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Ingrid Wanja
Opera Lounge, April 2016

Fürs Dekorative war man auf italienischen Opernbühnen schon immer, nun will man auch noch modern sein, und so kommt es zu so eigenartigen Produktionen wie die von Gounods Faustam Teatro Regio Torino, wo Stefano Poda, verantwortlich für Regie, Bühne, Kostüme und Choreographie, die Geschichte um einen riesigen gusseisernen Ring oder diesen um das Geschehen kreisen lässt. Dekorativ ist es, wenn der Chor in schicke knallrote Seidenkostüme mit Riesenhüten gekleidet wird, modern, wenn er dazu hässliche Ruckizucki-Bewegungen vollführen muss, wenn die Walpurgisnacht mit Fast-Nackten aufwartet, die aber nur keusch Gymnastisches zeigen dürfen, wenn Wallenebel über Goethe-Zitate ziehen, Sanduhren Endzeitstimmung verbreiten, Mäntel hochsymbolisch sind, so wenn Marguerite zunächst den frischen aus Sommerblumen, dabei aber höchst pompösen von Siebel gestifteten, danach den silberglänzenden zur Juwelenarie und schließlich welke Herbstblumen, die zur Bekleidung für die Gestrauchelte verwebt wurden. Was für ein Aufwand ohne schlüssige Bedeutung, besonders für den Chor, der Soldaten in die Tarnfarbe roten Samts gewandet und sie mit Dornenkronen auf dem Haupt heimkehren lässt, wo sie von den Damen in schwarzen Mantillas erwartet werden—eine allerdings ist splitterfasernackt. Das ist alles: dekorativ, hochsymbolisch, modern und eigentlich gar nichts davon. Chorregie gibt es außer bedeutungsvollem Schreiten oder bereits erwähntem Ruckizucki keine. Aber wenigstens ist es nicht, armselig, miefig und piefig wie so manche Inszenierung diesseits der Alpen.

Die Solisten können sich sehen und hören lassen. Der Amerikaner Charles Castronovo ist ein durchgehend zergrübelter Faust mit schlankem, dunkel timbriertem Tenor, der ebenso ein hochpoetisches „je t’aime“ wie unangefochtene Extremhöhen zustande bringt, für den Schluss seiner Arie sogar ein wunderschönes „morendo“. Weniger Méphistophélés als Mefistofele ist Ildar Abdrazakov mit machtvollem, etwas bräsigem Bass, dem die Eleganz für die französische Partie etwas fehlt. In den schnellen Teilen der Partie klingt die schwere Stimme leicht verhuscht. Dass es abgrundtief gemein ist, in die Bäuche der vielen die Bühne bevölkernden Schwangeren zu stechen und diese so, da Luftballons, platzen zu lassen, kann man dem Sänger nicht anlasten. Wenig Weichheit und Wärme für das Gebet hat der Valentin von Vasilij Ladjuk, dessen große Stunde erst mit seinem Tod, wo die Qualitäten des hochsoliden Baritons gut zur Geltung kommen. anbricht. Als einziger Italiener klingt Paolo Maria Orecchia hohl und hart als Wagner.

Irina Lungu ist eine anrührende Marguerite mit sehr schönem, apartem Timbre, sicher in den Koloraturen, nobel im „Roi de Thulé“ und ohne bemerkbare Mühe beim doch recht dramatischen Schluss. Elegantissima tritt Frau Marthe in schwarzem Kostüm auf und singt ebenso mit dem Mezzo von Samantha Korbey. Ketevan Kemokidze ist ein angemessen knabenhafter Siebel mit frischer, geschmeidiger Stimme, dem der besonders herzliche Beifall des Publikums sicher ist. Chor und Orchester aus Turin stellen unter Gianandrea Noseda unter Beweis, dass neben der Scala das Teatro Regio das immer noch am besten bestückte, weil auch geförderte Opernhaus Italiens ist. © 2016 Opera Lounge





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