Classical Music Home

Welcome to Naxos Records

Email Password  
Not a subscriber yet?  
Keyword Search
 in   
 Classical Music Home > Naxos Album Reviews

Album Reviews



 
See latest reviews of other albums...

Ingrid Wanja
Opera Lounge, January 2017

BERNSTEIN, L.: Larger than Life (Documentary, 2016) (Blu-ray, HD) 736004
KLEIBER, Carlos: Traces to Nowhere (Documentary, 2010) (Blu-ray, Full-HD) 108041

Sehr unterschiedlich sind die beiden Sujets, die Dirigenten Leonard Bernstein und Carlos Kleiber, viel Gemeinsames hat die jeweilige Machart der Filme, die sich ihnen widmen. Larger than Life nennt sich das Werk Georg Wübbolts, das bei major erschienen ist, der Film von Eric Schulz und beide Titel atmen bereits etwas von dem Geist, der Leben und Wirken von Bernstein und Kleiber bestimmte. Enttäuscht wird in beiden Fällen der Betrachter und Hörer sein, der sich größere Abschnitte, wenn nicht gar ganze Sätze von Konzerten erwartet hat, von Kleiber bekommt man im wesentlichen und wiederholt kleinste Bruchstücke von den Proben zum Stuttgarter Freischütz, etwas Fledermaus, Tristan, Rosenkavalier zu hören, von Bernstein Mahler, aber auch Bruchstücke aus eigenen Kompositionen wie West Side Story, Candide oder Mass, wobei die Auseinandersetzung mit Carreras ausgespart bleibt.

Nicht mit Superlativen sparen die Zeugen des Wirkens der beiden Musiker, so hört man die Vokabeln Universum oder Kaleidaskop für Bernstein, von dem auch viel Menschliches berichtet wird wie die Liebe zu Tabak und Whisky, der Hang zum Küssen von jederman, es wird darauf hingewiesen, dass er der erste komplett in den USA ausgebildete Komponist und Dirigent war, aber auch ein leidenschaftlicher Lehrer und Moderator. Mitropoulos, Koussevitzky und Copland werden als seine Vorbilder erwähnt, Tanglewood als Mekka des musikliebenden Amerika. Als seine Götter werden Mozart, Brahms und Mahler genannt, als Orchester, mit denen er besonders gern arbeitete u.a. das des Bayerischen Rundfunks und die Wiener, ab 1986 arbeitete er im Rahmen des Schleswig Holstein Festivals.. Auch wenn der „gymnastische“ Dirigent Bernstein sich in vielem von seinem Kollegen Kleiber unterschied, vereinte beide der ständige Zweifel, der sie plagte, bei Bernstein auch einer des Glaubens und der Fähigkeit, das „ultimative Werk“ zu schaffen.

Vieles berichten seine drei Kinder über Bernstein, viel Überzeugendes Kent Nagano, der ihm nahe stehen durfte, „weil er der Einzige war, der nichts von ihm wollte“.

Nicht zu verwechseln mit dem ebenfalls bei Major erschienenen Portrait Kleibers mit dem Titel I am lost to the World ist der bei Arthaus herausgegebene Film Traces to Nowhere, obwohl es auf beiden Aufnahmen gemeinsame Zeitzeugen gibt wie Otto Schenk oder Otto Staindl. Der Film versucht neben der Würdigung des Dirigenten, vor allem auch durch zahlreiche Orchestermusiker, die mit ihm arbeiteten, auch eine Hinterfragung des problematischen Verhältnisses zwischen Vater Erich und Sohn Carlos, des Einflusses desselben auf die allgemein bekannten Absonderlichkeiten des Menschen und Künstlers Kleiber. Mehr noch als durch die Schwester erfährt man durch die Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender viel über den Dirigenten, von Orchestermusikern viel Einleuchtendes, und auch die Zeugnisse anderer Weggefährten lassen deutlich werden, dass der als düster, scheu, stets unzufrieden geltende Dirigent das Gegenteil von all dem sein konnte und dass er zudem dankbar war, wenigstens Herbert von Karajan gegenüber, dessen Grab er regelmäßig besuchte.

Dass Red Bull diese Aufnahme ermöglichte, lässt zudem denjenigen schmunzeln, der weiß, dass sich Kleiber einst für ein Konzert mit einem Audi entlohnen ließ. © 2017 Opera Lounge




Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award), August 2016

Leonard Bernstein mit filmischen Mitteln zu porträtieren, ist eine Herkules-Aufgabe. In nur siebzig Minuten stemmt die Dokumentation dieses Schwergewicht, sie macht einmal mehr begreifbar, dass die vielfältige Begabung dieses Dirigenten und Komponisten, der sowohl als TV-Gastgeber der „Young People’s Concerts“ wie auch als Musical-Revolutionär und Mahler-Exeget oder Spiritus Rector des Schleswig-Holstein Musikfestivals wirkte, eigentlich unbegreiflich gewesen ist. Zahlreiche Zeitzeugen kommen zu Wort, ihre Aussagen vermitteln das Bild eines ewig drängenden, hoch kreativen Künstlers und Philanthropen, dessen Potenzial für drei Menschenleben ausgereicht hätte. Dass der Film auch Schwächen Bernsteins, seine Süchte und Ambivalenzen, nicht auslässt, ohne ihn damit zu verraten, ist ein achtenswertes Verdienst der Regie. © 2016 Preis der deutschen Schallplattenkritik (German Record Critics’ Award)




Remy Franck
Pizzicato, May 2016

Endlose Energie, unerschöpflicher Enthusiasmus, unglaubliches Charisma…dieser Film ist quasi eine fünfzig Minuten lange Aneinanderreihung von Superlativen zur Person Leonard Bernstein, aus dem Munde von Musikern, Dirigentenkollegen, Freunden, Bekannten und seinen Kindern, angereichert mit biographischen Daten und Anekdoten: ein schillerndes Porträt, das der einmaligen Persönlichkeit Bernsteins als Dirigent und Komponist hundertprozentig gerecht wird. Schwerpunkte im Film sind Mahler, ‘West Side Story’, ‘Young People’s Concerts’, Dirigierkurse, aber auch Religion und am Ende der sich nähernde Tod.

Vorwerfen kann man dem Film, dass er das Phänomen Bernstein völlig unkritisch betrachtet. Aber bei all der Begeisterung kann man das schon vergessen. De mortuis nihil nisi bonum. © 2016 Pizzicato





Naxos Records, a member of the Naxos Music Group