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Ingrid Wanja
Opera Lounge, October 2015

Eine ungewöhnliche Rollenauffassung hat Grischa Asagaroff dem Canio von José Cura in der Inszenierung von Cavalleria Rusticana und I Pagliacci 2009 im Zürcher Opernhaus nahegelegt, und der argentinische Tenor vermittelt sie mit außergewöhnlicher Schauspielkunst dem Zuschauer, wenn er den Padrone des Wandertheaters als allzu sehr dem Flachmann zugetanen Schwächling, der von Tonio geradezu zur Mordtat angetrieben werden muss, darstellt. Genauso überzeugend ist er zuvor der typische Latin Lover in seiner Arroganz gegenüber der verlassenen Santuzza und seinem sentimentalen Verhältnis zur Mamma, das ihn echte Tränen weinen lässt, was allerding L’Addio alla Mamma rein vokal etwas beeinträchtigt. Bis dahin hatte er sich in guter sängerischer Verfassung gezeigt mit dunkel timbriertem Tenor, auch sehr viel geschmeidiger als aus den allerletzten Jahren erinnerlich und mit einer Bombenhöhe. Eine gewisse Monotonie des Singens, die später vorherrschte, ist hier weniger feststellbar. Als Canio überrascht er mit einem gewollt kaum hörbaren „La commedia è finita“, davor mit einem geradezu überveristischen „Vesti la giubba“.

Luigi Perego hatte auf die Zürcher Opernbühne ein Halbrund mit schmalen Wohntürmen, für Cavalleria im Zentrum der Aufmerksamkeit die Kirche, in den Pagliacci die Bühne, gestellt. In einem der Türme befand sich das Schlafgemach Lolas, die die unglücklichen Santuzza nach am Fenster zelebriertem Geschmuse mit Turiddu verhöhnt, was deren Verrat noch verständlicher als in anderen Inszenierungen erscheinen lässt. Paoletta Marrocu ist optisch der ideale südländische Typ für die Verlassene, die Stimme ist sehr hell, sopranlastig und besonders in den lyrischen Teilen sehr schön, ansonsten wünscht man sich etwas Mezzofundament, damit die Leidenschaften dunkler brodeln. Ein etwas dunkleres Timbre hat danach Fiorenza Cedolins für Nedda, eine reife Stimme mit apartem Timbre und ausgezeichneter Technik, die alle Schattierungen zulässt. Nicht von einem einzigen Bariton gesungen werden Alfio und Tonio. Ersterer hat mit der Stimme von Cheyne Davidson zu wenig Aplomb für seinen selbstgefälligen Auftritt und eine enge Höhe, Letzterer ist mit Carlo Guelfi ideal besetzt mit nachdrücklichem Singen, erstklassiger Diktion und der Kraft für das böse Aufbrausen. Als dummes Blondchen erweist sich Liliana Nikiteanu, bessere Tage gesehen hat der Tenor von Boiko Zvetanov, eine auch stimmlich resolute Mamma Lucia ist Irène Friedli, einen schlanken Bariton setzt der auf die Bühne radelnde Gabriel Bermúdez für den schmucken Silvio ein. Die Sänger können sich in der Produktion wohl fühlen, da die Optik die Vermittlung des in der Musik Ausgesagten unterstützt—und das kommt dann auch dem Publikum und dem Opernfreund am Fernseher zugute. Die orchestrale Seite ist bei Stefano Ranzani in bewährt guten Dirigentenhänden (Blu-ray Arthaus 109170). © 2015 Opera Lounge





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