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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, May 2016

1962 ist Hans Knappertsbusch 74 Jahre alt. Auf einem schwarz drapierten Sockel sitzt er, wie ein Gott auf dem Olymp und leitet an diesem 31. Mai im ‘Theater an Jahr der Wien’ ein Konzert der Wiener Philharmoniker im Rahmen der Wiener Festwochen. Das Programm beginnt mit Leonore 3. Wenige Dirigenten wagten es, diese Ouvertüre in einem so irre langsamen Tempo zu dirigieren. Und wenn, dann hätten sie wohl schnell die Kontrolle verloren und bloß einen schweren und formlosen Teig produziert. ‘Kna’ gelingt es, eine große Spannung aufzubauen und aufrechtzuerhalten und die dramatische Kraft der Ouvertüre wiederzugeben.

Das gilt auch für Beethovens 4. Klavierkonzert mit der Begegnung zweier legendärer Figuren, Knappertsbusch und Wilhelm Backhaus, die in großer Ruhe ihren Beethoven feiern.

Und dann folgt, um das alles zu vollenden, eine atemberaubende Interpretation von ‘Vorspiel und Liebestod’ aus ‘Tristan und Isolde’ mit Birgit Nilsson.

Zu diesem Konzert, das vormals auf einer DVD erhältlich war, hat der Verleger nun auch noch ein weiteres hinzugefügt, das Kna-Konzert der Wiener Festwochen 1963 mit dem ersten Akt der ‘Walküre’.

Knappertsbuschs Tempi sind auch hier relativ moderat, aber er baut eine großartige Spannung auf und betont das Lyrische der Partitur, nicht ohne auch Kraft und Drama zum Ausdruck zu bringen. Mit reduzierter Gestik inspiriert er die Wiener Philharmoniker zu einem dynamisch sehr differenzierten Spiel, in das sich die Stimmen so einfügen, dass sie nie kämpfen müssen und immer verständlich bleiben: das ist ein Plädoyer für den Text in der Oper.

Die jugendliche Claire Watson als Sieglinde, der manchmal etwas gefühlsselige Fritz Uhl als Siegmund und der düstere Josef Greindl als Hunding sind die drei Solisten, die sich weitgehend perfekt in Knappertsbuschs faszinierendes Interpretieren einfügen. Und nicht zuletzt wird auch hier der vierten Figur die Gelegenheit gegeben, sehr textverständlich zu werden: das sind die sprachgewandten Wiener Philharmoniker, deren Rhetorik Kna wunderbar pflegt.

Und so ist denn diese Blu-ray ein Videodokument, das uns nicht nur in längst vergangene und unwiederbringliche Zeiten entführt, sondern eine hervorragende und unverzichtbare Hommage an den großen Dirigenten Hans Knappertsbusch darstellt. © 2016 Pizzicato



Ingrid Wanja
Opera Lounge, April 2016

An Hans Knappertsbusch erinnert eine Blu-ray von Arthaus mit zwei Sonderkonzerten von den Wiener Festwochen 1962 und 1963 aus dem Theater an der Wien mit den Wiener Philharmonikern, die auch für den Opernliebhaber interessant sind. Im ersten finden sich Werke von Beethoven und Wagner, das zweite ist ganz Wagner mit dem ersten Akt der Walküre vorbehalten.

Das Konzert aus dem Jahre 1962 beginnt mit der Ouvertüre zu Leonore III und ist noch einmal Anlass, die knapp-präzise Schlagtechnik, die Spannung, die der Dirigent trotz der streckenweise extremen Tempi zu erzeugen weiß, zu bewundern.

Es folgt Beethovens Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur, Solist ist Wilhelm Backhaus, der den ungewöhnlich verhaltenen Beginn in seiner einmaligen Zartheit auskostet, mit dem Dirigenten eins ist in der Herausarbeitung des Kontrasts zwischen Miteinander und Gegeneinander von Solist und Orchester.

Bereits 1950 hatte der Dirigent eine Live-Gesamtaufnahme von Tristan und Isolde aus München vorgelegt, hier erklingen Vorspiel und Liebestod, dessen Solistin Birgit Nilsson ist. Auffallend ist die Feierlichkeit, mit der das Vorspiel zelebriert wird, wobei natürlich der Klang der Wiener besonders ausgekostet werden kann. La Nilsson ist unvergleichlich, was Schönheit und technische Reife der Stimme, die Fähigkeit zu einer reichen Agogik betreffen und lässt den Hörer nur staunend zurück.

Wenn der 1. Akt der Walküre ausgesprochen altmodisch klingt, liegt das nicht am Dirigenten, sondern am Tenor Fritz Uhl, für den als Siegmund lediglich die gute Diktion spricht, während das helle Timbre, das um Korrektheit bemüht klingende Singen in manchmal direkt süßlich zu nennender Art Figur und Situation nicht gerecht werden, einfach langweilig erscheinen. Ganz anders Claire Watson als dunkel timbrierte Sieglinde, deren Sopran leuchten kann und sowohl die Innigkeit wie den strahlenden Jubelton der Befreiten dem Herzen des Zuhörers nahe bringt. Josef Greindls etwas knarziger Bass passt gut zur Figur des grimmen Hunding (Blu-ray Arthaus 109213). © 2016 Opera Lounge



D. Zweipfennig
Online Merker, March 2016

Seit seinem Debüt bei den Wiener Philharmoniker während der Salzburger Festspiele 1929 leitete Hans Knappertsbusch in 35-jähriger Zusammenarbeit 210 Konzerte und unzählige Vorstellungen in der Wiener Staatsoper. 1888 in der Nähe von Wuppertal geboren, hatte er in Bonn und Köln studiert und in Mühlheim seine Dirigentenlaufbahn begonnen, und fühlte sich doch in Wien besonders zuhause. Als die Nationalsozialisten 1936 den damaligen Generalmusikdirektor der Münchner Staatsoper mit Dirigierverbot belegten, ging Knappertsbusch als Kapellmeister zu Bruno Walter an die Wiener Staatsoper. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb Wien neben München und Bayreuth das Zentrum seiner Dirigententätigkeit, und noch bis knapp vor seinem Tod—Knappertsbusch starb 1965 in München—zählten seine Konzerte zu den jährlichen Höhepunkten der Saison. So auch 1962 das hier aufgezeichnete Konzert mit dem Pianisten Wilhelm Backhaus und mit der Sopranistin Birgit Nilsson, die die Wagner-Interpretin der Zeit war. Beethovens Leonoren-Ouverture, in langsamem Grundmaß begonnen, steigerte er zu einem erregenden Drama, im Klavierkonzert G-Dur beweist Knappertsbusch wie sorgfältig er sich auf einen Solisten einzustellen vermochte und in den Ausschnitten aus Wagners „Tristan“ wird vollends erlebbar, was diesen Dirigenten vor anderen ausgezeichnet hat: Konzentration auf das Wesentliche, Spannung, die aus dem Inneren kommt, und eine Kraft der Empfindung, die auf Sentimentalität und Äußerlichkeit verzichten kann. © 2016 Der Neue Merker





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