten Male sieht. Ist sie „uno spettro, un’ombra“ („ein Gespenst, ein Geist“)? Die unterbrochenen Takte, die Triller und Tremoli verbildlichen alle seine ganze Aufgewühltheit. Sehr interessant ist auch das Duett Aldimira—Sigismondo im 2. Akt „Tomba di morte e orrore“ [CD 2 /  6 ]. Im Grunde mag es sich als zu progressiv entpuppt haben, denn Rossini ersetzte es durch ein eher konventionelles Duett („Se ricuso i doni tuoi“). Der Erstfassung gelingt es überaus gut, die psychologischen Konflikte zu beschreiben: Angst, Wut, Schuld, Liebe wirbeln in den Protagonisten durcheinander. Außerdem gehört dieses Duett zu Rossinis herrlichsten Kompositionen für Frauenstimmen.

Die Verwendung der Holzblasinstrumente in der Orchestrierung der Oper gibt ihr eine eigene ‚Stimmung‘, die sich von seinen vorangehenden Werken unterscheidet und die bewirkt, dass wir die Oper als in sich geschlossenes Ganzes empfinden. Auch die Ouvertüre ist durch ihre Themen mit der im Verlauf der Oper gehörten Musik verknüpft und gibt so dem Werk eine gewisse Geschlossenheit.

Andererseits folgt die Ausarbeitung in vokaler Hinsicht dem Muster, das aus den Dramen Metastasios im vorherigen Jahrhundert übernommen wurde, eine Struktur, die wir bis zu diesem Zeitpunkt in allen opere serie Rossinis finden. Sigismondo, die zentrale männliche Figur des Liebhabers, ist ein Kontralto en travesti, die weibliche Hauptperson Aldimira ein Sopran und der Gegenspieler Ladislao ein Tenor. Und natürlich gibt es ein Happy End.

Innerhalb dieser Struktur können wir jedoch feststellen, wie Rossini die Grenzen verschiebt und sich sogar in Richtung Romantik bewegt, wobei er sich verstärkt für Lösungen entschied, bei denen die Figuren Individuen und nicht bloße Typen darstellen; wo die Musik den Worten und der seelischen Befindlichkeit der Personen folgt; wo Koloratur häufig innerste Gefühle ausdrückt und nicht nur Selbstzweck ist; und wo die Oper eher ein geschlossenes Ganzes ist. Vielleicht strebte Foppa in seinem Libretto auch etwas Ähnliches an. Auch wenn ihm das nicht gelang (er erwähnt Sigismondo kein einziges Mal, als er in seinen 1840 publizierten Memoiren auf seine Karriere zurückblickt)—weil der Handlungsverlauf immer unwahrscheinlicher wird, indem er uns eine Wiedererkennungsszene nach der anderen aufzwingt und eine Wahnsinnsszene auf die nächste häuft—, war sein Versuch auf jeden Fall aller Ehren wert. Rossinis Musik lebte freilich weiter, da er später das Beste hieraus zum großen Teil entnahm und es in seiner neapolitanischen Periode an neue Situationen anpasste. Dann hatte er mehr Spielraum, um die innovativen Verfahrensweisen auszuschöpfen, die in Sigismondo noch inmitten der konventionellen Schemata der opere serie aufscheinen.

Charles Jernigan
Übersetzung von Walter Wiertz

Die Handlung

CD 1

 1  Ouvertüre

Erster Akt

Gemächer in Sigismondos Palast in Polen.

