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Remy Franck
Pizzicato, November 2014

Johann Strauss II. war zwar in seine Oper/Operette ‘Simplicius’ verliebt, aber ein Publikumserfolg wurde sie nicht einmal zu seinen Lebzeiten. Das Werk endigte derart vernachlässigt, dass es verloren ging und erst in den Neunzigerjahren des vorigen Jahrhunderts wieder gefunden wurde. Eine mühselige Rekonstruktion ging der Aufführungsserie im Zürcher Opernhaus voraus, die wiederum die Gelegenheit bot, einen guten Videofilm herzustellen.

Diese vorliegende Fassung des ‘Simplicius’ ist eine Mischung aus Originalfassung und Zweitfassung, die Strauss nach den Kritiken an der Erstausgabe ausgearbeitet hatte. Als Vorlage diente Strauss ein Libretto von Victor Léon. Es erzählt die rührende Geschichte eines fürstlichen Einsiedlers, der seinen Sohn Simplicius in der Einsiedelei einfältigst erzieht, um ihn aus den Wirren des 30-jährigen Krieges herauszuhalten.

Die Männer haben die Hauptrollen in diesem Werk, in dessen erstem Aufzug keine einzige weibliche Darstellerin zu hören ist. Musikalisch bewegt sich Strauss übrigens im ersten Aufzug und in einigen Teilen von Akt 2 und 3 am Rande der Operettenmusik und ist trotzdem der Oper sehr nahe. Der ihm sonst wohl gesonnene Kritiker Hanslick warf dem Walzerkönig gar ‘Wagnerei’ vor. A propos Walzer: viel Verwendung findet hier der Donauweibchen-Walzer, der einzige Ohrwurm des ganzen Werkes, das gewiss nicht die Qualität anderer Strauss-Werke hat.

Erstrangig ist freilich die Interpretation unter der umsichtigen und hingebungsvollen Leitung von Franz Welser-Möst. Die Besetzung ist durchwegs gut, und das Orchester spielt geschmeidig und klangschön. Die Transparenz des Klangbilds ist sehr gut. © 2014 Pizzicato





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