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Album Reviews



 
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Ingobert Waltenberger
Online Merker, March 2017

Wer hätte das gedacht: Die Operette lebt. Zumindest auf Zelluloid. Und das dank einiger sorgfältig produzierter Fernsehproduktionen der 70-er Jahre, wie etwa Der Opernball, Die Zirkusprinzessin, Paganini, Zigeunerliebe, Die Dollarprinzessin oder eben des luxuriös besetzten Graf von Luxemburg in der mitreissenden Regie von Wolfgang Glück. Allesamt kürzlich erscheinen beim Label Arthaus music. Die Fernsehfassung hat kein geringerer als Hugo Wiener selbst eingerichtet.

Eine Salonoperette der Sonderklasse ist dieser Graf von Luxemburg geworden, die es nach der Uraufführung im Theater an der Wien unter der Leitung von Robert Stolz auf sage und schreibe 300 Aufführungen en suite brachte. Musikalisch lässt die Aufführung mit dem Symphonie Orchester Kurt Graunke München unter der beschwingt eleganten Stabführung von Walter Goldschmidt keine Wünsche offen. Die sehr wienerische Besetzung mit der litauischen Diva Lilian Sukis als I-Tüpferl bietet im Genre Operette alles, was großes romantisches Hollywood Kino konnte und kann. Die Liebesgeschichte samt Heiratssachen rund um das Paar René Graf von Luxemburg/ Angèle Didier und sein komisches Pendant Armand Brissard/ Juliette Vermont gaben sowohl dem reifen Lehar als auch der meisterlichen Regie genug Anlass, um Komik mit laszivem qui pro quo sowie Volksszenen à la Boheme mit einer eigentlich knallharten Story zum Thema Liebe und Moneten zu verbinden.

Eberhard Wächter als das holde Geschlecht umgarnender Lebemann und adeliger Titelheld ist die Rolle des Grafen von Luxemburg wie auf den Leib geschrieben. Einen erotisch betrörenderen und männlich ausdrucksstärkeren Sänger wie Wächter hat es wahrscheinlich sowieso nie auf der Opernbühne gegeben. Dazu noch mit einem Prachtkavaliersbariton gesegnet, den er leider nicht immer sonderlich gepflegt hat, ist Eberhard Wächter die Inkarnation eines Verführers. Da kann schon einmal eine Scheinehe gegen 100.000 Francs mit der Cabarettsängerin Angèle Didier zu einem Happy End kommen, der Gräfin Stasa Kokozow (köstlich Jane Tilden) sei Dank. Der in die Jahre gekommene Fürst Basil Basilowitsch mit Johannistrieben muss da trotz aller Intrigen und rechtlicher Finessen final das Nachsehen haben. Erich Kunz liefert hier eine seiner berühmten Charakterstudien, auch stimmlich wird er seinem Legendenstatus gerecht. In der Sopranhauptrolle glänzt die umwerfend gut aussehende Lilian Sukis. Silbrig leuchtet ihr Sopran, raffiniert changiert ihre Farbpalette zwischen Seide und Samt. Prächtig blühen die Höhen auf, in der Mittellage und der elegant eingebundenen Tiefe bietet Lukis alles an Zwischentönen und Nuancen wie einst nur die große Elisabeth Schwarzkopf das konnte. Schauspielerisch und als Persönlichkeit steht sie dem edlen Baron Wächter in nichts nach. Wie da zwei Luxuswesen einander bezirzen, gurren und umschmeicheln, Scheingefechte austragen und sich in die Arme sinken, lässt den Operettenhimmel im Morgenlicht erstrahlen.

Das „Buffopaar“ ist mit Peter Fröhlich und Helga Papouschek gut besetzt. Fröhlich vermittelt als aufstrebender Maler Armand Brissard aber wenig Montmartre-Flair, sondern wirkt eher wie ein wohlerzogener braver Döblingler. Als Notar Pélégrin liefert Kurt Sowinetz ein Kabinettstück, ebenso eindringlich agieren Georg Corten als Pawlowitch und Kurt Zips als Mentschikoff, ihrerseits Vasallen des Fürsten.

Die filmische Umsetzung ist gekonnt, viele Großaufnahmen der Protagonisten erinnern an die Ästhetik der 40-er Jahre. Bei der Ausstattung und den Kostümen lassen sich die mittlerweile kultigen 70-er Jahre nicht verleugnen. Das wirkt teils komisch, teils freaky oder einfach hyper-retro. Die belegten Brötchen des Atelierfestes von Armand Brissard sind genau so wenig Jahrhundertwende wie die schwarze strassbesetzte Robe von Angèle Didier bei ebendiesem Anlass. Die Kameraführung (Heinz Pehlke, Jürgen Jürges) lässt das gesamte Arsenal an Einstellungen auffahren, sie ist besonders in den kleinen Details präzise und damit den meisten heutigen Opernmitschnitten haushoch überlegen.