 2  Die Höflinge bedauern Sigismondos mentale Verwirrung. Anagilda und Radoski leiden unter seinen Klagerufen. Ladislao fürchtet insgeheim, dass sein Vergehen die Ursache von Sigismondos Wahnsinn ist.  3  Ladislao erklärt seiner Schwester Anagilda und seinem Vertrauten Radoski, dass sich Sigismondo von einem Geist verfolgt fühlt. Dennoch hofft er, dass Anagilda Königin werden könnte.  4  Vom Wahnsinn verfolgt, tritt der König aus seinen Gemächern. Er spricht zu einer unsichtbaren Frau, die ihre Unschuld beteuert. Als der König das Schwert zückt, halten ihn seine Vertrauten zurück. Sigismondo beklagt, wegen des Verlustes seiner Geliebten alle Hoffnung verloren zu haben.  5  Sigismondo bekennt nur Ladislao, dass er sich von seiner zum Tod verurteilten Gattin Aldimira verfolgt fühlt. Er zweifelt inzwischen an ihrem Ehebruch. Ungemach droht auch von seinem Schwiegervater Ulderico, der insgeheim einen Angriff plant, um seine Tochter zu rächen. Sigismondo befiehlt, die feindlichen Manöver nahe dem Grenzwald auszukundschaften; er selbst wird sich unter dem Vorwand der Jagd dorthin begeben.

Abgelegenes Haus an der Grenze zu Ungarn.

 6  Aldimira liebt die Stille ihres einsamen Aufenthaltsorts, kann aber doch keine Ruhe finden. Nur ihr Gatte könnte sie glücklich machen, dem sie unerschütterliche Treue bewahrt, obwohl er sie zu Unrecht zum Tode verurteilte.  7  Aldimira erneuert ihre Dankbarkeit Zenovito gegenüber, der sie rettete, als Ladislaos Schergen das Todesurteil an ihr vollstrecken wollten.  8  Aldimira versteckt sich, als plötzlich eine Jagdgesellschaft auftaucht. Zenovito erfährt, dass der König selbst hier vorbeikommen wird.  9  Sigismondo kommt mit Anagilda. Er setzt sich auf die Bank neben dem Haus. Er fühlt sich wieder vom Bild seiner Gattin verfolgt, während Aldimira und Zenovito, die ihn heimlich beobachten, Hoffnung hegen. Beide erkennen sofort ihren Feind, als Ladislao hinzukommt und den siegreichen Vorstoß Uldericos meldet. Sigismondo will sein Königreich verteidigen, hofft aber, Ulderico besänftigen zu können.  10  Ladislao hat in dem nahen Haus eine erschütternde Entdeckung gemacht. Sigismondo versteht ihn, als eben Aldimira aus dem Haus tritt. Ladislao glaubt an eine Erscheinung und sucht das Weite.  11  Der verblüffte Sigismondo erfährt von der Frau, die ihm wie seine Gattin Aldimira vorkommt, dass sie Egelinda, die Tochter Zenovitos sei.  12  Sigismondo beginnt wieder zu fantasieren, und Aldimira fragt nach seinen Sorgen. Beide sind von ihren Gefühlen einer grausamen Liebe gequält. Aldimira begibt sich wieder ins Haus, während Sigismondo, gefolgt von Zenovito, in den Wald geht.  13  Ladislao trifft auf Zenovito, der ihm seinen Plan zur Rettung des Königreichs erklärt: Da seine Tochter Egelinda, wie er eben vom König erfahren habe, so sehr dessen verstorbener Gattin Aldimira gleiche, könne man sie als diese ausgeben und so Uldericos Rachefeldzug als unbegründet stoppen. Ladislao fürchtet, dass die falsche Aldimira zur Entdeckung seines Verrats führen könnte, und will den Plan vereiteln.  14  Zenovito bittet den Himmel, den ihm eingegebenen Plan zu unterstützen, damit die Ehre Aldimiras wiederhergestellt und der Verräter bestraft werde.  15  Ladislao kehrt zurück, mit dem königlichen Auftrag, Egelinda an den Hof zu bringen. Doch Zenovito erklärt, dass sie sich aus Angst weigere. Ladislao will die Widerspenstige sprechen.  16  Ladislao beruhigt sich: Da die Frau gar nicht an den Hof will, kann sie nicht Aldimira sein. Als sie kommt, tadelt er sie dafür. Aldimira verlangt eine Garantie für ihre Sicherheit, da die einstige Königin erbärmlich verraten worden sei. Ladislao ist verunsichert, zumal sie ihn auffordert, bei sich selbst eine Erklärung für ihre Behauptung zu suchen. Das Gespräch wühlt beide auf und endet in gegenseitigen Vorwürfen.

