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Album Reviews



 
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Remy Franck
Pizzicato, May 2016

Der aus Saarbrücken stammende Blockflötist und Komponist Markus Zahnhausen erinnert sich in ‘Recordare’ an seinen Großvater, der 1941 starb, « ermordet in Hitlers teuflischem Feldzug in Weißrussland ». Zahnhausen hat die Briefe des Großvaters gelesen, und war tief erschüttert. Sein Werk ‘Recordare’ bezeichnet er daher als ein « Monument gegen den Krieg“, das kein brillantes Virtuosenstück sein soll, sondern « tiefgründige Musik von innerer Virtuosität“.

Er beschreibt darin die friedliche Landschaft mit Wiesen, wo der Großvater begraben liegt, eine Landschaft, die dennoch so viel Leid gesehen hat. So entwickelt sich zwischen ewigem Frieden und der Dramatik der kriegerischen Auseinandersetzung ein spannender musikalischer Film, der von großer nachhaltiger Wirkung ist.

Fabrice Bollon, der vielen Lesern vor allem als Dirigent bekannt sein dürfte, hat mit ‘Your Voice Out of the Lamb’ ein zwischen ruhigen Phasen und hoch virtuosen Passagen alternierendes Werk geschrieben, das eine Hommage an das Album ‘The Lamb Lies Down on Broadway’ der Rock-Band ‘Genesis’ sein soll. Es ist eine flatterhafte Musik, die in der losgelösten Interpretation Michala Petris einen direkt improvisatorischen Charakter erlangt.

Die Musik für Altblockflöte, 25 Streichinstrumente und Schlagwerk von Günter Kochan (1930–2009) ist das abstrakteste Stück der CD, aber Michala Petri und Dirigent Christoph Poppen bringen viel Spannung hinein, so, dass es nicht ohne Wirkung bleibt.

Michala Petris Spiel ist, wie immer und wie in jedem Repertoire, technisch hervorragend und hoch emotional im Ausdruck. Ihre Ausstrahlung und die formende Hand des inspirierten Dirigenten bringen auch das ‘Odense Symphony Orchestra’ zu einem spannungsvollen und kommunikativen Spiel. Die Tonaufnahme ist von bestechender Transparenz und Räumlichkeit. © 2016 Pizzicato



Christof Jetzschke
Klassik heute, March 2016

Zeitgenössische Blockflötenkonzerte aus China, England und Dänemark hat die Ausnahmeflötistin Michala Petri bereits vorgelegt. Als Fortsetzung der auf ihrem eigenen audiophilen Label OUR Recordings veröffentlichten Reihe erscheinen nun Kompositionen deutscher und französischer Herkunft in Weltersteinspielungen. Und wie die vorangegangenen Produktionen wird auch diese tontechnisch makellose Veröffentlichung mit Sicherheit wieder Aufsehen erregen.

Wie gewohnt ist Michala Petris Spiel über jeden Zweifel erhaben: technische Akrobatik, vollendete, fast schon hypnotisierende Tonformung und eine hoch emotionale Ausdruckskunst befinden sich in einem wundervollen Einklang. Dazu ein ungemein an und aufregendes Kommunizieren mit dem bestens aufgelegten und unglaublich klangbewusst agierenden Odense Symphony Orchestra unter der Leitung von Christoph Poppen. Es ist denn auch in erster Linie eine geradezu magische Klanglichkeit, mit der die drei hier aufgenommenen Konzerte imstande sind, jeden ihn ihren Bann zu ziehen.

Der 1965 geborene Markus Zahnhausen beschreibt sein Werk Recordare als ein „Monument gegen den Krieg“, als eine „tiefgründige Musik von innerer Virtuosität“, als einen Wechsel von „lyrischer Zartheit“ und „dramatischen Steigerungen“. So mosaikartig zusammengesetzt dieser Wechsel beim ersten Hören auch scheinen mag, so entpuppt er sich allmählich doch als eine organische Entwicklung, basierend auf der Rolle der „Blockflöte als stets präsenter Ich-Erzähler“ und einem „Spiel mit Pausen, mit dem Zeitfluss“ (Markus Zahnhausen). Vieles scheint der Zeit enthoben, auch in Fabrice Bollons hochvirtuosem Your Voice Out oft he Lamb, einer Hommage des ebenfalls 1965 geborenen Franzosen an das legendäre Konzeptalbum The Lamb Lies Down on Broadway von 1974 der zu dieser Zeit noch dem Progressiv Rock zuzurechnenden Band Genesis. Wie die britischen Art-Rocker in ihren besten Zeiten, so erweist sich auch Bollon als Meister der Verwandlung. Denn die von Genesis aufgegriffenen und in neue Zusammenhänge eingebetteten melodischen, harmonischen und rhythmischen Fragmente sind nur schwer erkennbar, schon gar nicht als originalgetreue Zitate; sie sind vielmehr das Ergebnis eines bisweilen improvisatorisch wirkenden, aber doch sehr zielgerichteten motivischen Entwicklungsprozesses. Bliebe noch die leidenschaftliche und hoch intensive Musik für Altblockflöte, 25 Streichinstrumente und Schlagwerk von Günter Kochan (1930–2009). Der zu den bedeutendsten Komponisten der DDR zählende Kochan war—nach eigenen Worten—immer bestrebt, „eine menschenfreundliche Musik zu schreiben, die frei ist von Pessimismus und Resignation, die von breiten Schichten der Bevölkerung, das heißt von den aufgeschlossenen Musikfreunden, verstanden werden kann“. Erstaunlicherweise erscheint mir ausgerechnet seine Komposition als nicht so leicht verdaulich, als das am schwersten zugängliche Werk dieser CD.

