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NHB10662 - CHEKHOV, A. (TSCHECHOW, A.): Drama (Das) - Lustige Erzahlungen
German 

Anton Tschechow

 

wurde am 17.01.1860 in Taganrog, einer von Griechen und Russen bewohnten Stadt am Asowschen Meer, geboren. Sein Vater war ein kleiner Kaufmann, der sich jedoch mehr frommer Lektüre, Gebeten und dem Dienst in der Kirche widmete. Seine zahlreichen Kinder, von denen fünf Söhne und eine Tochter am Leben blieben, behandelte er mit tyrannischer Strenge. Er war noch als Leib- eigener geboren; erst 1841 hatte sein Vater, Antons Großvater, sich und seine Familie freikaufen können. Die sanfte Mutter konnte sich gegen den despotischen Vater nicht durchsetzen. Tschechow erinnerte später seinen Bruder daran, „daß Despotismus und Lüge die Jugend Deiner Mutter zugrunde gerichtet haben.“ Er war sich jedoch klar: „ Die Begabung hatten wir vom Vater, die Seele aber von der Mutter.“ Nach dem Abitur 1879 erhielt er ein Stipendium und ging nach Moskau, um dort Medizin zu studieren. Während der Studentenzeit (1879–1884) mußte Tschechow auch für den Unterhalt seiner Familie sorgen (1876 war der Vater vor seinen Gläubigern aus Taganrog nach Moskau geflohen, hatte seine Familie—ausgenommen Anton, der im inzwischen verkauften Elternhaus blieb und sich durch Nachhilfestunden über Wasser hielt—nachkommen lassen und führte in Moskau ein kümmerliches Leben).

So begann Tschechow bereits 1880 schriftstellerisch für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften tätig zu werden; er verfaßte für Witzblätter vor allem humoristische Kurzgeschichten, zwischen 1883 und 1886 im Durchschnitt 120 Geschichten im Jahr. 1884 erschien ein erster Sammelband: „Märchen der Melpomene“; in demselben Jahr traten erste Lungenblutungen auf, die Tschechow jedoch ignorierte. Er übte neben der Arbeit als Schriftsteller seit seiner Approbation den Arztberuf in Moskau, dann auch in Melichowo aus (1896 gab er seine Praxis aus gesundheitlichen Gründen auf). Seit 1886 nahm die Tätigkeit als Schriftsteller einen immer größeren Raum ein. 1887 erschienen zwei weitere Sammelbände: „Unschuldige Reden“ (17 Szenen und einige Kurzgeschichten) und „In der Dämmerung“ (vorwiegend ernste Erzählungen), für den er 1888 den Puschkin-Preis erhielt. 1887 fand mit Erfolg die Uraufführung seines Dramas „Iwanow“ statt; entstanden war 1887 auch ein Einakter „Schwanengesang“. 1888 veröffentlichte Tschechow seinen fünften Sammelband unter dem Titel „Erzählungen“. Im selben Jahr wurde der „Der Bär“ uraufgeführt, 1889 folgte „Der Heiratsantrag“; die Komödie „Der Waldschrat“ 1889 war ein Mißerfolg. Auch eine Reihe von bedeutenden Erzählungen erschien, u.a. „Kummer“, „Die Steppe“, „Eine langweilige Geschichte“.

