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8.660471-72 - MORLACCHI, F.: Tebaldo e Isolina [Opera] (1825 Dresden version) (Polverelli, Pastrana, Giustiniani, Baglietto, Vlad, Virtuosi Brunensis, Fogliani)
English  German 

Francesco Morlacchi (1784–1841)
Tebaldo e Isolina

 

Francesco Morlacchi – Ein Revisionsfall für die Musikgeschichte?

Im Jahre 1836 war in dem von Carl Herlossohn in Leipzig herausgegebenen Damen Conversations Lexikon folgender Eintrag zu lesen: Morlacchi, Francesco, königl. sächs. erster Kapellmeister. In Italien zu Perugia den 14. Juni 1784 geb., gebildet und mit den ersten Ruhmesblüthen geschmückt, fand er in Deutschland eine zweite Heimath, und eroberte sich in deutscher Kunst das Ehrenbürgerthum. M. gehörte vor der Rossini’schen und Bellini-Donizetti’schen Periode zu den ersten Operncomponisten seines Vaterlandes, aber sein Geist war weniger gemacht, eine neue Epoche aufzubauen, als eine alte bis zur neueren würdig fortzuführen. M’s. Talent ist nach verschiedenen Richtungen hin gleich thätig gewesen; seine Compositionen zeigen seinen, gebildeten Geschmack, und verrathen die Bildung der älteren, gediegenen italienischen Schule, welche die leichtsinnige, flüchtigere der Gegenwart verwirft, aber ihrem genialen Fluge nicht nachzueilen vermag. […] Was hier in gonnerhaften Worten formuliert wird, ist in Wahrheit ein vernichtendes Urteil. Denn gemas der geltenden Genieasthetik des 19. Jahrhunderts wird Morlacchi damit als einer der poetae minores charakterisiert, deren Werke letztlich vor der Geschichte keinen Bestand haben werden. Die vorliegende Aufnahme seines anerkannten Hauptwerks Tebaldo e Isolina bietet Anlass, den Fall Morlacchi neuerlich zur Verhandlung zu stellen.

Morlacchi wurde am 14. Juni 1784 in Perugia geboren. Seine erste musikalische Ausbildung erhielt er von seinem Onkel, der als Domorganist in Perugia tatig war. 1803/4 studierte er bei Nicolo Zingarelli, damals Kapellmeister in Loreto, spater Direktor des Konservatoriums in Neapel. Den letzten Schliff holte er sich in den Jahren 1805/07 bei Padre Mattei in Bologna, bei dem seit 1806 auch Rossini zur Schule ging. Es folgte ein rasches Debut als Opernkomponist mit der einaktigen Farsa Il poeta disperato (Firenze 1807), das den Start einer typischen Opernkarriere zu markieren schien. In rascher Folge entstanden bis 1810 neun weitere Opern, die ihn durch die Theaterprovinz bereits bis in die Mailander Scala und das Teatro Argentina in Rom fuhrten. Personliche Beziehungen mit einer ihm befreundeten Opernsangerin fuhrten ihn jedoch uberraschend nach Dresden, wo er 1810 zunachst als Vizekapellmeister angestellt wurde. Nach dem Erfolg seines Raoul de Crequi wurde er 1811 zum Kapellmeister auf Lebenszeit ernannt. Damit befand er sich in einer fur einen italienischen Opernkomponisten nahezu idealen Position, die ihn von dem Zwang massenhafter Produktion befreite und ein weitgehend freies Schaffen ermoglichte. Es ist sehr verstandlich, dass er diese Stelle ein Leben lang innebehielt, wiewohl er 1822 Nachfolger Rossinis in Neapel hatte werden konnen.

