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Album Reviews



 
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Ingrid Wanja
Opera Lounge, November 2015

Peu à peu gibt die Firma Arthaus unter dem Titel Legendary Performances bereits als DVD vorhandene Aufnahmen nun als Blu-ray Disc heraus, so auch Mozarts Così fan tutte aus dem Salzburg des Jahres 1983 in der Regie von Michael Hampe und unter dem Dirigenten Riccardo Muti, beide frei von Ambitionen, eines der bis dahin tändelnden Rokokostücke auf die Bühne zu bringen, stattdessen kann man die kunstvolle neapolitanische Keramik bewundern, deren Muster sogar auf den Kostümen der beiden adligen Damen zu finden sind. Modern im Vergleich zu anderen Aufnahmen hört sich auch an, was aus dem Orchestergraben klingt, pulsierend, leidenschaftlich, aber auch einen Hauch Tristesse, wie angemessen, erklingen lassend. Eine zu kleine Stimme hat Margaret Marshall für die Fiordiligi, besser als auf der Alternativaufnahme Baltsa, aber nicht an Ludwig herankommend ist Ann Murray als Dorabella, zufriedenstellend Kathleen Battle als Despina. Bei den Herren ist Francisco Araiza zwar kein Mozartsänger, kann aber durch den schön timbrierten Tenor erfreuen, James Morris mehr als Sänger, denn als Schauspieler, Sesto Bruscantini ist einfach prachtvoll als Don Alfonso. In diesem Fall macht es nichts aus, dass es keine Besetzungsliste gibt, stattdessen nur eine dreisprachige Einführung in Werk und Aufführung (Arthaus 109 101).

Bei Prokofievs War and Peace aus dem Jahre 1991 sieht das schon anders aus, denn hier kann man die nicht durchweg bekannten Sängernamen mit den nicht durchweg vertrauten Partien nicht in allen Fällen zueinander in Beziehung setzen, und es gibt nur eine kurze englische Einführung. Im Vergleich zur älteren Aufnahme unter Rostropowitsch klingt diese unter Valery Gergiev weniger spannungsreich, sie wurde übrigens auch in London und Paris, nicht nur im Stammhaus Mariinsky-Theater gezeigt, ist die erste ohne Striche und zeigt eine in Russland bisher unbekannte Optik, für die Graham Vick verantwortlich ist. Yelena Prochina ist die anmutige, mit einem schönen Timbre begabte Natascha, niedlich ist Olga Borodina als Sonja, blass bleibt Alexander Gergalov als Andrej, noch blasser Nicolai Othovnikov als Vaterlandsretter Kutusov (Arthaus 109 093).

Tatsächlich zu den legendären Vorstellungen der letzten Jahrzehnte kann man den Tannhäuseraus München aus dem Jahre 1995 zählen. Hier stimmt wirklich alles, und die Optik von David Alden vor allem für den Venusberg mit seinen phantasievollen, beziehungsreichen Figuren ist atemberaubend spannend und schön zugleich. Brian Large, der große Video-Meister, hat den Anfang, der die Suche eines zergrübelten René Kollo als Tannhäuser nach seiner Bestimmung als Künstler verdeutlichen soll, in Schwarz-Weiß aufgenommen und erzielt damit einen ganz besonderen Effekt. Der Tenor ist zwar 1995 nicht mehr der frischeste, ersetzt aber dieses Manko durch eine tiefschürfende Interpretation nicht nur in der schauspielerischen Arbeit, sondern auch in der ausdrucksstarken vokalen Interpretation voller Schattierungen und Facetten. Die verführerischste Venus, die man sich denken kann, ist Waltraud Meier, schön wie Rita Hayworth in ihrer besten Zeit und durchweg ohne jedes Keifen dem geschmeidigen Schöngesang verpflichtet. Nadine Secunde ist eine Elisabeth der blonden Stimme mit nur winzigen Höhenschwächen, Bernd Weikl ein kraftvoll-sensibler Wolfram und Jan-Hendrik Rootering ein gestrenger Landgraf. Zubin Mehta begleitet mit dem Bayerischen Staatsorchester stimmig, und auch der Chor der Bayerischen Staatsoper lässt keinen Wunsch offen (Arthaus 109 154).

2001 gab es in der Mailänder Scala in der Regie von Graham Vick, der sich chamäleonartig den Erwartungen seines jeweiligen Publikums anzupassen versteht, Verdis Otellomit Plácido Domingo in der Titelpartie, in der der spanische Tenor so oft verewigt worden ist, dass man die Aufnahmen nicht mehr an den Fingern beider Hände abzählen kann. Diese ist eine der besten, da sich künstlerische Reife und Rollenerfahrung sowie Frische der Stimme in einem glücklichen Gleichgewicht befinden. Neben ihm agiert eine taufrische, anrührende Barbara Frittoli als Desdemona, Leo Nucci ist der durch und durch „onesto“ erscheinende Jago mit kundigem Verdigesang ohne veristische Entgleisungen. Riccardo Muti und das Orchester der Scala sind natürlich in ihrem ureigensten Element (Arthaus 109 103). © 2015 Opera Lounge




Remy Franck
Pizzicato, June 2015

Graham Vicks ‘Otello’ eröffnete 2001 die Saison der Scala und war ein Triumph für den Regisseur wie auch für die Sänger und den Dirigenten. Mit viel Sinn für Dramatik ist Domingo ist ein absolut überlegener Sängerdarsteller in dieser Rolle und sein Porträt des letzten Endes an seiner eigenen inneren Unsicherheit scheiternden Mohren ist bewegend. Stimmlich ist er fast makellos in jeder Lage. Ihm gegenüber steht eine junge und selbstsichere Desdemona, einwandfrei gesungen von Barbara Frittoli. In den anderen Rollen überzeugen Leo Nucci als Iago, Cesari Catani als Cassio. Am Pult des exzellenten Orchesters der Scala gelingt Riccardo Muti ein Dirigat, das durch seine differenzierende Interpretation ebenso überzeugt wie durch ihren großen dramatischen Atem.

Graham Vicks Regie ist werkbezogen, die Kostüme entsprechen der Ort und der Zeit der Handlung. Vick geht es also nicht um eine Umdeutung der Oper, sondern und das psychologische Drama, das sich daran abspielt. Und das gelingt ihm sehr gut und überzeugend. Somit ist diese Bühnenaufführung eine mögliche Alternative zu Herbert von Karajans verfilmter Oper mit John Vickers und Mirella Freni. © 2015 Pizzicato





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