Fazit: Musikalisch die bislang unübertroffene Referenzaufnahme dieser schönen Lehar Operette, die in hochästhetischen Bildern für das Fernsehen adaptiert mit genialen Sänger—und Schauspielleistungen ein hohes Hör—und Sehvergnügen bereitet. Wer sich an der optisch leicht antiquierten Ausstattung nicht den Zahn ausbeisst, wird an dieser DVD seine große Freude finden. © 2017 Online Merker



Rüdiger Winter
Opera Lounge, March 2017

HEUBERGER, R.: Opernball (Der) [Opera] (Studio Production, 1970) (NTSC) 109307
FALL, L.: Dollarprinzessin (Die) [Opera] (Studio Production, 1971) (NTSC) 109311
KÁLMÁN, E.: Zirkusprinzessin (Die) [Operetta] (Studio Production, 1969) (NTSC) 109308
LEHÁR, F.: Graf von Luxemburg (Der) [Opera] (Studio Production, 1972) (NTSC) 109312
LEHÁR, F.: Zigeunerliebe [Opera] (Studio Production, 1974) (NTSC) 109310
LEHÁR, F.: Paganini [Operetta] (Studio Production, 1973) (NTSC) 109309

Der Film beginnt im Atelier des Malers Henri de Toulouse-Lautrec. Der erzählt seinem neugierigen Model Giselle, das sich halbnackt am Boden räkelt, eine Geschichte. „Angefangen hat es damit, dass verschiedene gut verheiratete Leute bemerkt haben, was die Uhr geschlagen hat.“ Und los geht’s. „Greifen wir hinein ins volle Pariser Leben.“  Der österreichische Schauspieler Ernst Stankowski stellt den Maler dar. Er sieht ihm erstaunlich ähnlich. Das ist aber fast schon die einzige Übereinstimmung mit der Realität. Als Bearbeitung aus dem Jahre 1970 hat Richard Heubergers Operette Der Opernball mit dem Original nicht mehr sehr viel zu tun. Bereits nach eineinhalb Minuten wird in die berühmte Ouvertüre hineingeredet. Die Wirkung ist hin. Es bietet sich an, das, was von dem rasanten Vorspiel übrig ist, mit Bildern von Toulouse-Lautrec—meist Lithographien—zu unterlegen. Bilder, die jeder kennt. Aus dem Pariser Milieu des ausgehenden neunzehnten Jahrhunderts. Nicht immer jugendfrei. Szenenwechsel. Ein gut frisiertes und töricht lächelndes Tanzpaar löst rasch den gewagten Toulouse-Lautrec ab, schwingt die Beine nicht ganz so hoch wie in einem Marika-Rökk-Film. Als ob plötzlich ein Vorhang fällt, um Anrüchiges zu verbergen. Tüllkleid mit ausladendem Petticoat die Dame, weißer Frack der Herr. Und schon ist Heinz Ehrhardt nicht weit. Jetzt kann nichts mehr passieren. Es geht anständig zu. Dabei ist die Handlung in den berühmten Separees alles andere als das. Sie wird durch die Regie zurechtgestutzt und wohnstubentauglich gemacht. Die Produktion war für das Fernsehen bestimmt und sollte einen gemütlichen Abend bei Bowle, Bier, Salzstangen und Käsespießchen bescheren.

Ich erinnere mich noch an solche Abende, die für mich nur dadurch erträglich wurden, weil der Fernseher neu war. So neu, dass laufen konnte was wollte. Nachbarn, die noch kein eigenes Empfangsgerät ihr Eigen nannten, wurden großzügig hinzu gebeten. Sie erschienen im Sonntagsstaat, um dem Ereignis angemessene Würde zu geben. Mir haben solche familiären Pflichtveranstaltungen die Operette auf Jahrzehnte hinaus verleitet. Ich dachte, Operette sei so. Aus der Besetzungsliste ragen Helen Mané, deren Spuren sich verflüchtigt haben, Harald Serafin, der spätere Intendant der Seefestspiele Mörbisch, Maria Tiboldi, Tatjana Iwanow, Maurice Besançon und Uwe Friedrichsen heraus. Es spielt das Symphony Orchester Kurt Graunke unter Willy Mattes.