CD 2

Raum in Zenovitos Haus.

 1  Aldimira und Zenovito beobachten unbemerkt den fantasierenden Sigismondo. Auch Ladislao ist Zeuge dieser Szene, ungesehen von den anderen. Aldimira ergänzt Sigismondos Selbstgespräch aus dem Hintergrund mit Einwürfen, die den Verrat an ihr andeuten. Ladislao ist entsetzt, Sigismondo ruft verzweifelt nach seiner Gattin. Aldimira und Zenovito suchen ihn zu beruhigen. Alle vier hängen ihren quälenden Gedanken nach. Aldimira erklärt sich bereit, dem König an den Hof zu folgen, wenn ihre Sicherheit gewährleistet sei. Sigismondo wundert sich über diese Forderung, doch in diesem Moment wird zu den Waffen gerufen. Ladislao, Anagilda und Radoski melden den Angriff des Feindes. Alle sprechen sich Mut zu, und dem Schicksal trotzend bereiten sie sich auf den Kampf vor.

Zweiter Akt

Halle im Königspalast.

 2  Im Palast rätseln die Höflinge darüber, weshalb der König sie einbestellt hat.  3  Sigismondo will Egelindas Auftritt im Gewand der Königin testen. Er fordert von den Höflingen ein Urteil über die Person, die er ihnen jetzt vorstellt. Als diese erscheint, erkennen in ihr alle spontan Aldimira.  4  Der Hofstaat lässt Aldimira als Königin hochleben, und Anagilda und Radoski stellen fest, dass sie dem feindlichen Schicksal entkommen ist. Alle fordern Sigismondo auf, sie dem Thron zurückzugeben.  5  Sigismondo ist erfreut über die gute Wirkung, die Egelinda erzielt hat. Ladislao beschließt, sie zu beseitigen, während Radoski, von Gewissensbissen geplagt, keinen Zweifel an ihrer wahren Identität hat. Sigismondo möchte in Egelinda seine Gattin zurückbekommen und fragt sie, ob sie verheiratet sei. Aldimira antwortet, dass ein grausames Schicksal ihr den Gatten genommen habe, und zeigt sich überrascht, dass Sigismondo sie so plötzlich zu seiner Frau machen will.  6  Sigismondo erklärt, dass in ihr seine verstorbene Gattin wieder vor ihm stehe, die er immer noch liebe. Aldimira erwidert, dass sie sich deswegen in Todesgefahr sehe. Er erklärt seine einstige Grausamkeit mit verratener Ehre, doch sie wirft ihm vor, dass er die Beschuldigte nicht angehört habe. Sie ist nahe daran, ihm ihre wahre Identität einzugestehen, doch sie lässt sich noch kein Liebesgeständnis abringen und bekräftigt, Egelinda zu sein. Beide wollen ihre zärtlichen Gefühle verdrängen, die ihnen nur Qualen bereiten.  7  Radoski ist überzeugt, dass Aldimira lebt, die er damals als Ladislaos Getreuer verraten hat. Er will seine Verfehlung sühnen. Anagilda sieht ihre Hoffnung auf den Thron schwinden. Radoski, der sich verstellt, beschwichtigt sie: Egelinda werde wieder zu Zenovito zurückkehren, wenn sie das Königreich durch ihre List gerettet habe.  8  Anagilda gesteht, vom Glück geträumt zu haben. Doch wenn sie einen Thron erringt, wird sie stolz auf sich sein können.  9  Ladislao gibt sich seinen Zweifeln und Gewissensbissen hin. Er fleht den Himmel an, ihm seine Seelenruhe zurückzugeben. Wenn das Grauen nur einen Moment lang von ihm weichen würde, wäre er glücklich.  10  Sigismondo sieht sich wieder vom Geist verfolgt. Radoski verspricht Aldimira leise den Brief, mit dem Ladislao seinerzeit von ihr Liebe verlangte. Sigismondo bemerkt, dass Egelinda zum Aufbruch bereit ist. Er erklärt ihr, wie sie sich gegenüber Ulderico verhalten soll, und sie schlüpft so sehr in die Rolle Aldimiras, dass Sigismondo fast den Verstand verliert.  11  Radoski meldet die Bereitschaft der Truppen. Aldimira bekennt, wie sehr sie mit Sigismondo leide. Unter dem Klang der Militärmusik bekräftigt sie, gegen die Bösen anzukämpfen und darauf zu hoffen, dass zwei gute Seelen triumphieren werden. Sie und die Soldaten wollen unverzagt ins Feld ziehen.

