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NHB10032 - SCHILLER, F. von: Verbrecher aus verlorener Ehre (Der)
German 

Der Verbrecher aus verlorener Ehre

Die in der ersten Fassung „Verbrecher aus Infamie“ genannte Erzählung „Der Verbrecher aus verlorener Ehre“ entstand 1785. Schiller hatte den Stoff—das Leben des Sonnenwirtes Friedrich Schwan aus Ebersbach in Württemberg und dessen Hinrichtung 1760—im zweiten Band der „Sammlung und Erklärung merkwürdiger Erscheinungen aus dem menschlichen Leben“ (1787) seines Lehrers Abel gefunden. Mag auch der unmittelbare Anlass für die Abfassung dieser Geschichte die finanzielle Not Schillers gewesen sein, so war das Ergebnis weit mehr als eine bloße Kriminalgeschichte. Er nannte sie auch nicht so, sondern schrieb im Untertitel „Eine wahre Geschichte“. Die Art der Darstellung sollte den Leser nicht in ein spannungsgeladenes Geschehen reißen, vielmehr ging es Schiller darum, den Leser zum Verstehen und zur Selbsterkenntnis zu bringen. Dem dient die lange—auf dieser CD etwas gekürzte—theoretische Einleitung und sein Bemühen, an dem vorliegenden Fall etwas Allgemeingültiges zu entwickeln, dem dient die psychologische und soziologische Analyse des Geschehens um und mit Friedrich Schwan. „Wir müssen mit ihm bekannt werden, eh’ er handelt; wir müssen ihn seine Handlung nicht bloß vollbringen, sondern auch wollen sehen. An seinen Gedanken liegt uns unendlich mehr als an seinen Taten, und noch weit mehr an den Quellen dieser Gedanken als an den Folgen jener Taten.“ Schiller läßt Friedrich Schwan auch selbst sprechen, allerdings mit der analysierenden Formulierungskunst des Verfassers. Den Dramatiker Schiller kann man an der Gestaltung mancher Szene erkennen, der Moralist Schiller ist immer gegenwärtig. Es war ihm wichtig, „den grausamen Hohn und die stolze Sicherheit“ auszurotten, „womit gemeiniglich die ungeprüfte aufrechtstehende Tugend auf die gefallne herunterblickt.“


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