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Remy Franck & Norbert Tischer
Pizzicato, May 2016

Die Inszenierung von Mozarts ‘Le Nozze di Figaro’ aus Zürich ist vor allem etwas für Regie-Freaks, die Mozarts ‘Figaro’ in einer individuellen, trotzdem aber schlüssigen Inszenierung sehen möchten. Denn Jürgen Flimm verstrickt seine Protagonisten in ein psychologisch verzweigtes Geflecht, setzt die latente Erotik des ‘tollen Tags’ mit einem Hauch von Décadence subtil in Szene. Das Ensemble agiert wie ein gut eingespieltes Film-Team. Jede Bewegung ‘sitzt’ ohne kalkuliert zu wirken. Man spürt, wie die Funken zwischen intelligenten Menschen sprühen.

Erich Wonder hat für Flimm aber auch stimmungsvolle, surreal anmutende Tableaus entworfen, Kompositionen aus glühendem Orange und schwarzer Eleganz. Oft kommt man sich vor wie in Tschechovs ‘Kirschgarten’.

Die musikalische Seite ist leider nicht ganz so überzeugend: Bei Harnoncourt entwickelt das Stück wenig Vorwärtsdrang; mit Carlos Chausson erlebt man einen Figaro, der gleich alt ist wie seine Mutter Marcelline und Eva Mei hat zwar ein schönes, silbrig-schimmerndes Timbre, aber noch nicht ganz das nötige stimmliche Gewicht für die Contessa. Der drahtige Conte von Rodney Gilfry und der sanguinische Cherubino von Liliana Nikiteanu sind auf jeden Fall wert, auch gehört zu werden. Und rein optisch ist das Ganze ohnehin der gelungenste Teil aus dem da-Ponte-Zyklus von Harnoncourt/Flimm, der hier vollständig angeboten wird.

Die ‘Don Giovanni’-Produktion aus Zürich enthält viel ‘dramma’ und wenig ‘giocoso’. Das Ganze wird vor allem diejenigen Mozart-Fans interessieren, die sich eine moderne Inszenierung zulegen wollen. Schon wegen der dunklen, durchaus stimmungsvollen Bühnenbilder von Erich Wonder (Brian Large ist mit dem Kameraauge manchmal leider viel ‘zu dicht dran’) und sicher auch wegen der schönen Idee, Don Ottavio als Bildhauer zu inszenieren. Sein Meisterwerk: die Statue des Komtur. Jürgen Flimms Personen-Führung allerdings wirkt öfters unentschlossen.

Auch mit Nikolaus Harnoncourt wurde ich nicht ganz glücklich: Seine disparaten Tempi hemmen den großen Bogen, die Besetzung wirkt unausgewogen: Rodney Gilfry hat mir als Zürcher Figaro-Graf viel besser gefallen und die stimmlich überzeugende Liliana Nikiteanu wirkt für meine Begriffe als Zerlina etwas reif. Letzen Endes fühlt man nur mit der ausgeklügelten Elvira von Cecilia Bartoli mit—ihre drei Arien sind ein ganzer Entwicklungsroman, der sich allerdings oft in den Vordergrund drängt. Dadurch wirkt das Ensemble nicht ganz so verschworen wie etwa in ‘Così fan tutte’.

Mozarts Liebesspielereien siedelt Jürgen Flimm in einer Schule an. Don Alfonso ist folgerichtig der Lehrer, der seinen männlichen Schülern beibringen will, wie untreu die Frauen sind. Das alles funktioniert, und mit so herrlichen Schauspielern wie Cecilia Bartoli, Agnes Baltsa und Carlos Chausson ist die Komödie schon fast perfekt, zumal Nikolaus Harnoncourt, auch den nötigen Humor in die Orchestermusik legt.

Die Bartoli singt aber auch vorzüglich, genau wie Agnes Baltsa und Liliana Nikiteanu. Auch Carlos Chausson ist vokal exzellent und kann Roberto Sacca die Hand reichen, der übrigens als Ferrando unheimlich viel Charme verströmt. Dem gegenüber wirkt Oliver Widmer biede (auch stimmlich).

Dennoch: Die Produktion von ‘Cosi fan tutte’ ist jener des ‘Don Giovanni’ in allen Hinsichten deutlich überlegen. © 2016 Pizzicato





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