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Ingrid Wanja
Opera Lounge, November 2016

Ein willkommener Anlass für die Produktion einer ganz und gar traditionellen Aida im Teatro Regio war 2015 die Neueröffnung des Ägyptischen Museums von Turin, denn selbst wenn Verdis Oper nicht das Ägypten darstellt, das es einmal gab, so doch dasjenige, das man sich in Europa in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorstellte—und das ist allemal interessanter als eine Verlegung in den heutigen Nahostkonflikt oder eine Aida-Putzfrauen-Oper. Bühnen—und Kostümbildner Carlo Diappi hatte eine so schöne wie künstlerisch hochwertige Szenerie geschaffen, kostbar anmutend ohne auf das Personal erdrückend zu wirken, äußerst geschmackvoll und einfach wunderschön, ohne aufdringlich zu sein. Allein der riesige Wandteppich im Boudoir lud zum Schauen und Staunen ein. Auch die Personenregie von William Friedkin ist stimmig, macht allerdings nachdenklich, wenn die Priester einander vertraulich auf die Schultern klopfen, Ramfis den armen Radames schubst—und kannten die alten Ägypter eigentlich bereits das Küssen? Das müsste wohl noch erforscht werden. Die Tanzszenen sind außergewöhnlich geschmackvoll (Choreographie Marc Ribaud), Akrobaten beleben den Triumphzug auf angenehme Weise. Am Schluss nimmt Radames Aida das blutrote Halstuch ab und wirft es auf den Boden des Höhlengrabs, wo es im kreisrunden Scheinwerferlicht liegen bleibt, einer Blutlache nicht unähnlich.

Der absolute Glanzpunkt der Besetzung—und das sahen und hörten wohl auch die Zuschauer so—ist die Amneris von Anita Rachvelishvili, nicht nur eine “ägyptische” Schönheit, sondern auch ein Mezzosopran üppiger Farben, großzügig gestalteter Gesangsbögen und viel Temperament, was sich besonders in der fulminant gesungenen Gerichtsszene zeigte. Die Aida von Kristin Lewis war ihr eine fast ebenbürtige Partnerin mit sehr präsenter Mittellage, einem Sopran, der auch in der Höhe nur ganz selten leichte Schärfen zeigt und im Nilakt die große Arie geschmackvoll verklingen lässt. Was wäre die Arena di Verona ohne Marco Berti als Radames, dessen Tenor inzwischen, wen wundert es, etwas strapaziert klingt, der aber immer noch die Zuverlässigkeit in Person ist, wenn es gilt, einen tenore eroico zu präsentieren , der sich nicht scheut, auch seine letzten stimmlichen Reserven einzusetzen, am Schluss sogar seiner Stimme ein wenn auch nicht besonders geschmeidiges Piano abtrotzt. Die angemessene Optik, aber leider keine adäquate Stimme hat Mark S. Doss für den Amonasro, dem er eher ein Dröhnen und Bellen als kultivierten Gesang angedeihen lässt. Besser sind die beiden Bässe: Giacomo Prestia geschmeidig als Ramfis, In-Sung Sim als ungewöhnlich stimmpotenter Re. Kate Fruchterman ist die angenehme Sacerdotessa, Dario Prola ein ungestümer Messaggiero. Der Chor unter Claudio Fenoglio und das Orchester unter Gianandrea Noseda bezeugen, dass die Turiner Bühne mit der Scala in jedem Fall mithalten kann. © 2016 Opera Lounge





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