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Ingrid Wanja
Opera Lounge, November 2015

Wie ein Kontrastprogramm zur voran gegangenen Franco-Zeffirelli-Produktion nimmt sich Peter Steins Inszenierung von Verdis Aida an der Mailänder Scala bei Major aus, wenn an die Stelle des unerhörten Pomps nun ein Kammerspiel auf manchmal kleinstem Raum tritt. Ferdinand Wögerbauer nutzt für die meisten Szenen nur Teile der Bühne, so gibt es für die erste nur ein hell leuchtendes Portal auf dem ansonsten schwarzen Raum, und selbst der Triumphmarsch kommt ohne Bühnentiefe und ohne Ballettszenen aus, beschränkt sich im Wesentlichen auf das Vorbeimarschieren allerdings pracht-, aber geschmackvoll kostümierter Krieger (Kostüme Naná Cecchi). Die einzige Geschmacksverirrung sind die grasgrün gewandeten Mohrenknaben im Boudoir (Choreographie Massimiliano Volpini), die an Le Villi erinnernden Priesterinnen im zweiten Bild sind hinnehmbar. Zunächst Schwarz und Weiß, wozu noch Gold und ein roter Umhang für Radames kommen, lassen die Welt der Ägypter streng stilisiert erscheinen, die Äthiopier dagegen sind kunterbunt gekleidet. Der deutsche Regisseur kennt sich mit den besonderen Gesetzen der Oper und den Bedürfnissen von Opernsängern aus und stellt seine sorgfältige Personenregie darauf ein. Ob dem italienischen Publikum die Optik gefällt, ist nicht zu ergründen, da offensichtlich nicht die Premiere aufgezeichnet wurde.

Mit dem indischen Maestro Zubin Mehta jedenfalls ist es hoch zufrieden, der ihm zugedachte Beifall ist der stärkste, und ihm verdankt man nicht nur die erfahrene Sängerbegleitung, sondern auch wunderbare Vorspiele, so den allerzartesten Beginn, den man sich denken kann, einen hochpoetischen Anfang des Nilakts oder einen zwar leisen, aber hochspannenden der Gerichtsszene.

Zumindest bei der Titelpartie vermeidet die Scala das mittlerweile verpönte black facing, denn die Aida ist die Farbige Kristin Lewis, die optisch die Erfüllung für die Rolle ist, einen hellen, höhensicheren Sopran dafür einsetzen kann, allerdings es etwas an Rundung und Wärme der Stimme fehlen lässt und oben etwas spitz klingt. Dem an sich gut gestützten piano und der mezza voce fehlt es etwas an Farbe für eine ideale Verkörperung der Partie. Eine hochattraktive Amneris ist Anita Rachvelishvili, bereits Carmen am Haus, deren üppiger, erotisch klingender, immer weich bleibender Mezzosopran das Publikum zu Jubelstürmen hinreißt. Ihre Gerichtsszene ist in jeder Hinsicht mitreißend, aber selbst im kurzen Aufritt im Nilakt erfreut sie mit einer schönen mezza voce. Eine sanfte Sopransacerdotessa ist Chiara Isotton.

Was ist nur mit dem Bass von Carlo Colombara los, der als Re (!) ungewohnt Dumpfes hören lässt, aber immer noch besser klingt als der schüttere Bass von Matti Salminen als Ramfis. George Gagnidze hingegen kann mit gesundem Bariton kraftvolle Wildheit als Amonasro demonstrieren. Über den Geschmack der beiden königlichen Rivalinnen zu spekulieren erübrigt sich, denn Fabio Sartori kann das ganz und gar Unheldische und die darstellerische Unbeholfenheit immerhin mit einer in allen Lagen unangefochtenen, schön timbrierten Tenorstimme ausgleichen, und das Scala-Publikum scheint auch eher des Hörens als des Sehens wegen in die Oper zu gehen. An das morendo am Schluss von „Celeste Aida“ allerdings wagt sich der Tenor nicht, sondern schmettert ein heldisches Fermaten-Fortissimo (Blu-ray major 732304). © 2015 Opera Lounge





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