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Album Reviews



 
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Ingrid Wanja
Opera Lounge, June 2016

Das am weitesten gespannte und dabei am längsten dauernde Crescendo auf „Gott“ so ziemlich aller Zeiten dürfte Jonas Kaufmann im Zürcher Fideliovon 2004 ausgestoßen haben, aber das dürfte nicht der einzige Grund dafür sein, dass Arthaus die Aufnahme wieder auf den Markt gebracht hat. Zehn Jahre zuvor bereits hatte Nikolaus Harnoncourt eine höchst spannende Studioaufnahme zu verantworten gehabt, und auch diese Liveaufnahme ist, was die Orchesterleitung angeht, mit ihren starken Kontrasten, besonders die Tempi betreffend, sehr hörenswert, dazu kommt ein phantastischer Chor des Zürcher Opernhauses, der Gefangenen- und abschießenden Chor an die humane Botschaft des Werk glauben lässt. Dies tut auch die Regie von Jürgen Flimm, der sich zu keiner der ideologischen Verrenkungen verleiten lässt, die in letzter Zeit oft den Glauben an den glücklichen Ausgang der Befreiungsoper und damit irgendwie auch der gesamten Menschheitsgeschichte auf vielerlei und manchmal absurde Weise erschüttern wollten. Dabei findet die Regie noch genug Ansätze zu individuellen Interpretationen, ohne dass Handlung und Charaktere in ihr Gegenteil verkehrt werden. So wirkt der Schluss leicht ironisch durch die in unschuldiges Weiß gekleidete Lichtgestalt des Ministers, die ebenso und damit einheitlich gewandeten Chordamen mit ihren Blumenkränzen im Haar, wird die Kluft zwischen harmlosem Singspiel und Freiheitsoper überbrückt, indem bereits im ersten Akt nicht schlichte häusliche Verrichtungen, sondern der Umgang mit Waffen im Mittelpunkt steht. Was Leonore sich dabei gedacht hat, Marzelline von der Einkaufstour einen Blumenstrauß mitzubringen und sie damit zu ermutigen, bleibt im Dunkeln, erhellend dagegen ist das Verhalten Jaquinos, der sein Gewehr immer genau gegen denjenigen richtet, den er als den Verlierer des grausamen Spiels ansehen muss. Sehr schön ist auch der Einfall, Leonore im Kerker den Spaten gegen Rocco erheben, aber sofort wieder sinken zu lassen, da ein so gütiger Kerkermeister wie der des wunderbaren László Polgar einfach nur entwaffnend sein kann.

Die Bühne von Rolf Glittenberg ist eher zweckmäßig als beeindruckend mit dem Graben am vorderen Rand der Bühne, in dem der unglückliche Florestan haust. Sein Goldjäckchen hat ihm Marianne Glittenberg geschneidert, die Nummern auf den Glatzköpfen der Gefangenen sind da weit eindrucksvoller und überzeugender.

Das Solistenensemble ist wie oft bei Harnoncourt ein lyrisch ausgerichtetes, so ist Camilla Nylund eine auch optisch zarte Leonore, die zu einem sehr transparent gehaltenen „Mir ist so wunderbar“ beiträgt, “Abscheulicher, wo eilst du hin“ unangestrengt, aber auch weniger dramatisch als andere Sängerinnen singt, schließlich mit einem besonders schön-schmerzlichen „bald um ihn geschehen“ beeindruckt. Elizabeth Rae Magnuson ist eine schöne, lyrisch klingende Marzelline ohne Soubretteneinschlag. Jonas Kaufmann bewältigt seine große Arie ohne Ermüdungs- oder Überforderungserscheinungen mit dem leicht nasalen Klang, der in seinen frühen Jahren hörbar war. Angemessen ist der vokale Beitrag von Christoph Strehl als Jaqquino, während man dem Pizarro von Alfred Muff etwas mehr Dämonie wünschen würde. Günther Groissböck wirkt mit markantem Bass als Don Fernando akustisch gewichtiger, als sein engelsgleiches Outfit vermuten ließe (DVD Arthaus 109223). © 2016 Opera Lounge





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