Die Spatphase der napoleonischen Kriege war indessen fur die Produktion von Opern in Dresden nicht sonderlich gunstig, so dass zunachst eine funfjahrige Periode folgte, wahrend der Morlacchi ausschlieslich als Komponist geistlicher Musik hervortat. Erst ab 1816 nahm er die Komposition von Opern wieder auf. Dies freilich unter geanderten Vorzeichen: War der Unterhalt einer italienischen Operntruppe im 18. Jahrhundert ein selbstverstandliches Markenzeichen absolutistischer Hofhaltung, so erschien sie nach dem Wiener Kongress als Anachronismus. Hinzu kam der nicht zuletzt durch Rossini bewirkte Ansehenswandel der Gattung Italienische Oper in Deutschland, die unter musikalisch Gebildeten eben nicht mehr als Vorbild, sondern als Zerrbild eines musikalischen Kunstwerkes gesehen wurde. Wobei man komische Opern noch eher zu dulden bereit war als italienische opere serie. Morlacchi hat diesem Umstand Rechnung getragen: In den Jahren 1816 bis 1829 hat er gerade mal funf Opern fur Dresden komponiert, ausnahmslos opere buffe. Gleichzeitig – und wohl auch als Vorsorge im Falle einer allzeit im Raum stehenden Auflosung der italienischen Operntruppe in Dresden – versuchte er ab 1817 auch wieder in Italien als Opernkomponist prasent zu sein. Dazu unternahm er vier Kunstreisen (1818, 1821/22, 1824, 1828) nach Italien, bei denen er sieben neue Opern prasentierte. Tebaldo e Isolina wurde fur die zweite Reise 1822 konzipiert und erlebte in Venedig ihre triumphale Urauffuhrung. Die Oper wurde sodann in circa vierzig Stadten nachgespielt und damit zu Morlacchis erfolgreichster Oper uberhaupt. Zugleich ist sie die einzige, von der auch ein vollstandiger Klavierauszug gedruckt wurde.

Interessant ist, dass Morlacchi auch im Falle seiner fur Italien geschriebenen Opern ein genauer Beobachter der Szene war: War man in Deutschland in den 1820er-Jahren vor allem bereit, komische italienische Opern zu goutieren, so verlief in Italien die Entwicklung genau gegenlaufig. Morlacchi hat denn auch nach seiner zweiten Italienreise nur noch ernste Stoffe auf italienischen Buhnen vorgestellt. Erwahnenswert ist auch, dass Morlacchi von den sieben fur Italien geschriebenen Opern nur zwei, Gianni di Parigi und Colombo, unverandert in Deutschland herausbrachte. Tebaldo e Isolina (1822/1825) und I Saraceni in Sicilia (1828/1832 als Il renegato) erlebten beachtliche Umarbeitungen. Boadicea, Donna Aurora und Ilda d’Avenel schlieslich wurden in Deutschland uberhaupt nicht aufgefuhrt. Ein Blick auf die Morlacchi- Auffuhrungen in Dresden, zehn Inszenierungen in 21 Jahren, zeigt uberdies, dass Morlacchi, allem Lamento Webers zum Trotz, seine dortige Stellung keineswegs dazu missbraucht hat, sich selbst ungebuhrlich in Szene zu setzen.

Mit Carl Maria von Weber ist nun, neben Rossini, der andere Fels genannt, zwischen denen Morlacchi sein Schaffen notgedrungen hindurchmanovrieren musste. Die personliche Animositat wurde dabei von der alteren Weber-Biographik ubertrieben dargestellt. Tatsachlich stellte sich nach anfanglichen Schwierigkeiten ein durchaus ertragliches Verhaltnis zwischen Morlacchi und dem als deutschem Kapellmeister neu verpflichteten Weber ein. Uberdies ging es auch gar nicht um personliche Rivalitaten: Sachsen gehorte durch die Allianz mit Napoleon zu den grosen Verlierern des Wiener Kongresses. Nicht nur buste es grose Teile seines Territoriums ein, auch die Machtstellung des Konigs wurde entscheidend geschwacht, so dass dieser gezwungen war, innenpolitisch einen Ausgleich mit dem aufstrebenden Burgertum zu suchen. In diesen Zusammenhang gehorte auch die Neuorganisation des Hoftheaters, das aus einem Ort aristokratischer Zerstreuung zu einer Einrichtung auch burgerlicher Unterhaltung werden sollte. Die Trennung von italienischer und deutscher Compagnie (unter Weber) 1817 war dabei nur ein erster Schritt; 1832 folgte die Auflosung der italienischen Truppe. Das hies freilich nicht, dass keine italienischen Opern mehr gespielt wurden; das bedeutete lediglich, dass diese nunmehr in deutscher Ubersetzung gesungen wurden. Dirigiert hat diese nach wie vor Morlacchi, der ja als Kapellmeister hoch geschatzt war. Als Komponist konzentrierte sich Morlacchi in den letzten Jahren dann auf die Komposition von geistlicher Musik, die bislang ungedruckt dringend einer Neuauffuhrung bedurfte.

