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Album Reviews



 
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Ludwig Steinbach
Der Opernfreund, June 2018

Es ist immer wieder ein erhebendes Gefühl, wenn am Schluss einer Opernvorstellung der Komponist beim Schlussapplaus selbst auf der Bühne erscheint und sich der begeisterten Zustimmung seitens des Publikums erfreuen darf. Das wird indes nur bei relativ neuen Opern wie der von Carlisle Floyds 1955 aus der Taufe gehobener „Susannah“ der Fall sein. Am Ende der bei NAXOS herausgebrachten DVD dieses beachtlichen Werkes ist der 1926 geborene Floyd in der Tat selbst zu sehen. Dass ihn der Erfolg seiner „Susannah“ freut, sieht man ihm an. Sicher ist es bemerkenswert, wenn eine kleine amerikanische Operntruppe wie das Palladium Theater St. Petersburg, Florida sich eines solchen, noch nicht allgemein bekannten Werkes annimmt. Zum erstmaligen Kennenlernen ist diese DVD, der drei Aufführungen aus dem Jahr 2014 zugrunde liegen, auch durchaus geeignet. Man kann der Handlung gut folgen und begreift, was auf der Bühne geschieht. Indes ist die Inszenierung von Michael Unger wenig spektakulär und allzu harmlos. Nein, spannendes Musiktheater, wie man es in Deutschland gewohnt ist, stellt diese Produktion wirklich nicht dar. Vielleicht kann man solches von stark sponsorenabhängigen amerikanischen Bühnen auch nicht erwarten. Das Orchester sitzt auf der Bühne, die von einem nach vorne offenen Haus eingenommen wird. Ein an der Vorderseite angebrachtes riesiges Kreuz weist dieses als Kirche aus. Die Vorderbühne gehört den Solisten, die auch mal durch das Orchester hindurch auftreten. Hier ist Oper noch Oper, wobei die krassen Stellen vom Regisseur behutsam entschärft werden. Von der Sängerin der Susannah wird im ersten Aufzug entgegen dem Libretto keine völlige Nacktheit verlangt. Zwar tritt sie oben ohne auf, ist aber nur von hinten zu sehen. Die Vergewaltigung der Protagonistin durch den Reverend im zweiten Akt erschöpft sich in einem erzwungenen Kuss. Von der Regie hätte man sich wahrlich mehr erwartet.

Auch gesanglich bleiben Wünsche offen. Am besten schneidet noch Susan Hellman Spatafora ab, die als Susannah mit vorbildlichem italienisch geschultem, farbenreichem und differenziert eingesetztem Sopran ihre übrigen Partner/innen weit hinter sich lässt. In der Rolle des Reverend Olin Blitsch lässt Todd Donovan einen angenehmen Bariton hören, dessen Sitz allerdings variabel ist. Mal singt er schön kraftvoll im Körper, mal nicht. Solide, wenn auch nicht außergewöhnlich, präsentiert sich der Little Bat von Scott Wichael. Insbesondere bei Pianissimi sollte er nicht die Körperstütze seines Tenors verlieren. Ein flachstimmiger Sam ist sein Stimmfachkollege Anthony Wright Webb. Von den Ältesten gefällt nur der profund und mit guter Stütze singende Bass-Bariton Benjamin Bloomfield. Brian Wehrle, Stanley Wilson und Fred Frabotta singen dagegen ausgesprochen dünn. Auch das aus Milissa Misener, Robyn Rocklein, Stefanie Izzo und Aleksandra Ritums bestehende Quartett der Frauen der Ältesten vermag mangels tiefer Fokussierung der Stimmen nicht zu überzeugen. Ordentlich entledigt sich der Chor seiner Aufgabe. Das Orchester wird von Mark Sforzini mit großer Eleganz, prägnant, farbenreich und differenziert durch die Partitur geführt. © 2018 Der Opernfreund



Ekkehard Pluta
Klassik heute, June 2017

Wenn man dem Covertext glauben darf, so steht Carlisles Floyds Susannah (1955) unter den meistgespielten amerikanischen Opern an zweiter Stelle. In Deutschland gab es seit der Premiere in Oberhausen (1959) gelegentliche Versuche, das Stück im Repertoire zu etablieren, zuletzt wohl in Hagen, doch blieb diesen Aufführungen eine Langzeitwirkung versagt. Das gilt selbst für die Inszenierung der Deutschen Oper Berlin, die vor 20 Jahren eigens für Karan Armstrong aufs Programm gesetzt wurde. Eine CD-Produktion unter Kent Nagano mit Cheryl Studer ist noch immer im Angebot.

