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Album Reviews



 
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Ingrid Wanja
Opera Lounge, July 2016

Rechtzeitig vor seiner Abschiedstournee veröffentlicht Arthaus in einemkleinen Kästchen drei Blu-rays von den Konzerten, die José Carreras nach seiner Genesung von der Leukämie in Wien, Moskau und San Francisco gab. Das erste im Jahre 1988 bestreitet er allein mit dem Pianisten Vincenzo Scalera, das zweite ein Jahr später gemeinsam mit Dauer-Partnerin Montserrat Caballé, und das letzte 1990 in San Francisco bietet neben spanischen Canzonen die Missa Criolla von Ariel Ramirez.

Wen das Wiener Publikum einmal in sein Herzgeschlossen hat, dem bleibt es für immer treu, sagt man, und das bewahrheitete sich, als der beliebte Tenor mit standing ovations empfangen und verabschiedet wird, und auch zwischendurch nach den einzelnen Konzertstücken in vier verschiedenen Sprachen will der Jubel oft kein Ende nehmen. Dabei gibt es nur eine einzige Opernarie—und das als Zugabe—zu hören, und zwar das Lamento des Federico von Cilea. Davor gibt es viel Tosti, zu dem die immer noch wunderschöne, wenn auch zunächst etwas vorsichtig eingesetzte Stimme besonders gut passt, die auch die Fähigkeit zu feinen Piani, wie die französischen Chansons von Massenet, Hahn und Fauré beweisen, nicht verloren hat. In den Puccini-Canzonen, deren Themen auch in Bohéme und Manon Lescaut auftauchen, werden Erinnerungen an den Opernsänger wach, und mit Liszts Vertonungen von Sonetten Petrarcas bemerkt man die Freude des Sängers am Modulieren des Tons, am Spiel mit der Agogik. Spanische Musik, so von Tata Nacho, wird wie hier auch in den beiden anderen Konzerten auftauchen, dazu ein besonders bejubeltes Granada und sogar Griegs Jeg elsker dig. Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Rückkehr des Tenors ein Triumph war.

Ein Jahr später in Moskau sind die Haare schon wieder länger und das Programm ein noch gemischteres, von Scarlatti, Stradella und Vivaldi bis hin zu Katalanischem und mittendrin das Brindisi aus Traviata oder der “Babbino caro”. Optisch etwas störend ist, dass der Orchestergraben im Bolschoi nicht abgedeckt wurde, so dass es eine tiefe und breite Kluft zwischen Sängern und Publikum gibt. Am Flügel sitzt diesmal Miguel Zannetti. La Caballé spielt ihre Pianokultur bei Alter Musik aus, ist völlig irregeleitet als Tancredi, beider Stimmen fühlen sich bei Bellini wohl und glänzen mit Spanischem, so sie mit einem duftigen La Maja y el Ruisenor von Granados, er mit L’Emigrant, in den auch die Dame einstimmt.

In San Francisco in der Mission Dolores gibt es nach volkstümlich Spanischem, wie es zum Teil bereits in den Jahren und den Konzerten davor zu hören war, die Missa Criolla mit einem in Volkstrachten auftretendem Quartett aus Instrumentalisten und dem Coro de la Basilica de Socorro aus Argentinien, wobei das Schlagzeug eine hervorragende Rolle spielt (Domingo Cura) und die Stimme häufig zum Singen im Falsett animiert wird. Wie auch bei den anderen Konzerten besticht der Tenor nicht nur durch die kaum beeinträchtigte Schönheit seiner Stimme, sondern sicherlich auch durch die jungenhafte Erscheinung eines Latin lover und die echte oder gespielte Bescheidenheit, mit der er auftritt, sowie den Dank, den er gegenüber der ihm entgegengebrachten Zuneigung, ganz offensichtlich fühlt. Der Titel für alle drei Aufnahmen, Best wishes from Carreras, wirkt dagegen unangenehm anbiedernd. © 2016 Opera Lounge




Remy Franck
Pizzicato, June 2016

Wenn ein Künstler vom Publikum mit einer minutenlangen Standing Ovation begrüßt wird, noch ehe er einen Ton gesungen hat, ist ein ganz besonderes Ereignis angesagt. Es ist das ‘Vienna Comeback’, das erste Konzert von José Carreras nach seiner Genesung von der Leukämie, im Jahre 1988. Carreras kam damals nicht mit einem Orchester, nicht mit Opernarien, sondern mit Vincenzo Scalera am Klavier und zeigte im schwierigsten Auftritt überhaupt, dass die Krankheit der Stimme nichts angetan hatte, dass sie genau dieselben Stärken (wie Schwächen) zeigte wie davor. Dass Carreras, dessen Stimme nie eine extreme klanglicher Reinheit besaß, gerade mit einem Rezital sein Comeback feierte, zeugt aber von einem hohen Anspruch. Kommen dann noch die Sinnlichkeit des Gesangs und die künstlerische Ausstrahlung hinzu, hört man gerne über die Mängel hinweg. Freilich hätten die Tontechniker mit einer etwas weniger direkten Aufnahme und etwas mehr Hall auch manches überspielen und entschärfen können. Dennoch behaupte ich, dass viele Möchtegern-Tenöre von heute mit einem Programm, wie es Carreras hier singt (Lieder von Massenet, Fauré, Hahn, Liszt, Puccini, Tosti u.a.) kläglich untergehen würden.

Die zweite Blu-ray dieser Edition enthält das Konzert, das José Carreras und Monserrat Caballé 1989 im Moskauer Bolschoi-Theater gaben. In Arien, Liedern und Duetten liefern die beiden Sänger einzeln und zusammen beeindruckende Beispiele ihrer Kunst, wobei Carreras, wie immer, der Caballé um einiges an Emotionalität voraus ist und Caballé ihn technisch überbietet. Seele mit Kraftsingen gegen unterkühlten Wohllaut, das ist der Wettstreit, den sich die beiden Sänger hier liefern

Schön, dass auch die zutiefst bewegende Aufführung der ‘Misa Criolla’ von Ariel Ramirez in dieser Box enthalten ist, die 1990 live in der Mission Dolores in San Francisco aufgezeichnet wurde. Carreras, der die ‘Misa Criolla’ schon vor seiner Krankheit aufgenommen hatte, kehrt hier zu diesem wunderbaren Stück zurück und hebt in Begleitung des ‘Coro de la Basilica de Socorro’ aus Argentinien und des ‘Cuartito Andino’ zu einem phänomenalen, spirituellen Höhenflug ab. Schade, dass die Dokumentation, die dem Film in der Philips-VHS-Veröffentlichung von 1996 vorausging, nicht mit übernommen wurde. Platz genug wäre auf der Silberscheibe gewesen, auch wenn diese den Vorteil hat, noch einige Canciones anzubieten, die Carreras im ersten Teil des Konzerts sang und die Philips 1996 wiederum nicht mitlieferte.

Die drei in dieser Box vereinten Film stellen eine ausgezeichnete Hommage an den Sänger José Carreras dar, der jetzt endlich und eigentlich viel zu spät entschieden hat, seine Karriere  zu beenden, allerdings nach einer fast zweijährigen Abschiedstournee, 2018. © 2016 Pizzicato





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