Vergegenwartigt man sich Morlacchis Biographie, so wird deutlich, dass eine wesentliche Schwierigkeit darin lag, dass sich die institutionellen ebenso wie die asthetischen Bedingungen, die 1810 zu seinem Dresdener Engagement fuhrten, im Lauf der Jahre grundlegend geandert hatten. Morlacchi war gezwungen, auf diese Veranderungen zu reagieren und hat das zumindest auch versucht. Sichtbar wird das im Falle von Tebaldo e Isolina (Libretto von Gaetano Rossi) durch die Umbenennung der Oper: In Venedig ist sie ein melodramma eroico, in Dresden wird daraus ein melodramma romantico. Das freilich bedeutet mehr als eine Umetikettierung. In Venedig wurde die Oper ganz auf den letzten grosen Kastraten, G. B. Velluti, zugeschnitten. In Dresden musste diese Partie notgedrungen fur einen Contralto umgeschrieben werden. Typisch venezianisch ist auch das Festhalten an Secco-Rezitativen. Das war allerdings in Dresden weniger ein Problem, da man dort ja mit der deutschen Singspieltradition und deren gesprochenem Dialog vertraut war. Die Handlung ist im Mittelalter angesiedelt und zwar in der Gegend von Altenburg und Meisen. Fur Venedig exotische Orte, fur Dresden eher eine Geschichte aus der Heimat. Der Plot der Oper ist schnell erzahlt: Es ist der Stoff von Romeo und Julia mit Happy End. Dieses wird freilich nur moglich, indem die beiden Familienoberhaupter Boemondo und Ermanno, aber auch Tebaldo in hartem inneren Kampf Hass und Rachsucht uberwinden. Der Schilderung dieser inneren Kampfe ist denn auch ein groser Teil dieser Oper gewidmet, und es spricht fur Morlacchis Talent der Personencharakteristik, dass er sich dieser Herausforderung gestellt hat. Am Ende verzichten alle Beteiligten auf die Blutrache und feiern die Blutversohnung. Diese Losung – und das ist der Trick an der Sache – kann man nun mit Platon bei allen drei Hauptfiguren als Sieg der Vernunft uber die Rache verstehen, aber auch als ein im Grunde nicht zu erwartendes Wunder. Akzentuiert man die Selbstuberwindung, erhalt man eine heroische Oper, akzentuiert man das Wunderbare, erhalt man eine Romantische Oper (aber eben kein melodramma romantico im italienischen Sinn).

Morlacchi tragt diesen unterschiedlichen Gegebenheiten Rechnung, indem er nach dem Erfolg der venezianischen Fassung fur Auffuhrungen in Deutschland dieser eine eigene Dresdener Fassung gegenuberstellt: Tebaldo e Isolina war in Venedig zunachst eine arienlastige Oper: Die Hauptfiguren Isolina, Boemondo und Tebaldo sind in jedem Akt mit einer Kavatine bzw. Arie vertreten. Weiterhin findet sich eine Arie fur die Nebenfigur der Clemenza. Ferner gibt es drei Duette, die zweimal die Kombination Musico-Tenor und einmal die Kombination Musico- Sopran ausschopfen. Dass die Oper trotz dieser altertumlich anmutenden Konzeption zu Morlacchis grostem Buhnenerfolg werden konnte, belegt, dass sich um 1822 Rossinis grundlegende Neuerungen in Venedig noch nicht zur Norm verfestigt hatten. Indessen wurde der Erfolg der Oper auch getragen durch eine starke Besetzung (Boemondo: Gaetano Crivelli; Tebaldo: Giovanni Battista Velluti) sowie eine Handlung, die mit den Figuren Boemondo und Tebaldo zwei Personen auf die Buhne brachte, die es Morlacchi, ohnehin eher ein lyrisches Talent und kein Meister der Cabalette, ermoglichten, seine Fahigkeit zur genauen Personenzeichnung vorteilhaft zum Einsatz zu bringen. Gerade die Cavatine des Boemondo, eigentlich ein raffiniert instrumentiertes Accompagnatostuck mit eher deutsch klingender Harmonik, und die Romanze des Tebaldo galten als die Glanzstucke der Oper. Fur den internationalen Erfolg der Oper war indessen nicht zuletzt der Plot verantwortlich, der sich im Sinne der literarischen Romantik ausdeuten lies. Nicht zu vernachlassigen ist daruber hinaus, dass Morlacchi die Oper 1825 fur Dresden auch musikalisch grundlich uberarbeitet hat. Zuerst wurden vier Solnummern aus Venedig ersatzlos gestrichen, wodurch sich zumindest eine modernere Dramaturgie ergab. Diese Verringerung ermoglichte ihm umgekehrt, die verbleibenden Nummern musikalisch auszuweiten, so dass sich auch in dieser Hinsicht eine Annaherung an die rossini’schen Normen einstellte.

