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Michael Wersin
Rondo, September 2016

Eine jener eher seltenen französischen Komponistenkarrieren abseits der Metropole Paris: Im lothringischen Baccarat wurde Louis Thirion 1879 geboren, und Ort seiner Ausbildung sowie seiner späteren Karriere ist das Conservatoire von Nancy—damals eine bedeutende Stadt, weil sie nach 1870/71 wichtiger Rückzugsort für viele Ostfranzosen wurde, die nicht unter deutscher Fahne leben wollten. Dort war Thirion Student u.a. von Joseph-Guy Ropartz, selbst einer jener wenigen „Paris-Verweigerer“.

Stilistisch bewegt sich Thirion ein wenig auf den Spuren des späten Fauré, beeinflusst zudem vom „nördlichen“ Tonfall seines Lehrers Ropartz—eine reizvolle Mischung! Seine große melodische Erfindungsgabe geht Hand in Hand mit einem ausgeprägten Gespür für die effektvolle harmonische Ausleuchtung der Kantilenen. Größere Zusammenhänge entfalten sich dabei auf Basis der klassischen motivisch-thematischen Arbeit, transferiert ins spannungsreich komplexe Idiom des Fin de siècle mit seiner ungeheuer farbenreichen Harmonik.

All dies fördern die Musiker des „Quatuor Stanislas“, vor allem im Klaviertrio op. 11, sehr überzeugend zu Tage. Weniger Freude macht dagegen das Streichquartett: Hier sind über weite Strecken deutliche Intonationstrübungen zu beklagen. Schade—das Engagement der Musiker und die tiefgreifende Beschäftigung mit Thirions Musik sind durchgängig hörbar, aber das Endergebnis ist durch den genannten Mangel dennoch nur mit Einschränkung zu genießen. © 2016 Rondo





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