About this Recording
NHB40092 - SCHNITZLER, A.: Casanovas Heimfart
German 

Casanovas Heimfahrt

erschien zuerst in der „Neuen Rundschau“ Juli–September 1918, kurz darauf dann als Buch. Schnitzler hatte 1914 mit der Lektüre der Memoiren Casanovas begonnen, sie 1916 fortgesetzt. 1916 bis 1918 arbeitete er an der Erzählung—als 54-jähriger (der Casanova der Erzählung ist 53 Jahre alt). Die Handlung, die 1778 spielt, hat Schnitzler weitgehend erfunden. Nicht erfunden ist das Problem des Alterns, auf das schon Casanova im letzten Buch seiner „Histoire de ma vie“ zu sprechen gekommen war: er fühle sich nicht mehr jung, seine Potenz habe schon seit acht Jahren allmählich abgenommen, er wirke auf die Frauen nicht mehr wie früher durch sein Dasein, sondern habe viele Worte nötig; auch werde er ungeduldig, wenn er merke, daß er im Wettstreit mit einem Jungen um dieselbe Frau keinerlei Eifersucht bei ihm erwecke.

Dieses Problem steht hier im Mittelpunkt. Casanova wird zwar respektiert, aber wegen seiner Vergangenheit, nicht der Gegenwart. In ihr ist er nur ein alter Mann. Casanova wehrt sich gegen diese Einschätzung durch die Jugend und tötet Lorenzi, den Liebhaber Marcolinas, in dem er sich selbst in jugendlichem Alter sieht. Doch zuvor muß er erfahren, wie Marcolina ihn sieht: „ein gelbes böses Antlitz mit tiefgegrabenen Falten, schmalen Lippen, stechenden Augen“.


Close the window