Betrachtet man das spatere Opernschaffen Morlacchis im Zusammenhang und sowohl aus italienischer wie aus deutscher Perspektive, so wird sehr deutlich, dass er ab Tebaldo e Isolina eine Art von Spagat wagte, der in der Ambivalenz von heroischer Selbstuberwindung und Einwirkung des Wunderbaren es sowohl dem italienischen wie dem deutschen Publikum ermoglichen sollte, die Oper jeweils auf eigene Weise zu rezipieren. Diese Ambivalenz kann man auch in Colombo und Il renegato wiederfinden. Musikhistorisch gesehen liegt daher die Vermutung nahe, dass es sich beim Spatwerk Morlacchis um eine Art Sonderfall handelt, indem der Versuch unternommen wurde, zwei sich auseinanderentwickelnde Kulturen der Musik noch einmal zusammenzubringen. Was in den 1820er-Jahren noch ein gangbarer Weg schien, konnte in den 1830er- Jahren jedoch nicht mehr gelingen, nachdem sich die in unterschiedliche Richtungen zielenden Entwicklungen der 1820er-Jahre verfestigt hatten: Aus dem Versuch einer Synthese wurde ein Hybrid, das weder den italienischen noch den deutschen Anspruchen an eine zeitgemase Oper entsprechen konnte. Womoglich konnte aber gerade in diesem ambivalenten Charakter seiner Spatwerke fur heutige Auffuhrungen eine Chance liegen: Ihrer Anlage nach vermeiden diese Stucke allzu simple Rollencharaktere und vorhersehbare Handlungsmuster. Und im Gegensatz zu vielen reinen Belcanto-Opern verfugen die Plots uber Situationen, die aus heutiger Sicht ein kritisches Hinterfragen seitens der Regie erlauben wurden. Das sollte eigentlich Anreiz genug sein, diese einmal in szenischer Realisierung zu erproben.

Michael Wittmann

Die Handlung

CD 1

 1  Ouverture

Erster Akt

Festlich geschmückter Rittersaal im Schloss von Altenburg.

 2  Die Anhanger der Familie Tromberg feiern die siegreiche Heimkehr des Familienoberhauptes Ermanno. Mit seinem Sohn Geroldo und der zur Familie gehorenden Edeldame Clemenza sieht er freudig dem Ritterturnier entgegen.  3  Ermanno bedauert, dass die Feindschaft mit der Familie Altenburg die einstigen Hochzeitsplane zwischen seiner Tochter Isolina und Tebaldo von Altenburg zunichtegemacht hat; dessen Vater Boemondo wurde verbannt und sein Schloss den Trombergs zugeschlagen. Inzwischen, so glaubt er, sei die ganze Familie erloschen.  4  Der Hofstaat und die Gaste begrusen Isolina, auf deren Hand sich so viele Ritter Hoffnung machen. Isolina fuhlt sich geschmeichelt.  5  Heimlich sehnt sie sich nach ihrem Geliebten.  6  Isolina freut sich, dass die Ritter so zahlreich der Einladung gefolgt sind, ihren siegreichen Vater zu feiern. Ermanno bekennt, dass er seinen Sieg einem unbekannten jungen Helden verdankt, der ihm das Leben gerettet hat. Wahrend sich alle zum Turnier begeben, erhalt Geroldo die Nachricht, dass in der Umgebung bewaffnete Ritter aus Boemondos Lager gesichtet wurden und dieser moglicherweise noch lebt.

