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Album Reviews



 
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Uwe Krusch
Pizzicato, May 2018

Frank Martin nutzte die Ruhe der Schweiz, um sein eigenes Idiom zu entwickeln. Einflüsse aus chromatischer und Zwölftonmusik flossen zwar ein, aber nur soweit sie sich in sein System einfügen konnten.

Bohuslav Martinu kam aus der tschechischen Provinz bald in die weite Welt und konnte aufgrund der politischen Umstände nicht mehr in seine Heimat zurückkehren. Ebenso wie Martin entwickelte er einen sehr persönlichen Stil, obwohl auch er in Debussy, Roussel und Stravinsky Anlehnungspunkte hatte. Außer dem gemeinsamen Geburtsjahr und dem ähnlichen Namen verbindet die beiden nicht allzu viel.

Nur zwei Kompositionen für a cappella-Chor hat Martin geschrieben, die beide auf dieser Aufnahme zu hören sind. Während die Messe auf Muster aus Gregorianik, Renaissance und Johann Sebastian Bach schaut, sind die ‘Lieder für Ariel’ nach der Figur aus ‘Der Sturm von Shakespeare’ sehr persönliche, geradezu intime Werke, die nichtsdestotrotz mit acht oder gar zehnstimmigen Partien und vielfältigen virtuosen Herausforderungen hohe Anforderungen an die Sänger stellen.

Das Chorwerk von Martinu ist dagegen vielfältig. Bei seiner Ankunft in Paris hatte er Volksmusik aus seiner Heimat dabei, die auch in die ‘Vier Lieder über die Jungfrau Maria’ einfloss. Trotz ihrer überschaubaren Strukturen und einfachen Texte handelt es sich um Kleinode. Bereits in den USA übermannte ihn sein Heimweh. Die ‘Pusteblume’ ist ein Mädchen seiner Heimat, das auf die Rückkehr ihre Geliebten aus dem Krieg wartet, zu lange.

Das Nationale Dänische Vokalensemble, hier unter der Leitung seines gegenwärtigen Leiters Marcus Creed, besteht seit gut zehn Jahren und hat mit klarem und transparentem Gesang auf sich aufmerksam gemacht. Auch technisch muss sich der Chor hinter anderen nicht verstecken. In der Präsentation der Werke von Martin und Martinu und der Umsetzung von deren verschiedenartigen Anforderungen bestätigt sich diese Qualität. © 2018 Pizzicato



Thomas Baack
Klassik heute, April 2018

Welch reizvolle Idee, Werke zweier 1890 Geborener mit nur um einen Buchstaben verschiedenen Nachnamen auf einer SACD zu präsentieren, nämlich Frank Martin und Bohuslav Martinu! Der Titel bezieht sich auf das Faktum, dass Frank Martin um seine in den zwanziger Jahren komponierte Messe solch ein Geheimnis machte, dass diese erst 1962 nach vielem gutem Zureden uraufgeführt werden konnte. Obwohl sie aufgrund der weitestgehend modalen, impressionistisch-archaisch gefärbten Harmonik mit einigen strawinskiesken rhythmischen Zuspitzungen den Ersthörer spontan begeistert, gehört sie—wie auch die Deutsche Motette von Richard Strauss und so einiges von Max Reger—zu den Werken, die schon aufgrund des geforderten immensen Stimmumfangs (2. Bass bis D, 1. Sopran bis c‘‘‘) extrem intonationssicheren (semi)professionellen Ensembles vorbehalten bleiben müssen. Strauss standen hierfür die Opernchöre in Wien und Berlin zur Verfügung, aber kaum jemand hätte damals die knapp halbstündige Ordinariumskomposition eines Newcomers riskiert. Wäre ich Leiter eines solchen Ensembles, würde ich zur Vorstellung des Werkes die süffigere Referenzaufnahme des BR-Chores verwenden, zum intensiven häuslichen Studium aber die hier vorliegende interpretatorisch zumindest gleichwertige, dabei wesentlich transparentere Version empfehlen.

Martins sängerisch noch anspruchsvollere 5 Gesänge des Ariel mit streckenweise vierfacher Teilung der Stimmgruppen von 1950 sind in ihrer erweiterten Tonalität seinem In terra pax verwandt, geben sich somit beim ersten Hören klanglich spröder. Es handelt sich hierbei um Monologe des Luftgeistes Ariel aus Shakespeares Sturm. Dankenswerterweise kann auf dem Web-Auftritt der Universal-Edition eine Probepartitur des Werks eingesehen werden, was das konzentrierte Zuhören ungemein erleichtert. Hier gelingt dem Danish National Vocal Ensemble eine meisterliche Referenzinterpretation mit klarer Diktion, makelloser Intonation und von wohlgerundetem Klang. Amüsant die chromatischen Vokalisen des Bienenschwarms in Where the bee sucks, die den von den Unterstimmen vorgetragenen Monolog immer wieder stören, das Hundegebell in Come unto this yellow sands und die Glocken in Five fathoms deep.

Die 4 Lieder über Maria (1934) und die „Romanze des Löwenzahns“ (1955) von Bohuslav Martinu sind eng mit dessen Liebe zur tschechischen Heimat verknüpft. Die vertonten Texte sind entweder mährische Volkslieder oder nutzen in der Romanze deren Duktus. Melodik und Rhythmik orientieren sich an westslawischer Folklore, die Harmonisierung changiert zwischen Archaismen im Stil der englischen Renaissance und impressionistischen Fortschreitungen.

Bei den klanglich durchaus gelungenen Interpretationen dieser selten eingespielten und somit hier nahezu unbekannten, folkloristisch beeinflussten Werke fehlen mir die Affinität zur tschechischen Sprache und die musikantische Agogik. Sie erschienen mir bereits beim ersten Anhören zu gepflegt madrigalesk und in der Diktion zu verwaschen. Der Unterschied zu Muttersprachlern wurde mir aber erst deutlich, nachdem ich die Supraphon-Aufnahmen der exzellenten Martinu Voices(Lieder), die mit wesentlich klarerer Diktion aufwarten, und des Kühn-Chors (Ballade), der stimmlich mehr slawische Vibranz bei etwas weniger präziser Intonation einbringt, zum Vergleich gehört hatte.

Klangtechnisch ist die Aufnahme superb, natürlich, direkt, transparent und ohne zusätzlichen Kunsthall. Das eine Handvoll Sopran-Stellen zur Schärfe neigt, ist den Komponisten zuzuschreiben (b‘‘ und c‘‘‘ bedürfen der Orchestergrundierung). Das Booklet ist höchst informativ, aber leider nur Englisch. Die tschechischen Texte liegen ebenfalls nur in vorangestellter englischer Übersetzung vor. Daher der Punktabzug hinsichtlich der Präsentation. © 2018 Klassik heute





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