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Album Reviews



 
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Ingobert Waltenberger
Online Merker, August 2017

Die Zauberflöte so frisch, keck, lebendig und herzzerreissend wie am ersten Tag. Dank Regisseur Peter Stein , Bühnenbildner Ferdinand Woegerbauer und Dirigent Ádám Fischer war die Zauberflöte 2016 an der Scala als buchstäblich märchenhaftes Singspiel mit einem vor jugendlicher Emphase nur so überschäumenden Ensemble und Orchester zu erleben. Einmal muss die Zauberflöte keine umgedeutete Opera seria oder Lehrstunde in political correctness, kein um Dialoge amputiertes Stück oder purer philosophischer K(r)ampf sein. Die Zauberflöte mit den Studentinnen und Studenten der Accademia der Mailänder Scala , die nicht nur das bemerkenswerte Solistenensemble bilden, sondern auch den Chor und das Orchester bevölkern und die Bühnenmaschinerie bedienen, wird hier zur Freude eines vielleicht kindischen Publikums so gespielt, wie es in der Partitur und den Regieanweisungen steht, samt aller Dialoge inklusive.

Wir wissen, alle zehn ausverkauften Vorstellungen waren ein großer Erfolg beim Publikum. Journalisten jubelten in der Mehrzahl und jetzt ist auch die „Konserve“ erhältlich. Sie ist nicht nur Zeuge eines geglückten Experiments, sondern bereitet ein ungetrübtes Opernvergnügen. Allen voran ist das einem unverbrauchten und höchst engagierten Ensemble zu verdanken. Ich habe schon lange nicht mehr so temperamentvolle und vitale Oper gesehen wie hier. Es ist sicherlich nicht alles perfekt an den sanglichen Leistungen. Das Damentrio klingt dem Vibrato und der wilden Leidenschaft wegen eher nach Götterdämmerungs-Nornen als Dienerinnen der Königin der Nacht. Auch brauchen Tamino und die Königin etwas Zeit zum Einsingen, um voll dabei zu sein. Aber, aber…

Es ist eine Pamina wie aus dem Bilderbuch zu erleben. Fatma Said kann es in jeder Hinsicht mit den Besten und Größten im lyrischen Fach aufnehmen. Ein cremig einschmeichelndes Luxustimbre à la Lucia Popp, ein ausgewachsener dramaturgischer Instinkt, eine hohe Bühnenpräsenz und untadelige Phrasierung. Ihr Tamino ist nicht weniger interessant. Martin Piskorski verfügt über einen dramatisch und dunkel, beinahe baritonal klingenden Tenor. Der Farbenreichtum seiner auch artikulatorisch bestens geschulten Stimme ist riesig. So vermag dieses grandiose österreichische Gesangstalent den Bogen der immens schwierigen Partie vom Lyrischen bis zu den dramatischen Ausbrüchen absolut rollendeckend zu spannen. Über die weitere Entwicklung dieses Tenors darf man gespannt sein. Auch Till von Orlowsky als Papageno reüssiert. Mit seinem saftigen Bassbariton und seiner Spielfreude, seinem Geschick, eine Bühnenfigur aus Fleisch und Blut zu formen. Die Königin der Nacht, Yasmin Özkan , singt mit lupenreiner Intonation, was ja an sich schon exzeptionell ist, aber eben auch mit einem dramatischen Aplomb comme il faut und wie wir es lieben. Ausdrückliches Lob gebührt ebenso dem wohllautenden, in der Tiefe noch ausbaufähigen Bass von Martin Summer und der entzückenden Papagena von Theresa Zisser.

Peter Steins Verdienst ist es vor allem, mit den jungen Kräften offenbar intensivst an den Rollen und ihrem Verhältnis zueinander gearbeitet zu haben. Das ist besonders an den Dialogen zu merken, die allesamt völlig akzentfrei gesprochen werden und das Stück in einen volkstümlichen Bretterbudenzauber tauchen. Dazu trägt die Szenerie bei, die mit allem aufwarten kann, was der Zauberflöte an Exotismen zu eigen ist: eine grüne giftige Schlange, Blitz und Gewitter, Tempel und Löwen, Baströckchen und Federpürzel.

Ádám Fischer holt aus dem Orchester, den Sängerinnen und Sängern, dem Chor alles und noch mehr heraus. Er dirigiert einen lebendigen, vorwärtsdrängenden, quicklebendigen Mozart. Das Ensemble singt und agiert auf der Bühne, auf der die Callas, die Tebaldi und die Caballé ihre größten Triumphe gefeiert haben, wirklich so, als ginge es um ihr Leben. Das ist unmittelbar faszinierend und packend. Ich habe ähnlich intensive Mozart-Vorstellungen in den Pariser Banlieues (Bobigny) erlebt, wo die Atéliers der Pariser Oper tolle Talentproben (inklusive Regie und Dirigat) abgaben. Allerdings gehören, wie wir das nun seit dem gelungenen Versuch der Mailänder Scala wissen, solche Aufführungen auf die Bühne der Haupthäuser gehievt. Auch der Werkstattcharakter und das Mischen der noch Lernenden mit außerordentlichen Profis wie Stein oder Fischer ist eine gute Sache. Jetzt also auf DVD nachzuerleben. Eine unbedingte Empfehlung! © 2017 Online Merker




Remy Franck
Pizzicato, June 2017

Diese ‘Zauberflöte’ wird zwar von einem großartigen Mozart-Kenner und Enthusiasten dirigiert, Adam Fischer, und vom bekannten Regisseur Peter Stein inszeniert, ansonsten aber ist alles fest in der Hand von jungen Künstlern der ‘Accademia’, also des Opernstudios der Mailänder Scala.