Tal, in dem sich die Heere Sigismondos und Uldericos gegenüberstehen.

 12  Ulderico hofft, seine Tochter Aldimira wiederzusehen und Sigismondo verzeihen zu können. Da erscheint Ladislao, der vorgibt, ihm eine verborgene Wahrheit zu offenbaren: Sigismondo habe aus Eifersucht Aldimira vor fünfzehn Jahren töten lassen, und jetzt, wo er sich in Gefahr sieht, will er Ulderico eine Frau präsentieren, die zwar Aldimira aufs Haar gleicht, aber in Wirklichkeit Egelinda, die Tochter Zenovitos, sei.  13  Aldimira und Sigismondo kommen hinzu, doch statt einer freudigen Umarmung kommt es zu einem kühlen Empfang durch Ulderico. Alle vier überkommt betretenes Schweigen. Ulderico glaubt zwar, seine Tochter vor sich zu haben, aber Ladislaos Warnung lässt ihn zweifeln und er ruft ihren vermeintlichen Namen Egelinda. Aldimira und Sigismondo sehen sich verraten, Ladislao gibt sich verblüfft. Als sich Aldimira zu Sigismondo bekennt, steigert sich Uldericos Wut, und im allgemeinen Aufruhr rufen die beiden Könige zum Kampf.  14  Sigismondo ist von der Niederlage der Polen gezeichnet. Seine Soldaten wollen ihn zur Flucht bewegen, doch er stellt sich Ulderico. In der Nähe hört man, wie Aldimira um Hilfe ruft, und Sigismondo sieht, dass sie von Ladislao verfolgt wird. Als sie sich losreißt, stürzt dieser und bleibt benommen liegen. Wie im Delirium gesteht Ladislao seine Missetat und bekennt, dass Aldimira unschuldig war. Sigismondo ist verzweifelt: Wegen des Verrats dieses Schurken hat er seine Gattin töten lassen und muss nun unter der Last der Reue leben. Aldimira gesteht ihm ihre Liebe, die ihn aufjubeln lässt, aber Ulderico lässt ihn abführen.  15  Ulderico stellt Egelinda wegen ihrer List zur Rede. Da gibt ihm Aldimira den Brief, der ihre wahre Identität beweist. Ladislao bekennt entsetzt, dass er ihn seinerzeit geschrieben hat. Ulderico umarmt Aldimira und bestätigt darauf Sigismondo, dass sie seine unschuldige Tochter ist. Diese hegt keine Rachegefühle gegenüber Ladislao, den Sigismondo am Leben lässt, damit er im Kerker büßen kann.  16  Aldimira, Sigismondo und Ulderico loben den Tag, der ihnen die Ruhe zurückgibt, die Ladislao für immer entschwinden sieht. Das Paar beschwört seine Liebe und der Chor lässt Aldimira und den Triumph der Ehre hochleben.

Reto Müller


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