Um auf die angesprochene Klanglichkeit zurückzukommen: Ein fortwährendes Eintauchen in vielfarbige Klangwelten ist allen drei Konzerten gemein. Etwaige Fragen nach der jeweiligen Architektur, Tonalität, nach Spieltechniken, nach Besetzung oder nach der Ausgestaltung und den Herausforderungen des Soloparts treten für mich dahinter eindeutig zurück. Es ist einfach das unentwegte Spiel mit sämtlichen musikalischen Parametern und Ausdrucksmöglichkeiten und ein oftmals daraus entstehendes Gefühl von gedehnter Zeit und unendlichem Raum sowie die traumwandlerische Sicherheit, mit der sich Michala Petri und das Odense Symphony Orchestra in diesen Werken aufeinander zu und voneinander weg bewegen, was diese—auch textlich vorzüglich begleitete—Produktion so unwiderstehlich macht. © 2016 Klassik heute



Ulrich Hermann
The New Listener, March 2016

Wie hat sich das Verhältnis zu diesem Instrument im letzten Jahrhundert doch gewandelt! Vom ersten Anfänger-Instrument von der Tante für Kinder—und gerade besonders für Kinder fast immer völlig ungeeignet—zu einem hochentwickelten, spannenden und unglaublich vielseitigen Konzert-Instrument vom Barock bis zu den neuesten Kompositionen eines Markus Zahnhausen. Und Michala Petri hat dem Ganzen mit ihrer Präsenz und grenzenlosen Fertigkeit noch ganz andere, neue Möglichkeiten erschlossen. Vieles davon ist auf dieser Ersteinspielung zu hören und zu bestaunen.

Besonders im ersten Konzert, wo Markus Zahnhausen—selber Blockflötist—nicht nur die Möglichkeiten der verschiedensten Flöten einbaut, sondern auch der Solistin im Orchester-Part die bezwingendsten Begleitungen mitgibt, so z.B. gleich zu Beginn mit Glockenklängen oder Rhythmen von Schlagzeug und großer Trommel. Glücklicherweise lag mir sogar die gesamte Partitur von zwei der aufgenommenen Stücke vor, ich konnte also die Strukturen auch im Notenbild mit verfolgen, ein ganz besonderer Zusatz-Genuss! Zahnhausens Konzert hat, da auch als zusammenhängende Form sehr gelungen, das Zeug dazu, ein moderner Klassiker für die Blockflöte zu werden.

Nicht nur Werke und Aufführungen sind auf exzellentem Niveau. Hinzu kommt ein außergewöhnlich umfangreiches und informatives Booklet, eine wahre Fundgrube über Anlass der Kompositionen und ihre Schöpfer. Von Günter Kochan hatte ich in einem Liederbuch schon einmal ein Klavierlied gefunden, der war mir also kein ganz Unbekannter mehr. Sein Konzert für Blockflöte, Streicher und Schlagzeug zeigt seine Beherrschung des Handwerks natürlich ebenso wie seine eigenwilligen kompositorischen Ideen und deren souveräne Umsetzung: Kein Wunder, dass er zu den besten Komponisten der ehemaligen DDR gehörte, auch wenn vieles seiner Musik heute fast boykottiert zu werden scheint.

Michala Petri spielt alle Herausforderungen mit ihren unbegrenzten Möglichkeiten souverän aus, es müssen eben nicht nur Vivaldi, Händel, Bach oder die modischen Komponisten der Blockflöten-Literatur sein. Gerade moderne Kompositionen, die neue Spielweisen, neue Klänge, neue Herausforderungen an die Musikerinnen und Musiker stellen, zeigen—vor allem, wenn sie so überlegen gemeistert werden wie von der Dänin—was aus diesem Instrument an Musik noch lange nicht an einem Endpunkt—die entsprechenden Komponisten vorausgesetzt!—noch zu erwarten und bereits zu erleben ist und sein wird.

Am wenigsten ansprechend war für mich das Konzert von Fabrice Bollon für Flöte und kleines Orchester. Er baut hier auch elektronische Elemente ein, wie Loops und Verstärkung, bezieht sich auf die Rock-Gruppe „Genesis“ und versucht eine Mixtur aus allen möglichen Stil-Elementen der E und U-Musik. Das mag für die ausführenden Musikerinnen und Musiker sicher spannend sein, mir sagte dieses Stück am wenigsten zu, was dem Komponisten reichlich egal sein dürfte, denn wie seine Musik ankommt, war sicher nicht sein primärer Impetus, diese Komposition zu schreiben. Er selbst vergleicht sich mit einem Koch, der mit verschiedensten Gewürzen aus den verschiedensten Erdteilen jongliert, um eine wohlschmeckende Mahlzeit zuzubereiten.

Ob und wie weit ihm das gelungen ist, muss jede Person beim Hören selbst beurteilen.

Im Ganzen aber ist diese CD eine großartige Bereicherung im Zusammenhang mit einem immer noch weit unterschätzten Instrument. © 2016 The New Listener





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