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Album Reviews



 
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Manuel Ribeiro
Pizzicato, November 2015

Nur die wenigsten der 12 Opern und Singspiele von Franz Schubert gelangten auf die Bühne. Und heute ist es nicht nicht anders. Da Carl Maria von Webers ‘Euryanthe’ gerade beim Publikum durchgefallen war, wurde damals die Uraufführung von’ Fierrabras abgesagt’. Man musste das Jahr 1897 abwarten für eine inszenierte Erstaufführung von Schuberts letztem Bühnenwerk.

Um den Leitgedanken von Peter Steins Salzburger Inszenierung zu verstehen, muss man auf eine Aussage des Wiener Kritikers Eduard Hanslick zurückblicken: „…ein vollständiger Kindheitszustand des Publikums vorausgesetzt…“. Peter Stein will für seine Regie diese Aussage ins Positive wenden und wartet mit einer stilisierten Inszenierung auf, in der sich die Zuschauer ganz auf die Musik konzentrieren können. Das Bühnenbild im Stil des frühen 19. Jahrhunderts ist gelungen, und die Kostüme in Weiß und Schwarz mit byzantinischen Ornamenten sind ein Kunstwerk.

Übrigens handelt die Oper vom Krieg zwischen Karl dem Großen und den Mauren. Jedoch dient dieser nur als Hintergrund für die Geschichte von fünf jungen Protagonisten, die in gefährlichen Liebesbeziehungen verbunden sind. Darunter ist auch Fierrabras, der Sohn des Maurenfürsten.

Peter Stein gelingt es, die Oper als eine Art Märchenspiel für Erwachsene darzustellen, was jedoch die Naivität der Handlung und die Schwächen des Librettos nicht übertünchen kann.

Die Solistengruppe ist großartig. Fierrabras wird von Michael Schade brillant gesungen. Doch die großartigsten Leistungen kommen von Dorothea Röschmann als Florinda und Julia Kleiter als Emma, die hier mit einer mädchenhaften Art und Weise entzückt. Mit seiner prächtigen Bassstimme ist Georg Zeppenfeld perfekt für die Rolle Karls des Großen. Das Orchester klingt unter Metzmachers Leitung sehr motiviert und zeigt Schubert von seiner besten Seite. © 2015 Pizzicato



Rolf Fath
Opera Lounge, July 2015

Großes Theater sieht anders aus. Vielleicht hätte es so ausgesehen, wenn Franz Schuberts letztes vollendetes, 1823 im Auftrag des Kärntnertortheaters komponiertes Bühnenwerk in Wien zur Uraufführung gelangt wäre. Doch nach dem Misserfolg von Webers Euryanthe hatte Josef Kupelwieser, der Schubert das Libretto zurechtgedrechselt hatte, auch das Zutrauen zu Schuberts heroisch-romantischer Oper Fierrabras verloren. Erst Felix Mottl setzte sich 1897 zu Schuberts hundertstem Geburtstag für das Werk ein. Spät holte Wien das Versäumnis mit der 1988 im Theater an der Wien von Claudio Abbado dirigierten Inszenierung von Ruth Berghaus nach, die immerhin als Mitschnitt der DG existiert man und die man nun gerne als Gegenposition zur Salzburger Aufführung aus dem Vorjahr (2014) herangezogen hätte. Bekanntlich hatte die Presse kaum ein gutes Haar an Peter Steins Inszenierung gelassen, an diesem braven Kulissentheater, in dem sich die Liebenden glubschäugig anschmachten, die Burgfräuleins neckisch im Takt hinter den Rittern hervoräugen und das steifleinerne Pathos und die treuherzigen Tableaux nie ironisch gebrochen werden: eine biedermeierliche Puppenstube, weit entfernt von einer musealen Vergegenwärtigung. Weit entfernt auch von den großartigen, in magisches Licht getauchten Renaissance-Bildern, die Stein 1987 bei seinem Opern-Comback (nach dem Rheingold, das die Pariser der Liebermann-Ära geschockt hatte)mit Otello in Cardiff und Brüssel realisiert hatte. Das war zwar etwas überlaboriert, aber dennoch faszinierend; vielleicht hatte Felsensteins Otello einen ähnlichen Eindruck hinterlassen.

Nun sind Kupelwiesers Zeilen nicht mit Boitos Libretto zu vergleichen, und Stein hatte, wie es jeder Regisseur tun würde, im Vorfeld vor dem “grauenvollen Text” gewarnt. Auch Ferdinand Wögerbaurs Kulissen sind nicht mit den kunstvollen und raffinierten Renaissance-Veduten von vor fast dreißig Jahren zu vergleichen (Lucio Fanti). Im Textheft der Unitel Classica Blu-ray schreibt Frederik Hanssen:, “Peter Stein ließ sich … Dekorationen im Stil des frühen 19. Jahrhunderts entwerfen, gemalte Bühnenprospekte, die aussehen wie alte Stiche. Und auch die Kostümbildnerin Annamaria Heinreich wählte ausschließlich die Farben weiß und schwarz für ihre noblen, mit byzantinischen Ornamenten übersäten Roben. … Viele Szenen arrangiert Peter Stein in diesem traumschönen Ambiente als ‘lebende Bilder’, ganz so wie es im Biedermeier Mode war”. Wenn man sich auf das einfältig neckische Spiel einlässt, die Momente unfreiwilliger Komik, auf die Spinnrad-Romantik, das abgezirkelte Rampenspiel, auf die hölzern-schlechte Deklamation, dann entfaltet sich die zur Zeit Karl des Großen spielende christlich-muslimische Rittergeschichte und das mit einer Doppelhochzeit endende Liebesüberkreuz, aus dem Fierrabras, der Sohn des Maurenfürsten, als nobler Entsagender hervorgeht, als huldvolle Referenz an die Biedermeierzeit. Vielleicht spürt Ingo Metzmacher aufgrund dieser inszenatorischen Totalverweigerung mit den Wiener Philharmonikern um so stärker die glanzvollen, mitreißenden und aufregenden Momente in Schuberts Musik auf. Mit dem Ensemble kann man zufrieden sein: der sonst hoch geschätzte Michael Schade enttäuscht als Fierrabras ein wenig, Markus Werba singt den Roland zu eindimensional dräuend, Georg Zeppenfeld ist würdevoll als König Karl, doch Benjamin Bernheim (die Perücken sind ein Graus, aber wieder auch durchaus passend in diesem Umfeld) ist als Frankenritter Eginhard, der sich nicht standesgemäß in Karls Tochter verliebt hat, ganz ausgezeichnet, als seine Geliebte Emma singt Julia Kleiter mit reinem Ton und Stilgefühl. Herausragend wie stets die furiose Florinda von Dorothea Röschmann. © 2015 Opera Lounge





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