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Ingrid Wanja
Opera Lounge, April 2018

Welch ein Zufall, an ein und demselben Tag im Fernsehen aus Salzburg die aktuelle Tosca-Inszenierung aus Salzburg und die neue Blu-ray von major mit einem Feature über die altbekannte Aufnahme des zweiten Akts von 1964 mit Maria Callas und Tito Gobbi aus London zu sehen und zu hören. Und warum lässt die Salzburger Produktion trotz des betörenden Gesangs von Anja Harteros kalt, während die Aufnahme mit Callas und Gobbi auch beim gefühlten hundertsten Betrachten und trotz nicht überragender Schwarz-Weiß-Optik tief bewegt? Regie in London führte Franco Zeffirelli, in Salzburg Michael Sturminger, der mit albernen Mätzchen wie einem Schluss à la High Noon und einem Kinderschießkommando jegliche aufkommende Stimmung im Keim erstickt. Zudem ist eine Verlegung in die Jetztzeit bei einem Werk, in dem Ort und Zeit statdtplangenau und auf die Minute festgelegt sind, besonders töricht.

Man sollte sich zunächst den zweiten Teil der Blu-ray zu Gemüte führen, der den zweiten Akt ohne Unterbrechung zeigt, erst danach den ersten Teil mit Sequenzen daraus, die immer wieder durch die Meinungen der zu der künstlerischen Leistung Befragten unterbrochen werden, was weniger aggressiv macht, wenn man zunächst die Aufnahme ohne Unterbrechung genossen hat.

Das Feature stammt von Holger Preusse, der vor allem englisch- und deutschsprachige Interviewpartner vor die Kamera geführt hat, die sich mehr (Jürgen Kesting) oder weniger (Kristine Opolais, Wolfgang Joop) kompetent äußern, auch ein Zeitzeuge, der vom Hin und Her der Absagegerüchte berichtet, wird befragt. Weitere Beiträge gibt es mit dem unverzichtbaren Rolando Villazon, mit Thomas Hampson oder Anna Prohaska, mit den Dirigenten Rufus Wainwright und Antonio Pappano, und Brian McMaster bekennt:“I’ll always remember the performance, of course. I will, I’m just really lucky to have been there, blessed in an way.“

Es geht in dem Film nicht nur um die Aufführung in London (Tonaufnahmen von Tosca mit der Callas gibt es noch von 1953 unter Victor De Sabata, ebenfalls mit Gobbi, aber nicht mit Cioni, sondern Di Stefano und von 1964, auch mit Gobbi, dem faszinierendsten, süffisantesten Scarpia aller Zeiten, aber mit Bergonzi und unter Georges Pretre), sondern auch um die Qualität der Stimme, die als im Vergleich zu der Aufnahme von 53 nach der Meinung vieler Kritiker nicht mehr zufriedenstellend war. Durchgehend wird im Film die Meinung vertreten, dass trotz gewisser Abstriche das Zusammen von expressiver Stimme und ebensolchem darstellerischem Einsatz jede Kritik verstummen lassen müsse.

Das Figurproblem der jungen Callas, die Einbußen an Stimmgewalt durch forcierte Abmagerung, das üble Spiel, das Onassis mit der Sängerin trieb. Damit kommt man auf fernsehtaugliche 90 Minuten Sendezeit, denn das Dokument wurde für Arte geschaffen. © 2018 Opera Lounge





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