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Barbara Ranke
Opera Lounge, March 2017

Schöner ist die Verpackung nicht geworden, nur größer. Arthaus hat den Ring des Nibelungen von Richard Wagner aus dem Deutschen Nationaltheater Weimar von 2008 neu aufgelegt—gesondert als Blu-ray und als DVD. Warum denn das? Bei dieser Gelegenheit wurden die Booklets eingespart. Als Information sind nur noch die Besetzungslisten übrig geblieben. Das ist schade. Eine marktpolitische Notwendigkeit für die Entscheidung kann ich auf den ersten Blick nicht erkennen, zumal in den seither verstrichenen Jahren das Angebot an Aufnahmen dieses gigantischen Werkes nicht eben kleiner geworden ist. Es sind auch immer noch Boxen der Originalausgabe—gesamt und einzeln—im Handel zu haben. Das Rheingoldkam seinerzeit zuerst heraus. Denkbar ist, dass Arthaus mit Catherina Foster punkten will, die alle Brünnhilden sang. Damit war sie weit über Weimar hinaus bekannt geworden. In der thüringischen Klassikerstadt hatte sie nach dem Gesangsstudium das erstes Engagement gefunden. Zuvor war sie als Hebamme und Säuglingsschwester in ihrer englischen Heimat tätig gewesen. Frank Castorf holte die Foster 2013 für seine Ring-Inszenierung nach Bayreuth, wo sie auch in diesem Jahr nochmals zu hören und zu sehen sein wird. Vielleicht gibt es davon am Ende auch noch einen DVD-Mitschnitt. Inzwischen reist die Sängerin mit der Partie und anderen hochdramatischen Rollen in der ganzen Welt herum. In Weimar ist sie stimmlich gut aufgelegt gewesen, im Ausdruck aber noch etwas monoton. Schon damals war klar, dass das vielversprechende Talent seinen Weg gehen würde.

Den stärksten Eindruck aber machte bei der DVD-Premiere 2008 die Erda von Nadine Weissmann auf mich, die mit dieser Rolle auch in der Bayreuther Castorf-Produktion mitwirkt und international gefragt ist. Ein tiefer, satter Kontraalt. Der Weimarer Ring des Nibelungen ist reinstes Regietheater (im leider zu abgegriffenem Sinne). Wer das mag, kommt voll auf seine Kosten. Schon beim Rheingold gab es vor dem Vorspiel noch ein kleines gesprochenes Vorspiel, bei dem Kinder mit Froschfiguren aus dem Kasperletheater einen Vorgeschmack lieferten auf die schlimmen Dinge, die da passieren würden im Verlauf der Handlung. Mit Rückgriff auf die Text-Urfassung der Götterdämmerung „Siegfrieds Tod“. Im Textheft der ersten Ausgabe wurde das als „eine Reise auf dem Theater zurück in Kindertage“ ausgegeben. Die magische Wirkung des ganzen Anfangs mit dem tiefen Es, der überflüssigerweise auch inszeniert wurde (Wotan noch ohne Augenklappe ist bei Alberich, der sich noch nicht als Zwerg verkleidet ist, mal eben auf Besuch!), war jedenfalls hin. So hatte es die Regie offenkundig auch beabsichtigt.

Manches ist noch immer hübsch anzuschauen und plausibel, was Regisseur Michael Schulz auf die Bühne stellte. Die ironische Grundhaltung—keine neue Erfindung—wurde gut durchgehalten. Die Sänger hielten sich wacker. Für eine Aufführung an einem Haus wie dem Nationaltheater mit gut achthundertfünfzig Plätzen ist das sehr respektabel. An eine Veröffentlichung auf DVD sollten höhere Maßstäbe gelegt werden. Marion Hoff war als Wotan im Rheingold zu hell, fast schon ein Tenor. Der Alberich von Tomas Möwes tremolierte zu stark. Nur optisch hinreißend präsentierte sich Christine Hansmann als Fricka. Erin Caves hatte einen schönen Tenor für den Loge, gelangte aber in der langen Erzählung gestalterisch an Grenzen. Die ironische Grundhaltung, die der Regisseur bereits am Vorabend des Zyklus eingenommen hatte, wurde weitgehend durchgehalten. Mitunter aber uferte sie als Klamotte aus, als Frieder Aurich—nicht unrecht als Mime—im ersten Siegfried-Aufzug als Putzfrau in Kittelschürze unter den obligatorischen Küchentisch kriechen musste. Das dürfte es so noch nicht gegeben haben und sollte wohl eine Anspielung auf Mimes „Ich bin dir Vater und Mutter zugleich“ sein. Für die Inszenierung sprach, dass sie ganz unverhofft zu durchaus magischen Momenten inne hielt. Wenn nämlich der Wanderer (Tomas Möwes, im Rheingold noch als Alberich besetzt) Erda (wiederum eindrucksvoll Nadine Weissmann) heraufbeschwörte, war aller Budenzauber wie weggeblasen. Vermutlich kommt nicht jeder szenische Einfall auf dem heimischen Bildschirm richtig zum tragen. Es scheint mir nicht intensiv genug an der Umsetzung der Konzeption für die Bedingungen einer DVD gearbeitet worden zu sein. Viele Details, die im Theater zu Recht verwischen oder nur aus ihrem direkten szenischen Zusammenhang mit dem Ganzen deutlich werden, erlangen am Fernseher eine Gewicht, das ihnen nicht zukommt. Auch singende Menschen gewinnen selten in Großaufnahmen.

In allen Ring-Teilen werden die altbekannten Versatzstücke aus dem Arsenal des Regietheaters in Position gebracht, als gäbe es ein großer zentrales Lager, aus dem sich auch andere Theater bedienen, so ähnelt sich das alles: Mäntel, Straßenanzüge, Sporthemden, Hosenträger Abendkleider, Sonnenbrillen. Hinzu gekommen ist Mimes „Hackenporsche“ in der Billigausführung. Großen Tüchern wie etwa am Schluss des Siegfried, wenn für diesen (Johnny van Hal, in der Götterdämmerung ist es Norbert Schmittberg) und die erwachte Brünnhilde eine gigantische Hochzeitstafel gedeckt wurde, hätte ein Bügeleisen gut getan. An Personal ist kein Mangel in dieser Produktion. Was bei Regisseur Joachim Herz in seiner Leipziger Ring-Deutung in den 1970er Jahren noch neu war, wirkte nach 35 Jahren nicht mehr so frisch. Hunding (Hidekazu Tsumaya) tauchte mit seiner ganzen finsteren Bande auf und auch sonst trieb sich allerlei Volk herum, das nichts zu singen hat. Mario Hoff, der den Wotan im Rheingold gegeben hatte, wurde in der Walküre durch Renatus Mészár ersetzt, in der Götterdämmerung tauchte er schließlich als Hagen wieder auf. Nebenbei hatte er auch schon den Fasolt gegeben. Ökonomischer geht es nicht in der Besetzungspolitik. Der Hagen war seine beste Leistung. Kirsten Blanck als stimmlich ansprechende Sieglinde hatte ihr Kostüm in einer unvorteilhaften Mischung aus Hauskleid und Kittelschürze nicht verdient. Aber vielleicht sollte ja in dieser Inszenierung der Siegmund (Erin Caves, der Loge aus Rheingold) auf so etwas stehen. Am Pult der sehr hochdramatisch aufspielenden Staatskapelle Weimar wirkte der damalige Generalmusikdirektor Carl St. Clair, der zwischenzeitlich mal in gleicher Position an der Komischen Oper Berlin tätig war, dort 2010 aber wieder ausschied. © 2017 Opera Lounge





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