Der Opernball (109307) ist nur ein Titel einer ganzen Operetten-Serie, die Arthaus / Unitel in neuer Verpackung auf den Markt gebracht haben. Schön bunt eingepackt. Gäbe es noch die guten alten Fachgeschäfte mit Schaufenstern, sie würden sofort ins Auge stechen. Selbst in den Listen diverser Anbieter im Netz fallen sie auf und verfolgen einen noch tagelang als Werbebanner auf ganz anderen Seiten. So wird halt getrommelt. Ob die Filme aber der Trommelei inhaltlich und künstlerisch standhalten, müssen letztlich die Käufer entscheiden. Mit den Vorlagen stimmen sie nicht immer überein. Offenbar misstrauen Produzenten und Regisseure den Originalen, ohne dass ihre Adaptionen die Umarbeitungen rechtfertigen würden. Meist geht es um die Anpassung der Stücke an den Zeitgeist. Nach fast fünfzig Jahren stellt sich das als ein gravierender Irrtum dar, der nicht mehr zu beheben ist. Diese Fernsehfassungen haben dem Genre mehr geschadet als genützt. Das gilt auch für Die Dollarprinzessin von Leo Fall, 1907 im Theater an der Wien uraufgeführt (109311). Es gibt ein Wiedersehen mit der Iwanow, die seinerzeit sehr bekannt war, und als Olga auch manches Klischee pflegt. Mit zwei Sängern, die in der Oper genau so berühmt waren wie in der Operette—Ingeborg Hallstein und Rudolf Schock—kann Die Zirkusprinzessin von Emmerich Kálmán punkten (109308). Allerdings fällt es nicht ganz leicht, dem kastanienbraun eingefärbten Schock im Glitzeranzug den geheimnisvollen Akrobaten Mr. X mit der schwarzen Maske abzunehmen. Vornehm lächelnd gibt sich die Hallstein als Fürstin Fedora. Damit sich die Fernsehzuschauer gleich wie zu Hause fühlen konnten und nicht unter Entzugserscheinungen zu leiden brauchten, wurde Peter Frankenfeld, der damals eine eigene Samstagabend-Unterhaltungsshow hatte, als Conferencier im Zirkus eingebaut. Nicht ganz zufällig sagt er die dem Original still und heimlich hinzugefügten fünf Leibwächter des Schahs von Persien an, die diesem bereits dreimal das Leben gerettet haben sollen. Tatsächlich waren auf Reza Pahlavi mindesten zwei Anschläge verübt worden. 1969, als der Film entstand, war er noch auf dem Höhepunkt seiner umstrittenen Macht und wurde auch von der Bundesrepublik hofiert. Zwei Jahre zuvor, beim Besuch im Westen Berlins, gab es heftige Proteste der Studentenschaft. Dabei wurde der Student Benno Ohnesorg erschossen. Das war ein politisches Fanal, dem der Fernsehfilm gute Unterhaltung entgegenzusetzen sucht.

Für die Titelrolle des Graf von Luxemburg von Franz Lehár ist der charmante Eberhard Wächter aufgeboten (109312). Ihm zur Seite ist Lilian Sukis als Angéle Didier. Das passt. Für das, was im Produktionsjahr 1972 für Stimmung gehalten wurde, sorgt zudem der unverwüstliche Erich Kunz, Liebling der Wiener Opernszene. Regie und Ausstattung sind vergleichsweise üppig ausgefallen. Lehár ist in der Serie mit insgesamt drei Titeln vertreten. In der inhaltlich nicht mehr ganz korrekten Zigeunerliebe (109310) rennen sogar echte Wildscheine durchs Bild. Teile der Szenerie wurde nämlich ins Freie verlegt und sollen Authentizität vorspielen. Diese Verfilmung ist die jüngste. Sie entstand 1974. Zuschauern musste nun schon mehr geboten werden als bemalte Kulissen. Die Umsetzung ist auch näher an der Vorlage. Lehár ging in diesem Werk neue Wege und suchte formal eine stärkere Verbindung mit der Oper. Vom Münchner Rundfunkorchester unter Heinz Wallberg wird dieses Konzept wirkungsvoll unterstützt. Der rumänische Opernsänger Ion Buzea ist Józsi, Adolf Dallapozza der Jonel, Colette Lorand die Ilona und Janet Perry die Zorika. Als Paganini (109309) kann der griechische Tenor Antonio Theba genau so feurig blicken wie seine Geige spielen. Dafür ist er entsprechend ausgebildet. Stimmlich wirkt er überfordert. Er kann die ertrotzten hohen Töne nicht halten. Als Princess Anna Elisa ist ihm Teresa Stratas meilenweit überlegen. Bevor 1973 der Film entstand, ist Theba als Paganini am Wiener Raimund Theater aufgetreten. © 2017 Opera Lounge




Norbert Tischer
Pizzicato, February 2017

Die Videodisc mit dem ‘Grafen von Luxemburg’ zeigt eine aufwändig und geschmackvoll verfilmte Lehar-Operette mit guten Darstellern und in einigen Rollen auch guten Stimmen, allen voran der Bariton Eberhard Wächter als Graf von Luxemburg und die litauische Sopranistin Lilian Sukis als Angèle. © 2017 Pizzicato





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