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Bernd Hoppe
Opera Lounge, November 2015

2007 hatte John Neumeier die ersten drei Kantaten von Bachs Weihnachtsoratorium choreographiert und sechs Jahre später auch die verbliebenen drei in die Sprache des Tanzes umgesetzt. Es handelte sich dabei nicht einfach um die Komplettierung dieses musikalischen Kosmos’, sondern um eine Steigerung und künstlerische Vollendung. Davon konnte sich das Publikum am 16. 11. 2015 in der Hamburger Staatsoper überzeugen, als ein Mitschnitt dieser Arbeit, der bei Cmajor erscheint, erstmals öffentlich gezeigt wurde. Dieser entstand bei drei Aufführungen im Dezember 2014 mit mehreren Interpreten, die auch bei der Uraufführung 2013 mitgewirkt hatten. Da ist Anna Laudere eine Mutter von starker Aura, die sich voller Angst und Schmerz gegen die Beschneidung ihres Kindes wehrt. Davon und von der Ankunft der drei Weisen aus dem Morgenland sowie der Flucht der heiligen Familie handeln die drei letzten Kantaten des Oratoriums. Carsten Jung als ihr Ehemann besticht wie stets durch seine bezwingende Ausstrahlung; besonders sein Solo zur Tenor-Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben“ bleibt in seiner expressiven Kraft im Gedächtnis. Wie bei der Uraufführung sind die anmutige Silvia Azzoni und der charismatische Alexandr Trusch die Engel. Und unverzichtbar in jeder Aufführung ist Lloyd Riggins mit seiner großen Persönlichkeit als Ein Mann, der mit seinem kleinen Tannenbäumchen durch das Stück wandert wie ein Obdachloser und auf der Mundharmonika „Vom Himmel hoch“ intoniert.

Die Choreografie ist voller Vitalität, ausgelassener Fröhlichkeit und gebündelter Energie, wie es sogleich im Eingangschor „Jauchzet, frohlocket“ und dessen Da capo am Ende zu sehen ist—ein turbulenter, übermütiger Wirbel von überwältigender Wirkung. Und sie ist von zeitloser Aktualität, was die erste Szene mit den Flüchtlingen und ihrem Gepäck zeigt, die in einem gläsernen Käfig (Bühne: Ferdinand Wögerbauer) zusammengepfercht sind. Die Compagnie des Hamburg Ballett bringt sich mit bewundernswertem Engagement ein, tanzt voll geballter Kraft und mitreißender Emphase.

Julian Prégardien singt den Evangelisten mit expressiver Gebärde, Mélissa Petit den Sopranpart mit heller, in der Höhe zuweilen steifer Stimme. Katja Pieweck überzeugt in der Altpartie mit ausdrucksstarkem, fülligem Ton, Wilhelm Schwinghammer mit potentem Bass besonders in der berühmten Arie „Großer Herr“. Die Tenorarien interpretiert Manuel Günther. Der Chor der Hamburgischen Staatsoper (Einstudierung: Eberhard Friedrich) singt voller Energie, aber nicht immer exakt. Alessandro De Marchi leitet das Philharmonische Staatsorchester Hamburg mit musikantischer Verve—bei einigen Einschränkungen hinsichtlich der Präzision der Bläser.

Am Ende verdoppelte sich der Applaus, denn die Zuschauer bei der Aufzeichnung 2014 und die live im Saal am 16. 11. vereinten sich in ihrem Enthusiasmus über diese gelungene Veröffentlichung, die danach im Foyer zu erwerben war und von John Neumeier signiert wurde. Im Bonus der DVD spricht der Choreograf über die Verbindung von Tanzkunst und Oratorium, religiöse Themen im Tanz, den Gebrauch von Koffern als Requisiten und die Entstehung der Filmfassung des Weihnachtsoratoriums, wo er die Bedeutung des Video Director Thomas Grimm hervorhebt ( 2 DVD, Cmajor, 732708). © 2015 Opera Lounge





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