Stein hat für eine mit einigen lustigen Einfällen angereicherte traditionelle Inszenierung gesorgt, und es gibt darin nichts Irritierendes.

Das Orchester der Akademie brilliert unter Fischers zupackender und ansteckend gutgelaunter Leitung. Unter den Studenten der Akademie gefallen besonders Martin Piskorski, ein junger lyrischer Tenor mit einer klangvollen Stimme, der dem Tamino viel Charakter gibt. Seine Pamina, die ägyptische Sopranistin Said Brava Fatma, singt klangschön, aber nicht unbedingt gefühlvoll und innig genug.

Die beste Leistung kommt von Till von Orlowsky, der dem Papageno mit seiner schön timbrierten und gut geführten Baritonstimme auch darstellerisch Profil gibt. Etwas mühsam klingt die Stimme von Yasmin Özkan als Königin der Nacht, und auch der Sarastro von Martin Sommer ist stimmlich nicht auf der Höhe. Aber wir müssen bedenken, dass es Studenten sind, die in dieser Produktion auftreten. Die übrigen Rollen sind gut besetzt.

Wenn diese Zauberflöten-Video in der Konkurrenz letztlich mit den vielen guten Aufnahmen bestehen kann, dann vor allem wegen Adam Fischer. © 2017 Pizzicato



Ingrid Wanja
Opera Lounge, May 2017

Zwei Altmeister an Regie—und Dirigentenpult, eine Schar junger Musiker auf der Bühne und im Orchestergraben sind das Erfolgsrezept für Mozarts Zauberflötea an der Mailänder Scala im Dezember 2016, jetzt als DVD erhältlich. Peter Stein mutet dem üblicherweise ungeduldigen italienischen Publikum die umfangreichen gesprochenen Teile des Werkes ungekürzt zu, ist wunderbar inkorrekt, was Frauenfeindlichkeit und Rassismus und dazu noch Blackfacing angeht, und traut so dem Publikum dankenswerter Weise zu, historisch denken zu können. Videodirektor Roberto Maria Grassi führt den Zuschauer während der Ouvertüre hinter die Kulissen und gewährt ihm einen Einblick in das aufgeregte, aber zielstrebige Treiben hinter dem Vorhang, eher dieser sich hebt und den Blick frei gibt auf märchenhafte Kulissen, teilweise inspiriert durch die Zeichnungen von Max Slevogt, eine giftgrüne Schlange und nettere Tiere und auch sonst knallige Farben, farbenfrohe Luftschlösser für die Drei Knaben oder ägyptisch Anmutendes ( Szene Ferdinand Woegenbauer). Die Kostüme von Anna Maria Heinreich sind geschmackvoll und kleidsam, abgesehen von denen des ersten Auftritts für die Drei Damen mit strammen Waden und kurzen Röcken. Für Feuer—und Wasserprobe wird mit sparsamen Mitteln auf die Phantasie der Zuschauer gebaut.

Die Solisten sind wie die Orchestermitglieder sämtlich Teilnehmer einer Masterclass der Accademia del Teatro alla Scala. Bereits sehr viel szenische Würde besitzt der Sarastro von Martin Summer, der einen markanten, dunklen Bass hören lässt, dem nur der allertiefste Ton noch etwas zu matt gerät. Yasmin Özkan hat für die Königin die eiseskalten, spitzigen hohen Töne, die Mittellage ist noch ausbaufähig wie auch die Bühnenpräsenz. Einen optisch attraktiven und akustisch bereits schon recht heldischen Tamino singt Martin Piskorski, während Fatma Said eine sehr hübsche Pamina ist, die vokal nicht ganz den Hörgewohnheiten, da eher mit leicht herb timbrierter Stimme begabt, entspricht, die aber durch eine vorzügliche Phrasierung besticht. Einen dialektfreien Papageno ohne Anbiederung beim Publikum spielt sehr witzig und singt zunehmend sonor Till von Orlowsky, bei dem man rätselt, ob die markant schnabelartige Nase Natur oder Maske ist. Gut harmonieren die drei Damen Elissa Huber, Kristin Sveinsdottir und Mareike Jankowski miteinander, die Drei Knaben kommen von den Wiltener Sängerknaben. Sascha Emanuel Kramer ist pechschwarz als Monostatos mit durchdringendem Charaktertenor.

So frisch, schwungvoll und klar strukturiert wie auf dieser DVD hat man das Werk lange nicht gehört: Verdienst von Dirigent Ádám Fischer, der aus seinen Studenten wahre Professionisten gemacht hat. © 2017 Opera Lounge





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