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Bernd Hoppe
Opera Lounge, April 2016

Resteverwertung aus den Anfängen einer großen Karriere: „Best Wishes from Cecilia Bartoli“ nennt sich eine DVD-Box von Arthaus (109177) mit drei Operngesamtaufnahmen, im Einführungstext betitelt als „Coloratura-Classics of Italian Opera“. Das trifft auf Mozarts Don Giovanni freilich nur bedingt zu. In der Aufnahme aus dem Opernhaus Zürich 2001 singt Cecilia Bartolidie Donna Elvira neben Isabel Rey als Donna Anna, Rodney Gilfrey als Don Giovanni, Roberto Saccà als Don Ottavio, László Polgár als Leporello, Liliana Nikiteanu als Zerlina, Oliver Widmer als Masetto und Matti Salminen als Commendatore. Die Inszenierung von Jürgen Flimm in der stimmigen Bühnengestaltung von Erich Wonder dirigiert Nikolaus Harnoncourt mit der von ihm bekannten Schärfe und Dramatik, aber auch manch ungewohnter Tempowahl. In der Titelrolle imponiert Gilfrey mit viriler Aura und gleichermaßen auftrumpfender wie kosender Stimme. Isabel Reys Donna Anna ist etwas leichtgewichtig und anonym im Timbre, nimmt ihre erste Arie ungewöhnlich introvertiert mit dem Ergebnis larmoyanter Wirkung. „Non mi dir“ gelingt ihr mit melancholischer Tönung und flüssiger Koloratur besser. Keineswegs verzärtelt klingt der Ottavio von Saccà, der „Dalla sua pace“ mit Kultur und Empfindung formt, aber nie säuselt. In „Il mio tesoro“ kann er seine männlich klingenden Koloraturen hören lassen. Nikiteanu mit reizvollem Sopran und Widmer mit munterem, auch resolutem Bariton geben ein jugendliches Hochzeitspaar. Die Aufzeichnung erinnert auch an den früh verstorbenen Ungarn Polgár, der einen gar nicht tumben Leporello gibt, die Partie sehr differenziert angeht und eine vielschichtige Registerarie vorträgt. Salminen klingt bereits hier verquollen und dröhnend. Bartoli treibt die Hysterie der Elvira auf die Spitze, was ihre Darstellung die Groteske streifen lässt. Auch stimmlich zischt und faucht sie schon in ihrem ersten Auftritt, steigert den keuschenden Furor sogar noch in „Ah! fuggi il traditor!. Natürlich gibt sie auchdas Rezitativ „In quali eccessi“ und die Arie „Mi tradì quell’ alma“ als Ausdruck eines seelischen Ausnahmezustandes, gesanglich allerdings bravourös. Die Veröffentlichung ist nicht zuletzt ein wertvolles Dokument des kürzlich verstorbenen Dirigenten Nikolaus Harnoncourt.

Die älteste Produktion dieser Veröffentlichung ist Rossinis Il barbiere di Siviglia von den Schwetzinger Festspielen 1988 mit der Bartoli als Rosina—eine ihrer ersten Rollen, mit der sie ein Jahr zuvor im Rahmen der 750-Jahrfeier Berlins an der Komischen Oper debütiert hatte. Der Barbiere war auch die erste CD-Gesamtaufnahme (1989) bei ihrer Stammfirma Decca, der sie bis heute verbunden ist. In Schwetzingen sind der charismatische Gino Quilico in der Titelrolle, David Kuebler als Almaviva, Carlos Feller als Bartolo und Robert Lloyd als Basilio ihre Partner. Die Inszenierung von Michael Hampe am Pult des Radio-Sinfonie-Orchesters Stuttgart dirigiert Gabriele Ferro. Die Aufzeichnung fängt Bartolis Mezzo in seiner ganzen Frische und Unverstelltheit ein, ist deshalb ein wichtiges Zeugnis in der Diskographie der Sängerin.

Jüngstes Dokument ist Rossinis Il turco in Italiavon 2002, ebenfalls aus dem Opernhaus Zürich. Mit der Fiorilla belegt es den Wechsel der Italienerin ins Sopranfach, wie er sich schon zwei Jahre zuvor am selben Ort mit der Fiordiligi in Così fan tutte angekündigt hatte. Im Turco, inszeniert von Cesare Lievi in Comic-Manier, ausgestattet von Tullio Pericoli im Pop-Art-Stil und dirigiert von Franz Welser-Möst, sind Ruggero Raimondi als Selim mit dröhnendem Bass, Paolo Rumetz als Don Geronio mit reifem Bassbariton, Oliver Widmer als Prosdocimo mit trockenem Bariton sowie Reinoldo Macias als Narciso mit flexiblem und schwärmerischem Tenor auf der Szene. Cecilia Bartoli rattert in der Auftrittskavatine durch die Koloraturen, erinnert im munteren Fluss der Töne in den Duetten mit Geronio und Selim an ihre Rosina, scheut sich auch nicht vor keifenden Lauten. Virtuos tupft sie die Noten im Quintett des 2. Aktes und macht ihre große Finalarie zum vokalen Höhepunkt der Aufführung—Squallida veste e bruna“ mit inniger Lyrik und Caro padre/L’infelice“ mit bravouröser Stimmführung. Sie hat viel Spaß an der Rolle und gibt sie mit feiner Ironie.