Turnierplatz außerhalb des Schlosses Altenburg.

 7  Die Anwesenden jubeln dem siegreichen Ritter zu, der mit heruntergeklapptem Visier auf dem Platz steht. Ermanno fordert Isolina auf, den Sieger zu bekranzen. Dieser gibt sich als Sigerto zu erkennen – freudig erblickt Ermanno in ihm seinen Retter, Isolina innerlich jubelnd ihren Geliebten. Der junge Held schreibt seinen Sieg dem gunstigen Schicksal zu.  8  Isolina uberreicht ihm ein Schwert und einen Lorbeerkranz als Preis, den dieser voller Liebeshoffnung von seiner heimlichen Geliebten entgegennimmt.  9  Der gefeierte Sigerto ist innerlich aufgewuhlt, ist er doch niemand anders als Tebaldo, der der Familie, der er nun so verbunden ist, einst Rache geschworen hat. Seine Konfusion wachst, als er ins Schloss Altenburg, in dem er aufgewachsen ist, eingeladen wird. Er erklart seine Verwirrung mit seinem unglucklichen Los als Waise. Die Trombergs wollen ihm die Familie ersetzen.  10  Isolina, Ermanno und Tebaldo erhoffen sich ein gemeinsames Gluck in diesem Schloss.

Einsamer schattiger Platz im Hof des Schlosses.

 11  Boemondo ist es gelungen, uber einen alten Geheimgang in den Park seines ehemaligen Schlosses zu gelangen. Er beklagt sein Schicksal, einst von hier als vermeintlicher Morder verbannt worden zu sein. Seine Gattin wurde vor funfzehn Jahren durch Ermannos Bruder Corrado von Tromberg getotet. Voller Schmerz wird er der Baume gewahr, die er bei der Geburt seiner Kinder gepflanzt hatte, die alle dem Erzfeind zum Opfer gefallen sind. Er schwort, sich blutig zu rachen.  12  Wahrend er uber den Racheplan nachdenkt, bemerkt er, dass jemand kommt und versteckt sich. Tebaldo hat sich vom Fest entfernt, um an diesem Ort seiner Familie zu gedenken.  13  Boemondo tritt naher – sie erkennen sich, und Boemondo glaubt, dass mit dem Auftauchen des tot geglaubten Sohnes das Schicksal seine Rache unterstutzt.  14  Tebaldo ist entsetzt, als ihm der Vater den Dolch in die Hand druckt, mit dem einst seine Mutter ermordet wurde, und ihm den Auftrag gibt, Ermanno und seine Kinder umzubringen. Er gesteht, Isolina zu lieben. Beide sehen sich ihrer Hoffnungen beraubt.  15  Um dessen Achtung abzuwenden, fugt sich Tebaldo dem Willen seines Vaters, der ihn zur Rachetat anspornt.

Saal im Schloss Altenburg.

 16  Isolina hat ihre Liebe zu Sigerto offenbart und ist uberglucklich, dass ihr Vater einer Verbindung zustimmt. Der junge Mann soll sich jedoch ihre Hand verdienen, indem er die feindlichen Krieger, die ihr Schloss bedrohen, besiegt. Geroldo hat eine Schar Ritter um sich versammelt. Der hinzukommende „Sigerto“ wird aufgefordert, sich an ihre Spitze zu stellen. Ermanno verspricht ihm die Hand Isolinas, wenn er siegreich zuruckkehrt.  17  Wahrend Tebaldo in seiner ausweglosen Situation um Worte ringt, tritt plotzlich Boemondo mit heruntergeklapptem Visier auf. Alle erstarren. Tebaldo gesteht, dass der Fremde sein tot geglaubter Vater ist und er ihm verpflichtet sei. Ermanno erklart, dass seine Familie Sigerto wie einen Sohn liebe und bietet dem Ritter seine Freundschaft an, was Boemondo brusk ablehnt.  18  Geroldo meldet die Bereitschaft seiner Truppen. In der allgemeinen Aufregung gelingt es Tebaldo, seinen Vater fortzureisen. Betroffen von diesem Auftritt bleiben Ermanno, Isolina, Geroldo und die Ritter zuruck, ohne die wahre Identitat der beiden entdeckt zu haben.