Nach sorgfältigen Vorbereitungen unternahm Tschechow vom 21. April bis zum 8. Dezember 1890 eine Reise durch Sibirien zur Gefängnisinsel Sachalin. Dieses ungewöhnliche Reiseziel erklärte er seinem Verleger: „Sachalin nicht brauchen und uninteressant finden kann nur eine Gesellschaft, die die Menschen nicht zu Tausenden dorthin verbannt und die nicht Millionen dafür ausgibt. … Nein, ich versichere Sie, Sachalin ist interessant, wir brauchen es, und zu bedauern ist nur, daß ich es bin, der dorthin fährt, und nicht jemand anders, der von der Sache mehr versteht und besser in der Lage ist, das Interesse der Gesellschaft zu wecken. Ich persönlich fahre doch wegen Lappalien.“ Seine Reiseeindrücke veröffentlichte Tschechow zunächst in einer Zeitung, 1895 dann in Buchform. 1891 reiste er nach Österreich, Italien und Frankreich, Anfang 1892 kaufte er sich in Melichowo südlich von Moskau ein kleines Gut und zog mit seiner Familie dorthin. 1894 fuhr er nach Jalta, Oberitalien und Frankreich. Anfang August 1895 war er Gast bei Tolstoi. In Melichowo nahm er am Leben der Gemeinde regen Anteil, leistete 1892/3 während einer Cholera-Epidemie Hilfe und finanzierte den Bau einer Schule. Doch 1897 zwang ihn seine Krankheit, Melichowo aufzugeben und südliche Gegenden aufzusuchen. Oktober 1897 fand die Uraufführung seines Dramas „Die Möwe“ im Staatstheater in Petersburg statt—ein Mißerfolg. Schon 1888 hatte Tschechow einen heftigen Blutsturz erlitten; die sichere Diagnose: Tuberkulose; seither war sein allgemeiner Gesundheitszustand sehr labil gewesen. Diese Situation zwang ihn 1897 zu einem Klinikaufenthalt in Moskau (Besuch von Tolstoi), dann fuhr er zur Erholung nach Frankreich. Die Zusammenarbeit mit dem Künstlertheater in Moskau brachte 1898 eine Neuaufführung der „Möwe“, die großen Erfolg hatte; ebenfalls vom Künstlertheater wurde 1899 „Onkel Wanja“ uraufgeführt. Bereits 1898 hatte Tschechow die Schauspielerin Olga Knipper (1870–1959) kennengelernt und sie 1901 geheiratet; Olga gab ihren Beruf nicht auf, was zwar zeitweise zu Trennungen führte, doch die Gemeinsamkeit nicht in Frage stellte. Wegen des besseren Klimas ließ sich Tschechow 1898 südlich von Jalta nieder. Für eine geplante Gesamtausgabe begann er viele frühe Erzählungen umzuarbeiten. Die besten Erzählungen dieser Jahre: „Krankenzimmer Nr. 6“ (1892), „Erzählung eines Unbekannten“ (1893), „Der schwarze Mönch“ (1894), „Die Bauern“ (1897), „Der Mensch im Futteral“ (1898), „Stachelbeeren“ (1898), „Ionytsch“ (1898), „Die Dame mit dem Hündchen“ (1899). 1900 erschien die Erzählung „In der Schlucht“, im selben Jahr reiste Tschechow wieder nach Frankreich und Italien. Das Künstlertheater führte am 31. Januar 1901 mit Erfolg die „Drei Schwestern“ auf und im Januar 1904 sein letztes Drama „Der Kirschgarten“. Auf Anraten der Ärzte fuhr er 1904 mit seiner Frau zur Kur nach Badenweiler, wo er am 2.7.1904 im Alter von 44 Jahren starb.

Tschechow war Arzt, und er stellte auch als Schriftsteller Diagnosen, das wurde oft mißverstanden: „Sie beschimpfen mich wegen meiner Objektivität, die sie Gleichgültigkeit gegenüber Gut und Böse nennen, Fehlen von Idealen und Ideen usw.“ Er war aber kein Prediger und Weltverbesserer, sondern wollte zeigen, mit was für Leuten man es in einzelnen Situationen zu tun hat. Der Mensch werde erst dann besser, wenn man ihm zeige, „wie er ist“. Darum geht es ihm, und das auch in vielen der humoristischen Erzählungen aus seiner Frühzeit, von denen „Das Kunstwerk“, „Ein Chamäleon“ und „Das Drama“ sicher zu den gelungensten zählen.


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