Die Kassette, auf der La Bartoli lächelt wie eine gute Fee aus dem Märchenbuch, ist ein schönes Geschenk für alle Verehrer der Künstlerin und natürlich auch für Freunde der Musik Rossinis und Mozarts. © 2016 Opera Lounge




Remy Franck
Pizzicato, March 2016

Arthaus bündelt drei Opernvideos mit Cecilia Bartoli in einem Schuber. Wegen Cecilia Bartoli ist es schon interessant, sich die originelle Hampe-Inszenierung des ‘Barbiere’ anzusehen. 1988 war die Bartoli zwar noch nicht ganz so souverän wie heute, doch ist ihre Rosina rundherum ein Genuss, darstellerisch wie auch stimmlich.

Eine weniger gute Figur gibt der unzulänglich artikulierende Gino Quilico ab. David Kuebler singt den Almaviva korrekt, Carlos Feiler hat gute wie auch schlechte Zeiten als Bartolo, während Robert Lloyd mit seinem metallischen Bass einen imposanten Basilio abgibt. Im Orchestergraben nimmt Gabriele Ferro streckenweise allzu behäbige Tempi: dem Dirigenten fehlt das Temperament, um diese Oper zu dirigieren.

In dem farbenfrohen und optisch sehr gefälligen Bühnenbild von Tullio Pericolis inszeniert Cesare Lievi eine einfallsreiche Aufführung von ‘Il Turco in Italia’. Das ist Musiktheater, das Rossinis Oper an die Grenzen des Absurden führt, ohne, dass dies auf Kosten der Musik ginge. Im Gegenteil, sie zieht eindeutig Nutzen aus dieser beherzten Inszenierung. Einen wesentlichen Anteil an der hohen Qualität dieser Aufführung haben auch der Dirigent Franz Welser-Möst und das Orchester, das einen sehr transparenten und ungemein fein nuancierten Rossini spielt. Selten haben wir diese Musik mit so viel Sorgfalt fürs Detail gehört, selten ist sie so reich an unser Ohr gedrungen. Und dennoch gewinnt das Orchester nicht die Oberhand, denn Welser-Möst ist ein Operndirigent, der den Sängerinnen und Sängern einen Klangteppich hinzaubert, der für den Gesang eine ideale Basis bildet.

Mit ihrer phänomenalen Bühnenpräsenz und ihrer exquisiten stimmlichen Leistung ist Cecilia Bartoli ist eine hinreißende Fiorilla. Ruggero Raimondi singt einen tollen Türkenfürst, Paolo Rumetz ist charmant als Don Geronio. Auch die Nebenrollen sind vorzüglich besetzt.

Bei der ‘Don-Giovanni’-Produktion aus Zürich erlebt man viel ‘dramma’ und wenig ‘giocoso’. Das Ganze wird vor allem diejenigen Mozart-Fans interessieren, die sich eine moderne Inszenierung zulegen wollen. Schon wegen der dunklen, durchaus stimmungsvollen Bühnenbilder von Erich Wonder (Brian Large ist mit dem Kameraauge manchmal leider viel ‘zu dicht dran’) und sicher auch wegen der schönen Idee, Don Ottavio als Bildhauer zu inszenieren. Sein Meisterwerk: die Statue des Komtur. Jürgen Flimms Personen-Führung allerdings wirkt öfters unentschlossen.

Auch mit Nikolaus Harnoncourt wurde ich nicht ganz glücklich: Seine disparaten Tempi hemmen den großen Bogen, die Besetzung wirkt unausgewogen: Rodney Gilfry hat mir als Zürcher Figaro-Graf viel besser gefallen und die stimmlich überzeugende Liliana Nikiteanu wirkt für meine Begriffe als Zerlina etwas reif. Letzen Endes fühlt man nur mit der ausgeklügelten Elvira von Cecilia Bartoli mit—ihre drei Arien sind ein ganzer Entwicklungsroman, der sich allerdings oft in den Vordergrund drängt. © 2016 Pizzicato





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