CD 2

Zweiter Akt

Vorhalle mit angrenzenden Gärten.

 1  Isolina ist untrostlich uber das Verschwinden ihres Geliebten. Clemenza uberreicht ihr einen Brief, den Sigertos Knappe gebracht hat. Darin bekennt Sigerto-Tebaldo seine wahre Identitat und erklart, dass er wegen seines Schwurs sie aufgeben musse und er sterben wolle.  2  Isolina gibt sich der grosten Verzweiflung hin.  3  Sie ist nicht in der Lage, dem besturzten Vater und den herbeieilenden Hoflingen die Situation zu erklaren.

Grotte im Erzgebirge mit den Gräbern von Boemondos Frau und seiner Tochter, deren Tod in den Grabinschriften Corrado von Tromberg angelastet wird.

 4  Boemondo gibt sich dem Schmerz uber den Verlust von Gattin und Tochter hin. Er schwort bei ihren Grabern, Corrados Grausamkeiten zu rachen, indem er das Blut von dessen Bruder Ermanno und seiner Kinder vergiesen wird. Schwarz verhullte Ritter tauchen auf und melden ihre Bereitschaft zum Anschlag.  5  Boemondo vertraut ihnen seine Rache an und lasst sie bei den Manen seiner Angehorigen Treue schworen.  6  Die Hoffnung auf die bevorstehende Rache macht ihn froh. Gefolgt von den Rittern bricht er zum Sturm auf Altenburg auf.

Durch Laternen beleuchtete Vorhalle auf Schloss Altenburg.

 7  Isolina gibt sich dustersten Gedanken hin, als wachsender Aufruhr sie aufschreckt. Ermanno meldet, dass Soldaten im Namen Boemondos Altenburg angreifen. Er eilt davon, um seinem Sohn Geroldo bei der Verteidigung beizustehen. Da erscheint Tebaldo mit blutigem Schwert, um sich fur immer von Isolina zu verabschieden.  8  Isolina mochte ihn zuruckhalten, doch er kann ihr seine verzweifelte Lage nicht erklaren. Clemenza eilt herbei und bezeichnet Tebaldo als den Morder Geroldos. Isolina ist fassungslos. Tebaldo versichert, dass er ihren Bruder toten musste, um seinen eigenen Vater vor dessen todlichen Hieb zu retten. Er verlangt, durch ihre Hand zu sterben, damit sie ihren Bruder rache. Doch Isolina ist dazu nicht in der Lage und verzeiht ihrem Geliebten, da er wegen der fruheren Rettung ihres Vaters Nachsicht verdient.  9  Mit dem Versprechen, ihrer gegenseitigen Liebe zu gedenken, trennen sich die Liebenden fur immer. Der Kampfeslarm lasst beide um ihre Vater zittern und Tebaldo eilt davon.

Platz vor Schloss Altenburg. Seitlich eine Kirche.

 10  Tebaldo irrt umher, seinen Vater suchend, dessen Anhanger nach verlorenem Kampf geflohen sind. Aus dem Schloss hort er Harfenklange.  11  Er erkennt das Spiel Isolinas, deren Musizieren ihn an ihre unwiederbringliche Liebe erinnert.  12  Unter Siegesrufen suchen die Ritter der Trombergs nach Boemondo, der sich gerade noch unbeobachtet in die Kirche retten konnte. Ermanno trifft auf „Sigerto“ und fordert ihn auf, Tebaldo zu toten. Im Hintergrund tritt Boemondo aus der Kirche und will sich auf Ermanno sturzen, doch die aus dem Schloss kommende Isolina kann einen Warnschrei ausstosen; Tebaldo stellt sich schutzend vor Ermanno. Die Ritter entwaffnen Boemondo, doch nun verteidigt Tebaldo diesen und gibt sich als dessen Sohn zu erkennen. Als zweifacher Retter von Ermannos Leben bittet er um jenes seines Vaters, was Boemondo als Feigheit ablehnt.  13  Isolina bittet um Gnade, Ermanno verzeiht allen und beschwort die Eintracht. Endlich lasst sich Boemondo von so viel Grose erweichen und stimmt der Vereinigung von Isolina und Tebaldo zu.  14  In einem Rundgesang bekennen sich alle nach den erlittenen Qualen zu Frieden und Liebe.

Reto Müller


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