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Marcus Budwitius
Opera Lounge, August 2016

Die Inszenierung von Admetodurch die renommierte Filmregisseurin Doris Dörrie bei den Göttinger Händel-Festspiele im Jahr 2009 war umjubelt, ein Jahr später wurde die Produktion auf DVD erstmals veröffentlicht, nun ist sie neu aufgelegt worden. Morbide und doch phantasievoll, bunt und exotisch&dmash;der optische Eindruck hinterließ starken Eindruck, denn Dörrie ließ sich in Japan inspirieren. Man sieht aufwändige Kostüme&dmash;Admeto ist ein japanischer TennĊ, Alceste trägt einen weißen Kimono, später ein schwarzes Samurai-Kostüm, Herkules ist ein Sumo-Ringer (die Inszenierung hat auch humorvolle Momente), Antigone ist eine Geisha, ihre erste Szene mit Schafherde ist ein liebevoll gestalteter Moment. Es gibt wenig äußere Handlung, wenig “Action”, teilweise kann man das Bühnengeschehen als langsam und statisch beschreiben, die Spannung soll sich atmosphärisch entwickeln und dafür setzt die Inszenierung auf Ausdruck und symbolischen Gehalt&dmash;man sieht typische japanische Gesten, Farben spielen eine wichtige Rolle, der karge Bühnenraum mit transparenten Wänden wird oft intensiv farbig ausgeleuchtet, z.Bsp. Herkules Rettungsmission zur Befreiung Alcestes aus dem Hades ist in diabolischem Rot. Es gibt zusätzlich Choreographisches durch das Mamu Dance Theatre, das aber als Butoh Ensemble weniger ein Tanz-Theater ist, sondern eher als Ausdrucks- und Bewegungs-Ensemble eingesetzt wird. Die zehnköpfige Gruppe, deren Leiter Tadashi Endo choreographiert hat und die Solo-Tanzrolle übernahm, gibt den Affekten und Stimmungen eine eigenwillige und bemerkenswerte Interpretation. Ein Stilbruch geschieht dann im 3. Akt&dmash;ohne ersichtlichen Grund (es soll eine Hommage der Regisseurin zum 250. Todesjahr Händels sein) wechselt die Bühne nach Ercoles Arie “Amor è un tiranno“ und unterbricht die japanische Szene teilweise. Die Figuren in den japanischen Kostümen befinden sich nach Alcestes Rückkehr aus dem Hades in einer europäischen Barock-Landschaft mit Schloß und Garten. Für den Schlußchor verwandelt sich die Bühne in den japanisch inspirierten Stil zurück. Eine Regie-Entscheidung, der es an Triftigkeit und Schlüssigkeit mangelt und in gewisser Weise die Steigerung und Auflösung der Handlung als Stimmungsausdruck im dritten Akt unterbricht und zu keinem rundum befriedigenden Ende führt.

Admeto wird von Tim Mead mit sanfter und inniger Stimme gesungen, der junge Contertenor erweist sich als optimale Wahl. Als Alceste bleibt Marie Arnet ein wenig zu unauffällig, ihre Stimme bringt die emotionale Grenzsituation nicht immer ideal zur Geltung. Für Sopranistin Kirsten Blaise war es die zweite außergewöhnliche Produktion des Jahres. Im Februar 2009 hatte sie Rolle der Polissena in einer in jeder Hinsicht historisierenden und historisch informierten Kerzenlicht-Produktion von Radamisto bei den Karlsruher Händel-Festspielen inne, im Mai 2009 sang sie in Göttingen als Antigona und bewies, worin ihre hohe Popularität als Sängerin bei allen drei deutschen Händel-Festspielen lag: eine schöne und technisch sichere Stimme sowie hohe Bühnenpräsenz. Sehr gut gewählt sind die kleineren Rollen: William Berger als mächtiger Ercole, Andrew Radley als Orindo sowie David Bates (Trasimede) und Wolf Matthias Friedrich (Meraspe) ergänzen die Besetzung. Das Festspielorchester Göttingen unter der Leitung des renommierten Nicholas McGegan (damals im 19. Jahr seiner musikalischen Direktion) spielt engagiert und motiviert auf Festspiel-Niveau, die Akustik scheint allerdings etwas spröde und trocken zu sein. Es handelt sich um einen Live-Mitschnitt von Aufführungen im Mai 2009. Das Bonusmaterial zeigt Kommentare und Aussagen der Künstler zu ihren Rollen und Konzepten. © 2016 Opera Lounge





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