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Ingrid Wanja
Opera Lounge, May 2016

Wer in Puccinis Turandot in erster Linie ein fernöstliches Märchen sieht, der kommt voll auf seine Kosten mit der aus dem Jahre 2008 stammenden Inszenierung der Oper durch Chen Kaige im Palau de les Arts Reina Sofia in Valencia, und Bühnenbildnerin Liu (!) King sowie die Kostüme von Chen Tong Xun sind weitere Garanten dafür, dass die „echt“ chinesische Optik bis zum letzten Fächer und vielleicht sogar den nickenden Käferfühlern auf den Helmen der Krieger durchgezogen wird. Aber vielleicht haben die Künstler auch nur das auf die Bühne vor die Augen des entzückten Publikums gebracht, wovon sie meinen, dass man es in Europa für „echt“ asiatisch hält. Auf die Bühne niedergehender Goldregen dürfte unter anderem dazu gehören. Auch dass Kalaf ein ganzes Damenorchester im Tausch für die Prinzessin angeboten wird, hatte man noch nie gesehen. Schön sieht das alles auf jeden Fall aus, auch wenn insbesondere von Turandot viel verlangt wird, wenn sie sich im zweiten Akt schnell noch zwischen Ansprache und Rätselszene und im dritten nach dem ersten Kuss umziehen muss, um der jeweiligen Stimmung, Frostglitzerndes für den zweiten und blütenhaft befreit Wehendes für den letzten Akt, gerecht zu werden. Aber per se ist das der falsche Ansatz, denn Puccini schrieb Turandot für ein italienisches Publikum (und Personal), und die Oper hat mit China so viel zu tun wie Fidelio mit Spanien (was eher selten inszeniert wird).

Das hehre China-Paar wurde bereits vor acht Jahren eher als solide gestandenes als frisches Sängerduo gehandelt, aber man muss zu seiner sängerischen Ehre sagen, dass man es bereits davor und natürlich erst recht danach angegriffener in der vokalen Substanz gehört hatte. Maria Guleghina singt „In questa reggia“ angenehm unangestrengt, nur die Extremhöhe lässt zu wünschen übrig, ebenso wie die Diktion, die recht verwaschen und vokalbetont ist. Aber sogar im Alfano-Schlussduett zeigt der Sopran kaum Ermüdungserscheinungen. Kalaf ist Marco Berti, unverzichtbar, wenn es um, möglichst noch im Freien, gestandenes Kraftvollsingen geht, enttäuschend ist allerdings der halb verschluckte Schlusston von „Nessun dorma“. Warum Liù (Alexia Voulgaridou), für eine Sklavin auf der Flucht ohnehin zu kostbar gewandet, einen ellenlangen Schleier mit sich herumschleppt, wird in ihrer Schlussszene klar, wenn sie sich mit demselben erdrosselt. Bis dahin singt sie mit apartem lyrischem Sopran, wenn auch weniger pianissimobetont (Ausnahme „pietà“)und agogikreich als ihre besten Vorgängerinnen in der Partie. Timur wird von Alexander Tsymbalyuk zunächst etwas hohl, in der Klage um Liù aber mit viel Wärme gesungen. Altoum ist in dieser Produktion stark alkoholabhängig und nicht nur vokal hinfällig. Einen soliden Mandarin singt Ventseslav Anastasov, von den drei Maschere kann nur der Bariton Roger Paduelles gefallen, aber alle drei machen die manchmal recht lang erscheinenden Szenen zu angenehm kurzweiligen. Phantastisch ist der Chor, der sich auch zu bewegen weiß, Zubin Mehta am Dirigentenpult ist natürlich die sichere Erfahrung in Person und garantiert eine auch und besonders orchestral angenehme Vorstellung (Blu-ray major 750104). © 2016 Opera Lounge





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