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Helge Grünewald
Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award), February 2017

Zeit und Kulturgeschichte verschränken sich in dieser eindrucksvollen und spannenden Dokumentation. Philo Bregstein zeichnet das bewegte Leben des Dirigenten Otto Klemperer nach—von den jungen Jahren in Berlin über das amerikanische Exil bis zu seiner Rückkehr nach Europa und der langjährigen, fruchtbaren Arbeit mit dem Philharmonia Orchestra London. In O-Tönen kommen außer Klemperer selbst Zeitzeugen zu Wort, darunter der Philosoph Ernst Bloch und der Regisseur und Publizist Hans Curjel. © 2017 Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award)




Guido Fischer
Rondo, November 2016

Als Otto Klemperer am 26. September 1971 in der Londoner Royal Festival Hall sein allerletztes Konzert dirigierte, war er gesundheitlich schon lange angeschlagen. Und so begegnet man in den historischen Filmaufnahmen nun einem zerbrechlich wirkenden Hünen. Doch wie extrem klar bei Verstand Klemperer mit seinen 86 Jahren war, spiegeln gleichermaßen die Mitschnitte der Proben wider, die der niederländische Filmemacher Philo Bregstein mit seiner Kamera auch begleiten durfte. Im Mittelpunkt steht dabei die detailreiche Arbeit an der 3. Sinfonie von Johannes Brahms und darin vor allem am Eröffnungssatz. Und nicht zuletzt die immer wieder eingeblendeten Partiturausschnitte lassen einen hautnah am akribischen Probenprozess teilnehmen. Dass das Gesamtresultat beeindruckend ausbalanciert zwischen körperlicher Wucht und lyrischer Zartheit ausfiel, davon kann man sich jetzt anhand gleich zweier Formate überzeugen. Dieser Klemperer-Box ist eine Doppel-CD mit dem kompletten Abend vom 26. September 1971 beigelegt—mit zudem Beethovens „König Stephan“-Ouvertüre sowie Beethovens 4. Klavierkonzert (Solist: Daniel Adni). Während es von diesen Programmpunkten immerhin ebenfalls die entsprechenden Probenaufnahmen zu hören und zu sehen gibt, hat Bregstein für seine Dokumentation „Klemperer—The Last Concert“ lediglich die Aufführung vom Eröffnungssatz von Brahms‘ Dritter mitgeschnitten.

Aus gerade mal zwei Kameraperspektiven konnte Bregstein dieses auch musikhistorische Ereignis mitfilmen. Schließlich sollte hier nicht nur einer der faszinierendsten, das Musikleben des 20. Jahrhunderts maßgeblich prägender Künstler sein Publikum ein letztes Mal in den Bann ziehen. Klemperer gelang mit seinem Londoner New Philharmonia Orchestra eine absolute Brahms-Sternstunde—und zwar abseits aller Monumentalität und Schwere, mit denen Klemperer im hohen Alter oftmals verblüffte. Das Material der DVD „Klemperer—The Last Concert“ wie auch der zweiten DVD „Long Journey Through His Times“ basiert auf Filmen, die in den 1970ern entstanden sind und die Philo Bregstein für diese Edition erneut überarbeitet hat. Und in zwei Bonus-Features kommen mit dem Philosophen Ernst Bloch und dem Komponisten und Dirigenten Pierre Boulez zwei Klemperer-Bewunderer ausführlich zu Wort. Überhaupt hat Bregstein auch bei seinem sehenswerten Porträt „Long Journey Through His Times“ ausschließlich auf O-Töne etwa von Klemperer, seiner Tochter Lotte, dem Komponisten Paul Dessau oder dem legendären Kritiker H.H. Stuckenschmidt gesetzt, um den Werdegang des Mahler-Freundes und Opernleben-Reformers (Stichwort: Berliner Kroll-Oper) sowie den Schicksalsweg des Juden und Exilanten Klemperer ungemein bewegend nachzuzeichnen. Dennoch muss man zwischendurch auch immer wieder schmunzeln—wenn Klemperer sich über eine Anekdote ungemein amüsiert und dazu wie ein kleines Mädchen kichert. © 2016 Rondo





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