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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, November 2015

Die Suche nach dem Gral steht im Mittelpunkt eines umfassenden Dokumentarfilms von Tony Palmer, in dem Wagners ‘Parsifal’ den Hauptgang darstellt, der aber auch genügend andere Informationen liefert, um Wagners Oper überhaupt erst verständlich zu machen. Placido Domingo ist ein ebenso engagierter wie überzeugender Kommentator, der durch diese filmische Suche nach dem Gral führt. Die Musik dazu kommt aus dem Mariinsky Theater, dirigiert von Valery Gergiev, mit Domingo in der Titelrolle, Violeta Urmana als Kundry und Matti Salimen als Gurnemanz (The Searchers of the Grail, Arthaus Musik 109081). © 2015 Pizzicato



Ingrid Wanja
Opera Lounge, October 2015

So unbekümmert mit historischen Fakten umgehen wie Tony Palmers Film The Searchers of the Grail von 1998 könnte wohl nie ein deutscher Autor, und der Verlag Arthaus ist ihm darin ebenbürtig, wenn er seinen Werbetext mit der Behauptung beginnt, Hitler, Indianer Jones und Plácido Domingo vereine die Suche nach dem Heiligen Gral. Nun, Domingo, alias Parsifal, braucht ihn nicht zu suchen, er ist vom Anfang bis zum Ende der gleichnamigen Oper Wagners vorhanden, und so abwechslungsreich und bunt der knapp anderthalbstündige Film ausgefallen ist, so zweifelhaft sind einige der Behauptungen, die zwischen einzelne Opernszenen, teils aus der Aufführung des Mariinski-Theaters, teils aus einer konzertanten Aufführung beim Ravello Wagner Festival stammend, eingestreut sind. Da scheint ein Robert Gutman der felsenfasten Überzeugung zu sein, Wagner kämpfe in seinem letzten Werk für die „Rassereinheit“, dafür, Jesus als Arier und Kundry als Jüdin erscheinen zu lassen, und die heilige Handlung der Gralsenthüllung sei eigentlich eine Schwarze Messe. Dass Palmer dieser Meinung nicht abhold ist, zeigt sich in den vielen Einspielungen von Massenhysterie aus der Nazizeit, überblendet ab und zu von Bildern aus der russisch-orthodoxen Kirche. Und während eine Karen (nicht Karan!) Armstrong die Kirchen ermahnt, von Machtkämpfen abzulassen und sich Werken der Nächstenliebe zuzuwenden, vertritt Plácido Domingo, er lobenswerter Weise gestützt auf Zitate, die Meinung, Wagner fordere im Parsifal zu Mitleiden und Liebe auf.

Wenn der Regisseur meint, Parsifalsei geradezu eine Anleitung für die SS gewesen, über Ordnung zu Disziplin und über diese zu Gemeinschaftssinn zu finden, dann fragt man sich, für welche Gruppierung das nicht gelten könne. Ganz im Gegensatz zu diesem bösen Vergleich steht im Booklet wenige Zeilen später, Wagner habe gewollt, dass der Zuschauer sein Theater als besserer Mensch verließe. So grell-bunt wie die geäußerten Meinungen ist auch das Bildmaterial, wenn die unglaublich kitschige Inszenierung aus st. Petersburg abgelöst wird von Bildern aus Palmers Wagner-Film mit Richard Burton, aus „Indiana Jones und die Suche nach dem Gral“, aus Ingmar Bergman und von Python (Monty) Pictures.

Am ehesten goutierbar ist der Blick auf den Gralmythos und seine literarische Verarbeitung, Einblicke in die Macht der Bilder gewinnt man mit den spektakulären Aufnahmen einzelner Instrumentengruppen des Petersburger Theaters, und schwindlig wird einem beim Anblick des wild gestikulierenden Valery Gergiev, schmunzeln muss man, wenn man hört, dass Wagner in einer „Hütte“ seiner „Geliebten“ Mathilde Wesendonck wohnte: Endlich ist das Rätsel gelöst, ob sie oder ob sie nicht…

Die Leistungen der Sänger, die leider oft vom Sprecher des anfechtbaren Textes unterbrochen werden, sind fast durchweg sehr erfreulich. Violeta Urmana kann bezeugen, dass sie zu dieser Zeit an allen großen Bühnen die unanfechtbare Kundry vom Dienst war, auch der deutschen Sprache mächtiger als alle anderen, besonders des Chors. Domingo ist sein auch vokal unerschütterliches Selbst, Salminen würdig und weise, Putilin ein markiger Klingsor mit langen Fingernägeln, Fedor Mojaev ein sonor leidender Amfortas und Anna Netrebko eines der Blumenmädchen (das waren noch Zeiten!).

Zugleich unausgegoren und interessant, vielseitig, provozierend und polarisierend, endet der Film glücklicherweise nicht mit einem Foto des oft zitierten Hitler, sondern mit dem Wagners (Blu-ray Arthaus 109081). © 2015 Opera Lounge





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