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NHB20192 - TIECK, L.: Blonde Eckbert (Der) / Die Elfen / Der Runenberg
German 

Eckbert • Die Elfen • Der Runenberg

1812–1816 veröffentlichte Tieck seine früheren Werke in drei Bänden unter dem Titel „Phantasus. Eine Sammlung von Märchen, Erzählungen, Schauspielen und Novellen“. Dazu zählen auch „Der blonde Eckbert“ (zuerst 1797 erschienen), „Der Runenberg“ (1804) und „Die Elfen“ (1811, noch ungedruckt). Tieck verband die einzelnen Teile seiner Sammlung durch eine Rahmenerzählung, in der gleichgesinnte Freunde zusammensitzen, eigene Werke vorlesen und „Gespräche…über Kunst und Literatur“ führen. Das erste Märchen dieser Sammlung, „Der blonde Eckbert“, erzählt einer der Freunde namens Anton. Auf die Frage, ob die Erzählung eine „eigene Erfindung“ sei oder eine Nachahmung darstelle, antwortet Anton, er dürfe sie wohl für eine eigene Erfindung ausgeben. „Wollte man freilich…genau erzählen, aus welchen Erinnerungen der Kindheit, aus welchen Bildern, die man im Lesen oder oft aus ganz unbedeutenden mündlichen Erzählungen aufgreift, dergleichen sogenannte Erfindungen zusammengesetzt werden, so könnte man daraus wieder eine Art von seltsamer, märchenartiger Geschichte bilden.“ Über die Gattung „Märchen“ sagt Anton: „Es ist schwer…zu bestimmen, worin denn ein Märchen eigentlich bestehen und welchen Ton es halten soll. Wir wissen nicht, was es ist, und können auch nur wenig Rechenschaft darüber geben, wie es entstanden sein mag. Wir finden es vor, jeder bearbeitet es auf eigene Weise und denkt sich etwas anderes dabei, und doch kommen fast alle in gewissen Dingen überein, selbst die witzigen nicht ausgenommen, die jenes Kolorit nicht ganz entbehren können, jenen wundersamen Ton, der in uns anschlägt, wenn wir nur das Wort Märchen nennen hören.“

Auch wenn Tieck alles frei erfunden haben will, auch wenn er jenen „wundersamen Ton“ getroffen hat, so wird doch etwas spürbar, was diese Märchen besonders kennzeichnet: das Ineinander von der Realität, die uns umgibt, und der Realität der Nachtseiten von Natur und Mensch, der Wirklichkeit des Traumes, des Unbewußten, all dessen, was Angst macht, was das Heimliche ins Unheimliche verkehrt. In diesen drei Märchen verlassen junge Menschen ihre vertraute Umgebung, werden von einer unsichtbaren Gewalt in einen örtlich nicht bestimmbaren und außer der Zeit liegenden Raum getrieben, den sie—entgegen einem Gebot oder Verbot—verlassen (müssen) und —indem sie gegen das Gebot/Verbot verstoßen—am Ende zugrunde gehen. Trotz mancher Gemeinsamkeiten der drei Märchen sind die beiden älteren die bedeutenderen; die viel später entstandenen „Elfen“ gehören bereits einer anderen Zeit an, hier fehlt das Rätselhafte, Unauflösbare des „Eckbert“ und des „Runenberg“.


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