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Album Reviews



 
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Ekkehard Pluta
Opernwelt (Germany), December 2018

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Manuel Brug
Fono Forum, August 2018

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Ingrid Wanja
Opera Lounge, May 2018

Entschieden auf die buffoneske Seite von Berlioz‘ Benvenuto Cellini, als Buffa entworfen und für die Grand Opéra in eine ebensolche umgewandelt, schlug sich Terry Gilliam, als er das Werk nach Art des Hauses an der ENO in englischer Sprache inszenierte. Die original-französische Fassung aus Amsterdam gibt es nun als DVD bei Naxos, und man kommt aus dem Staunen über die komödiantische Phantasie des Regisseurs einfach nicht heraus. Da wird einiges an eindrucksvollem Personal erfunden wie die köstlichen Muhmen im Hause des Balducci mit umwerfend komischer Mimik und Gestik des Missfallens, die Akrobaten, das den Fasching feiernde Volk von Rom, die irren Kneipenszenen oder das Hin—und Hergerissensein des Ascanio, der die Braut Cellinis eigentlich behüten soll und doch der Versuchung, anzubändeln, nicht widerstehen kann. Subtil ist die Personenführung, Derbheit wird nie prollig und Erotisches nie obszön. Dazu kommt ein phantasievolles Bühnenbild, das der Regisseur gemeinsam mit Aaron Marsden entworfen hat, eine wunderbare Werkstatt für Cellini mit herrlichen Skulpturen, das Haus des Balducci wie aus der Renaissance stammend, während die Kostüme von Katrina Lindsay von der Entstehungszeit der Oper inspiriert sind.

Auch wer ein Feind inszenierter Ouvertüren ist, wird von dieser Realisierung voller Witz und Charme entzückt sein. Diese Aufführung zu erleben ist trostreiche Erholung und allerschönste Erbauung nach all dem intellektuell verbrämten Hinterfragen und Umdeuten, das zum täglichen kargen Brot des Opernbesuchers geworden ist.

Der genialen Inszenierung würdig sind die Sängersolisten, die sich mit sichtbarer Lust an der Sache in ihre Aufgaben stürzen. John Osborn singt ein perfektes Französisch, meistert die vertrackte Tessitura der Cellini-Partie scheinbar mühelos und weiß trotz Jux und Tollerei auch die ernsten Momente zur Geltung zu bringen, so mit einem ergreifenden Flehen zum Schluss des Werks. Außerdem ist nicht zu verachten, dass er die richtige Optik für den Künstler und Liebhaber hat. Zauberhaft ist die Teresa von Mariangela Sicilia, anmutig und spielgewandt, wahrhaft dolcissima in Aussehen und Gesang, mit mühelosen Koloraturen und mit feiner Ironie die vorgetäuschte Tugendhaftigkeit darstellend. Urkomisch ist der Fieramosca von Laurent Naouri, allein die Frisur ist ein abendfüllendes Vergnügen, dazu kommt ein geschmeidiger Bariton, besonders wirkungsvoll eingesetzt im „Ah, qui pourrait  me résister?“ Mit markantem Bass singt Maurizio Muraro den Balducci, verleiht ihm dazu eine komische Würde und altväterlichen, drolligen Charme. Ascanio, eine Niklasse ähnliche Partie, wird von Michéle Losier elegant im Couplet und anrührend im Gebet-Duett mit Teresa gesungen. Vorzüglich sind die Comprimari, so der Bernardino von Scott Connor. Raustimmig und eher wie Dschingis Khan als Papst Clemens VII. aussehend, ist Orlin Anasstassov beinahe eine Karikatur, weniger ernst zu nehmender Heilsbringer und betont so die komische Seite des durchaus tragische Momente zeigenden Werks. Dirigent Mark Elder spielt mit dem Rotterdam Philharmonic Orchestra so farbig, so tempo—und spannungsreich, wie es die zauberhafte Optik vorgibt ( Naxos 2.110575-76). © 2018 Opera Lounge



Ingobert Waltenberger
Online Merker, April 2018

BERLIOZ, H.: Benvenuto Cellini [Opera] (DNO, 2015) (NTSC) 2.110575-76 
BERLIOZ, H.: Benvenuto Cellini [Opera] (DNO, 2015) (Blu-ray, HD) NBD0074V

Die Geschichte einer vereitelten Liebe, Mord, Flucht, Intrigen, Verkleidung, falsche Identitäten inmitten eines wilden Faschingsdienstagsrummels rund um den florentinischen Bildhauer Benvenuto Cellini inspirierte und faszinierte Schriftsteller und Komponisten gleichermaßen. Die wohl bekannteste Vertonung—peripher basierend auf Cellinis Autobiographie „Vita“—stammt von Hector Berlioz. Er kam dem Schöpfer der Saliera bzw. des Perseus mit dem Haupt der Medusa in all seiner Exzentrizität wohl sehr nahe. Dabei dürfte eine nicht geringe Identifizierung Berlioz‘ mit dem Renaissance-Genie sowie der Italien-Aufenthalt des 27-jährigen Komponisten eine beträchtliche kreative Rolle gespielt haben. Die Musik ist kein missachtetes Meisterwerk (wie die Perlenfischer), aber dennoch in ihrem pompösen Auftritt überwältigend, wohingegen das Libretto (Léon de Wailly und Auguste Barbier) einigermaßen konfus ist. Als Hauptärgernis kann der fehlende konzise narrative Faden gelten:

