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Ingrid Wanja
Opera Lounge, October 2015

Genau das Richtige für das Beschließen eines schönen Urlaubstags war im vergangenen Sommer die Turandot-Produktion der Bregenzer Festspiele, wenn auch zumindest der Urlaubsabend nicht ungetrübt blieb, wie man an den Regentropfen auf den Kulissen und Kostümen der Mitwirkenden sieht. Marco Arturo Marelli hatte vielseitig Chinesisches auf vielen Ebenen gezaubert, im Wasser Tonsoldaten aus den bekannten Ausgrabungen, etwas höher ein Zimmerchen Puccinis, der sich gerade beim Komponieren seines letzten, unvollendeten Werks befindet, zwischendurch aber auch den Kalaf gibt; eine weitere Ebene für das Volk, mal Mao-Vervielfältigungen, mal Zwanzigerjahre-Gesellschaft (Kostüme Constance Hoffman), eine Riesen-Scheibe für die kaiserliche Familie, alles umkränzt von der Chinesischen Mauer, die zu Beginn zum Teil zusammenbricht. Als Hommage an Gozzi turnt eine Commedia-dell‘-Arte-Figur über die Bühne und ist dem schließlichen Liebespaar offensichtlich wohlgesonnen. Stimmungsvoll sind ein Pavillon oberhalb der Mauer oder eine Barke, auf der Turandot zur Verdammung des persischen Prinzen gerudert wird. Eine Mumie der kaiserlichen Ahnin unterstützt die Wirkung der Klage Turandots, Video-Projektionen (Aron Kitzig) leisten weitere Beiträge dazu, alles sehr chinesisch und zugleich märchenhaft wirken zu lassen.

Der Bregenz Festival Choir unter Benjamin Lack und der Prague Philharmonic Choir unter Lukas Vasilek machen ihre Sache sehr gut, nicht immer sind die ansonsten vorzüglichen Wiener Symphoniker unter Paolo Carignani mit der Bühne zusammen, geschuldet den besonderen Bedingungen des Freilicht-Festivals.

Kussfreudig sind die beiden Damen, denn ungewohnter Weise holt sich Liù durch einen herzhaften Kuss auf den Mund des gefesselten Kalaf den Mut zum tödlichen Messerstich, und auch Turandot ergreift in dieser Deutung die Initiative und legt sehr früh den Gürtel aus Eis ab. Gesungen wird sie von Mlada Khudoley mit in der Höhe schrillem Sopran, der in tieferen Lagen recht angenehm klingt. Auch vokal eine reine Freude ist die Liù der Guanqun Yu, deren warmer, feiner Mädchensopran zu feinen Schattierungen und schwebenden Piani fähig ist und deren Gesang zu Herzen geht. Einen recht hellen, durchschlagskräftigen Tenor besitzt Riccardo Massi für den Calaf, den er ein endloses „Turandooooot“ singen lässt, der eine gute Mittellage hat, in „Nessun dorma“ die Acuti sehr offen singt-übrigens als Puccini, der seine Partitur in Sicherheit bringt. Dunkel wattig äußert sich Michail Ryssow als Timur, ausgewogen zwischen auch vokaler Gebrechlichkeit und charaktertenoraler Prägnanz Manuel von Senden als Altoum. Von den Ministri kann sich besonders der Ping von Andrè Schuen profilieren. Am Schluss wird eine heute in China so beliebte Massenhochzeit gefeiert, und zu regnen hat es auch aufgehört. © 2015 Opera Lounge




Remy Franck
Pizzicato, September 2015

Für seine ‘Turandot’ bei den Bregenzer Festspielen hat Marco Arturo Marelli kein chinesisches Bild ungenutzt gelassen: die Chinesische Mauer, die sich auf der Bühne bis in 27 Meter Höhe erhebt, die Terrakotta-Armee des Kaisers Qin Shihuangdi, Feuertänzer, Schwertkämpfer, Drachen, Lampions…spektakulärer und farbiger kann man Puccinis letzte Oper nicht inszenieren.

Dennoch wird das Drama von den vielen Showelementen nicht erdrückt, sondern kann sich in dieser visuellen Pracht voll entfalten. Ja, manchmal sind es gerade die spektakulärsten Effekte, die die Spannung des Operngeschehens steigern, wie etwa die in Zeiten des IS-Terrors recht signifikant dargestellte Enthauptungsszene im ersten Akt und die Ministerszene im zweiten, die vor Regalen mit den im Formalin aufbewahrten Köpfen der erfolglosen Liebhaber Turandots spielt, oder eine große Videoscheibe, die mit allerlei Schriftzeichen und symbolträchtigen Bildern für optische Effekte sorgt. Dass es Marelli gelingt, in dem Ganzen auch noch Intimität einzubringen, ist ihm anzurechnen. Und selbst wenn nicht alles Sinn macht, und die Wasserfontänen am Schluss der Oper wirklich nur eine Zutat mehr sind, kommt der Rezensent nicht umhin, für diese technisch höchst aufwändige und bestimmt auch teure Inszenierung Verständnis und sogar Zustimmung aufzubringen.

Der italienische Tenor Riccardo Massi singt einen stimmlich beachtlichen Kalaf. Sein Tenor mag wohl etwas monochrom sein, aber das Timbre ist angenehm und die fein artikulierende Stimme klar, frei und gut fokussiert. Guanqun Yu ist eine stimmlich gute und bewegende Interpretin der Liu. Mlada Khudoley singt die ‘eisgegürtete Prinzessin’ mit guten stimmlichen Mitteln, aber auch mit etwas zu viel Vibrato und nicht immer ganz intonationssicher.

Unter den Ministern fällt der Interpret des Ping, der Südtiroler Bariton André Schuen, wegen eines besonders ausdrucksvollen und gepflegten Gesangs auf.

Paolo Carignani hat die Chöre und die Wiener Symphoniker fest im Griff und bringt insgesamt viel Spannung in die Musik, er die er ohne Pathos und immer recht zügig dirigiert.

Wer sich also einen spektakulären, visuell durch die gute Kameraführung zusätzlich reizvollen Opernabend gönnen will, dem sei diese Videoproduktion angeraten. © 2015 Pizzicato





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