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Ingrid Wanja
Opera Lounge, June 2016

Kaum jemals seine anrührende Wirkung verfehlt Puccinis La Bohéme, selbst wenn die Umstände für eine Identifizierung mit la bella compagnia nicht die allergünstigsten sind. So auch nicht an einem sicherlich schwül-heißen Sommertag, als in Torre del Lago auf der Freilichtbühne viel Phantasie der Zuschauer nötig war, die klirrende Kälte der ersten drei Akte zu vermitteln wie auch die junge, jäh erwachende Liebe von Mimi und Rodolfo angesichts des reifen Ehepaars, von dem sie verkörpert wurden. Fabio Armiliato und Daniela Dessì sind zwei gestandene, hochsolide Opernsänger, aber optisch wie vokal diesen Partien bereits längst entwachsen. Der Tenor verfügt über eine reife, etwas hart klingende, aber intakte Stimme, viel squillo, eine sichere Höhe, wie der Schluss des ersten Akts bewies, ein wirklich italienisches Timbre und wäre, wie an gleicher Stelle Jahre zuvor unter Beweis gestellt, wie seine Gattin in einer Fanciulla viel eher am Platz. La Dessì hat nicht mehr den zart aufblühenden Sopran, den man sich für eine Mimi wünscht, als Tosca könnten sich ihre zweifellos vorhandenen Qualitäten besser entfalten. Hübsch anzusehen, aber ohne die wünschenswerte Eleganz und Geschmeidigkeit für den Walzer zeigte sich die Musetta von Alida Berti, einen markanten, viril klingenden Bariton setzte Alessandro Luongo für den Marcello ein. Marco Spotti sang als Colline ein eindrucksvolles Mantellied und gab dem Philosophen viel szenische Präsenz, Federico Longhi profilierte sich im ersten Akt mit seiner komödiantisch dargebotenen Erzählung vom Ableben des Papageien. Dirigent Valerio Galli hielt auch in den heiklen Massenszenen des zweiten Akts Solisten, Chor und Orchester gut zusammen, was unter den gegebenen Umständen schon viel ist.

Luciano Ricceri hatte einen atmosphärereichen Teil von Montmatre mit dem Atelier der vier Künstler in der Mitte und für den zweiten und dritten Akt gedreht zum Café Momus bzw. zur Dogana auf die Bühne gezaubert und ließ es sogar ein wenig schneien. Phantasievoll waren die Kostüme von Cristina Da Rold, genau den Anweisungen des Komponisten folgend, der wenige Schritte entfernt vom Aufführungsort seine Oper ersonnen hatte, die Regie von Ettore Scola. Die Video-Aufnahme von 2014 bietet eine gute Gelegenheit zum Kennenlernen des unsterblichen Werks (Blu-ray major 730204). © 2016 Opera Lounge





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