In der Ära McCarthys entstanden, ist die vom Komponisten selbst getextete, auf der biblischen Erzählung von Susanna im Bade basierende Oper ähnlich wie die Werke Gian Carlo Menottis ein Beispiel für amerikanischen Verismo. Kantilenen im italienischen Stil verbinden sich mit amerikanischen Folksongs, das Orchester ist in traditioneller Weise für Stimmung und Spannung zuständig. Insgesamt ist die Geschichte der von der Gemeinschaft geächteten Außenseiterin Susannah, die schließlich von einem eifernden Gottesmann vergewaltigt wird, doch eher gut gemeint als künstlerisch bewältigt und auch die Musik ist über weite Strecken so dünnblütig, dass sie keinen ganzen Opernabend trägt.

Dass es auch in Florida eine Stadt namens St. Petersburg gibt, wusste ich vorher nicht. Und dass sie über ein eigenes Theater verfügt, das Palladium, dürfte hiermit auch erstmals außerhalb der USA publik werden. Die Aufführung hat den Charme einer College-Produktion und bietet sich nicht unbedingt für den Weltmarkt an. Es gibt auch nur englische Untertitel und englische Kommentare im Booklet. Die Inszenierung im zweckmäßigen und sparsamen Einheitsbühnenbild erzählt die Geschichte nicht ungeschickt vom Blatt, Sänger und Musiker sind mit Liebe bei der Sache, das Publikum spendet viel Szenenapplaus und feiert das Ensemble am Ende minutenlang. © 2017 Klassik heute



Ingrid Wanja
Opera Lounge, June 2017

Dass man auch mit ganz bescheidenen Mitteln eine eindrucksvolle Opernaufführung zustande bringen kann, zeigt die DVD von Carlisle Floyds Oper Susannah, aufgeführt im Februar 2014 in St. Petersburg nicht in Russland, sondern im US-Bundesstaat Florida. Im Palladium Theater sichtlich ohne Orchestergraben und unterstützt von Spendern, darunter auch einem anonymen, hat man die Umrisse eines Häuschens, das durch die Beleuchtung eines daran angebrachten Kreuzes zur Kirche werden kann, aufgebaut, Treppenstufen schaffen die dritte Dimension, und schon kann das Spiel um die bigotte amerikanische Kleinstadtgesellschaft und ihren eifernden, aber sündigen Prediger beginnen, die die lebenslustige, aber unschuldige Susannah ins Unglück treiben und ihren Bruder zum Mörder werden lassen.

Selten erlebt man ein so intensiv mitfieberndes Publikum, dessen Anteilnahme am Schicksal Susannahs so weit geht, dass die bösen Frauen, die sie aus der Gemeinschaft ausstoßen wollen, beim Schlussapplaus ausgebuht werden. Allerdings könnte das auch an ihren bescheidenen vokalen Möglichkeiten liegen, die jedoch denen der ebenfalls vier „Elder“, des Kirchenvorstands, in etwa gleichkommen.

Susan Hellman Spatafora ist eine sehr hübsche und damit schon einmal optisch glaubwürdige Susannah in leuchtend rotem Kleid, die von Regisseur Michael Unger zu temperamentvollem Spiel angehalten wurde. Ihre Sopranstimme ist frisch und von angenehmer Klarheit, angemessen schlicht singt sie The trees on the mountains, ausdrucksstark Ain’t it of pretty night und gestaltet die Wandlung vom naiven zum verbitterten Mädchen sehr eindrucksvoll. Einen ungefügen, aber kraftvollen Bariton setzt Todd Donovan für den zwielichtigen Olin Blitch ein, lässt dessen religiösen Fanatismus deutlich werden. Angenehm klingt der Tenor Anthony Wright Webb als Bruder Sam im volkstümlichen Jaybird song. Scott Wichael gibt dem geistig behinderten Little Bat mit seinem lyrischen Tenor anrührende Züge.

Die karge, aber ihren Zweck erfüllende Szene stammt von Steven Mitchell, die Kostüme entwarf Patricia A. Hibbert. Sehr viel besser als die beiden Quartette der Kirchenältesten kann der Chor bestehen, das St. Petersburg Orchestra unter Mark Sforzini lotet die Dramatik der Partitur wirkungsvoll aus, nimmt aber auch gebührend Rücksicht auf die Sänger. © 2017 Opera Lounge





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