Der Florentiner Cellini (in der Oper wird er nach Rom „verfrachtet“) entwirft im Auftrag des Papstes Clemens VII eine Bronzestatue des griechischen Heroen Perseus. Gleichzeitig will er die Tochter Teresa des Schatzmeister des Papstes, Giacomo Balducci, ehelichen. Blöd nur, dass sein beruflicher Rivale Fieramosca auch der vom Schwiegervater in spe bevorzugte Nebenbuhler an der Liebesfront ist. Cellini bringt zu allem Überdruss im Duell dessen Freund Pompeo bei einem Entführungsversuch Teresas um. Um Gnade und die Hand der verehrten Teresa zu erlangen, gibt es nur ein Mittel: Er muss die schöne Statue sofort liefern oder Cellini und seine Träume enden am Galgen. Wie es ausgeht, ist eh klar. Er gießt das gigantische Ding und Happy End.

Die nunmehr zweite Verfilmung dieses zwischen Grand Opéra und Opéra bouffe changierenden Stücks (oder sollen wir sagen musiktheatralischen Monstrums?) nach derjenigen der Aufführung der Salzburger Festspiele 2007 wurde in Amsterdam im Mai 2015 aufgenommen. Weitere Stationen dieser „Reiseinszenierung“ führten nach Barcelona, Rom und 2018 Paris.

Es handelt sich um eine Ko-Produktion mit der English National Opera, wo das Stück 2014 (in englischer Sprache) herauskam. Terry Gilliam, seines Zeichens genialer Filmemacher („Monty Pythons“) und inzwischen recht erfolgreich auch als Opernregisseur unterwegs, hat hier die dem närrischen Stück adäquate Bild- und Bewegungssprache ersonnen. Irgendwie dürfte der nicht minder hypertrophe Berlioz hier sein kongeniales interpretatorisches Pendant gefunden haben. Das bunte, quirlige und actionselige Spektakel wurde nicht zuletzt seines hohen Unterhaltungswertes wegen von Kritik und Publikum beinahe unisono gelobt.

Terry Gilliam legt wie vor ihm Zeffirelli und Poutney (oder auf dem Theater Castorf) großen Wert auf dichte, durchbuchstabierte Tableaus in Cinemascope samt Videoinstallationen. Seine Arbeit quillt über vor Liebe zum Detail in den von Battista Piranesi inspirierten Kulissen, eigentlich eher dramaturgisch präzise (surreale) Choreographie denn typologisch durchdachte Personenregie. Das alles ist rau, wild und fantastisch und es wuselt—in der Faschingsszenerie—nur so vor Tänzern, Akrobaten und allerlei ruppigem Volk. Der Rest ist gut getimte ständige Bewegung sowie eingängig üppige Bilder. Das Licht ist naturgemäß ebenso ein starker Verbündeter des Filmemachers, in den doch die karg düstere Welt der Renaissance (etwa Albtraum des Cellini) beherrschenden Szenen ebenso stimmungsmächtig wie in den ausladenden Ensembles. Gilliam versteht es, die Welt auf den Kopf zu stellen und dennoch den Spannungsfaden zu spannen und zu dehnen und bis zur Apotheose zu verdichten. Freilich bleibt Gilliams Engagement bisweilen an der Oberfläche und der effektvollen Konfetti-Show kleben, einen hyperintellektuellen Anspruch hatte er jedoch auch nie gehabt.

Sir Mark Elder am Pult der Rotterdamer Philharmoniker weiß die rhythmisch so vertrackte und immens schwer in geordneten Klang zu übersetzende Partitur mit aller Energie, lyrisch romantischem Überschwang, jugendlicher Verve und auf Tradition pfeifende Unmittelbarkeit zu interpretieren. Auch der deftig vulgäre, volkstümliche Tropfen fehlt in seiner Lesart nicht.

Die Besetzung ist idiomatisch gut und geschlossen durchwegs erster Klasse: John Osborn wahrscheinlich besser als Duprez bei der missglückten Uraufführung (Benvenuto Cellini), Mariangela Sicilia (Teresa), Laurent Naouri (Fieramosca), Maurizio Muraro (Giacomo Balducci), Michèle Losier (Ascanio), Orlin Anastassov (Papst Clemens VII.), Nicky Spence (Francesco), Scott Conner (Bernardino), André Morsch (Pompeo) und Marcel Beekman (Le Cabaretier).

Fazit: Ein Vergnügen in jeder Hinsicht auch auf Video, wenngleich der Grundsatz gilt: Je komplexer die Optik, desto unvergleichlicher und unersetzbarer ist der Eindruck im Theater. © 2018 Online Merker





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