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Album Reviews



 
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Alain Steffen
Pizzicato, March 2016

Wenn Ruth Berghaus ein Werk wie den Freischütz inszeniert, dann darf man sich als Zuschauer auf etwas gefasst halten. Und in der Tat, Berghaus räumt mit dieser romantischsten aller Opern auf. Da gibt es keine bunten Wälder, keine Jägerstrachten und auch keine vollbusigen Mägde. Die Regisseurin schafft einen Bühnenraum mit schlichten Formen und erweitert somit das Handlungsspektrum der Oper. Die Kostüme sind alle dunkel gehalten, so dass sich das Auge unweigerlich auf die Handlung konzentriert. Die ist natürlich in allen Punkten hervorragend ausgearbeitet, ist also richtiges Musiktheater im modernen Sinne. Berghaus kommt ohne Effekte aus und inszeniert geradlinig. Das ist sicherlich nicht nach jedermanns Geschmack, aber in Sachen Logik, Psychologie und Lebendigkeit kann keiner der Regisseurin etwas vormachen.

Sängerisch hält sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Seiffert ist nicht mehr als ein nur guter Max, sein Gegenspieler ist Matti Salminen als Kaspar, darstellerisch imposant, aber stimmlich nicht mehr ganz taufrisch. Die beiden Frauenrollen werden von Inga Nielsen (Agathe) und Malin Hartelius (Ännchen) gesungen. Beide bieten solide Leistungen inmitten eines guten, wenn auch nicht herausragenden Ensembles. Harnoncourt dirigiert ohne romantisches Pathos und somit ganz im Sinne der Regisseurin. Allerdings wird der musikalische Fluss durch einige gewollte Eskapaden Harnoncourts und etliche überbetonte Akzente mehr als einmal gestört. Auch in der Begleitung der Sänger bleibt der Dirigent diesmal hinter den Erwartungen zurück. © 2016 Pizzicato



Ingrid Wanja
Opera Lounge, February 2016

Kultstatus genießt die Freischütz-Produktion von Ruth Berghaus aus Zürich, die 1999 wiederaufgenommen wurde. Düsternis herrscht durchweg bis hin zur schwarzen Kleidung und entsprechenden Hüten, und die roten Male auf den Gesichtern des Chores wirken auch nicht fröhlicher. Die Nähe des Kriegs zeigt sich in allgemeiner Verrohung. Oft hocken die Solisten in Gruben, und Max ist Außenseiter auch durch Brille und Buch in seiner Hand. Agathe scheint tatsächlich das „Wachspüppchen“ zu sein, als das Kaspar sie verächtlich bezeichnet, und Kuno hat eine vertrackte Ähnlichkeit mit dem beinahe stets gegenwärtigen Samiel. Beeindruckend ist es, wenn nach dem Schuss auf den Adler massenweise schwarze Federn unheilverkündend auf die Bühne stürzen, weniger die einher kriechenden Lemuren in der Wolfsschlucht. Auch wer die Inszenierung nicht mag, kann sich wegen der Sängerleistungen mit ihr anfreunden. Vor allem Peter Seiffert betört als Max bereits mit seiner großen Arie zu Beginn und auch weiterhin. Matti Salminen röhrt gewaltig als Kaspar und ist nur bei den Koloraturen nicht auf der sicheren Seite. Silbrig ist der Sopran von Inga Nielsen und damit für die Agathe generell nicht, für die Sicht der Berghaus auf sie allerdings ideal. Gefallen kann die schöne Schlichtheit ihres Gebets. Viel kerniger wirkt da auch akustisch das Ännchen von Malin Hartelius, gar nicht soubrettig und respektlos sogar gegenüber dem Kranz aus weißen Rosen. Einen soliden Kuno singt Werner Gröschel, Ensemblemitglied der Zürcher Oper. Am Schluss wollen Max und Agathe einander in die Arme fallen, was vom Begleitpersonal verhindert wird. Also doch ein überraschend positiver Schluss im Vergleich zu den Lösungen, bei denen sich das Paar längst einander entfremdet hat. Nikolaus Harnoncourt lässt die Ohren all das an romantischem Schwelgen ob des Jubels oder des Grauens vernehmen, was den Augen versagt blieb. © 2016 Opera Lounge





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