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Ingrid Wanja
Opera Lounge, February 2016

Sporadisch geworden sind die Auftritte von Ruggero Raimondi als Sänger, dafür konnte man ihn in der jüngsten Vergangenheit als Regisseur, so für Le Nozze di Figaro oder Attila, erleben. Umso interessanter ist eine Aufnahme von Rossinis Mosè nicht aus der Mailänder Scala, sondern aus dem Mailänder Dom und zwar vom Sommer 2015, als es mehrere halbszenische Aufführungen des Melodramma sacro an ungewohnter Stelle gab. Veranstalter war die Veneranda Fabbrica del Duomo di Milano, die der Oper noch einen knapp halbstündigen Bericht über die Geschichte des Bauwerks voranschickt.

Geführt von einem der Geistlichen des berühmten Bauwerks durchschreitet der Besucher die Krypta des Bauwerks und erfährt dabei viel Interessantes über Entstehung und Geschichte, besucht die prachtvollen bunten Glasfenster wie die Türmchen und Plastiken auf dem Dach, vieles was man weder beim Betrachten von der Straße aus noch im Innern der Kirche bewusst wahrnimmt. Auch die Glocken werden beim Rundgang nicht vergessen, nicht die Marmormosaikböden noch die alten Schriften im Archiv der Gemeinde. Ein ausführlicher Blick in die Schatzkammer, zu deren Reichtum die Adelsgeschlechter der Visconti, Sforza oder Gonzaga, wohl in der Hoffnung auf einen Platz im Himmel, fleißig beitrugen, wird dem Zuschauer ebenfalls gewährt. Der Film lehrt den Betrachter Respekt vor diesem gewaltigen Bauwerk und all dem, was es beherbergt, und lässt in ihm den Vorsatz reifen, beim nächsten Besuch in Mailand hier länger zu verweilen.

Der Raimondis ist nicht der einzige hochberühmte Name auf dem Besetzungszettel. Niemand Geringerer als Franca Squarciapino hat wundervolle Kostüme für die Mitwirkenden geschaffen, natürlich besonders kostbar für die Pharaonenfamilie, während die des Mosè sich eher schlicht, aber nicht minder würdig gibt, der Titelheld mit einem knorrigen Wanderstab über die Bühne stapft. Mit gemessenen Schritten und ebensolcher Gestik wird „Darstellung“ zumindest angedeutet, nur die Pharaonengattin Sinaide wirkt etwas peinlich mit gezierten Bewegungen. Cecilia Ligorio und Tiziano Minacini sind für die Führung der Solisten, der Chor bleibt im Hintergrund, verantwortlich. Licht Designer Valerio Tiberi hat mit Unterstützung von Unità C!, was immer sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt, für eine suggestive Lichtregie und Videokunst gesorgt, die manchmal fast zu überwältigend ist und zu sehr von den Sängern ablenken könnte. Chor und Orchester der Veneranda Fabbrica stürzen sich unter dem Dirigenten Francesco Quattrocchi mit Vehemenz wie Sentiment ins musikalische Geschehen und tragen viel zum Gelingen dieser mitreißenden Aufführung bei.

Ruggero Raimondi verkörpert mit viel Bühnenpräsenz und Würde den Religionsstifter, statt der interessanten weißen Strähne im schwarzen Haar trägt er nun ganz Weiß. Die Stimme kann noch immer imposant und imponierend auftrumpfen, nur in der mezza voce wirkt sie brüchig und will sich nicht zum Melodienfluss fügen. So imponiert er im „Eterno! Immenso!“, lässt aber nach in „Celeste man placata“. Seinen Bruder Elisero singt Bogdan Mihai mit hellem, leichtem Tenor, tapfer in den „voci di giubilo“, etwas außer Atem geratend im Solo des 3. Akts und sehr engagiert im „stellato cielo“. Mit machtvollem Bass auch in den Acuti ist Filippo Polinelli ein gut besetzter Faraone, Isabelle Kabatu singt mit hellem Mezzo die Gattin, Luciano Ganci ist mit klarem, höhensicherem Tenor der Sohn Amenofi. Anaide ist dem zarten Sopran von Lydia Tamburrino anvertraut, der oben besser als in der schwachen Mittellage klingt und zu unbedeutend für den Einstieg in „mi manca la voce“-was hier tatsächlich der Fall ist. Christian Starinieri hört sich als Voce Misteriosa angenehmer an denn als Feldherr Osiride, der recht unkultiviert klingt. Zuverlässig stützen Maria Cioppi als Schwester des Mosè und Giovanni Sebastiano Sala als Aufide. Eine solide Aufführung, die durch den genius loci enorm aufgewertet wird und die man nicht so schnell vergessen wird. © 2016 Opera Lounge





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