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Ingrid Wanja
Opera Lounge, July 2016

Seinen Opernvernichtungsfeldzug abgebrochen hat offensichtlich Calixto Bieito zugunsten kleinerer Geplänkel, die sich hauptsächlich in der Verwendung ungewöhnlicher Requisiten ausdrücken, so im Jahre 2010 in Barcelona mit einer Telefonzelle für den ersten, einem Weihnachtsbaum für den zweiten, viele ältere Mercedesmodelle für den dritten und einen Kreidekreis für den vierten und damit letzten Akt. Dass es sich dabei um Carmen handelt, erschließt sich wohl niemandem so leicht, würde nicht die Musik unmissverständlich auf dieses Werk hinweisen. Ansonsten bleibt die Bühne (Alfons Flores) leer, wird nur zeitweise von einer Fahnenstange oder einem riesengroßen Pappstier(Osborne) belebt, und dass mit der spanischen Flagge allerlei Unfug getrieben wird, versteht sich von selbst. Die Dialoge fallen fast sämtlich weg, auch einige musikalische Details. Es gibt kein fröhliches Soldatenspielen des Kinderchors, sondern stattdessen eine Armenspeisung. Leicht verändert sind die Charaktere gegenüber dem Gewohnten, so ist Micaela eine recht forsche (bei diesen Soldaten von Nutzen), grell und aufreizend gekleidete Städterin (Kostüme Mercè Paloma), die auch dem hier sehr schüchternen, offensichtlich die romantische Liebe suchenden Don José an erotischer Aktivität überlegen ist. Noch größer ist natürlich in dieser Hinsicht der Kontrast zwischen Carmen und Don José, wenn erstere stark an allem unterhalb der Gürtellinie interessiert ist, während der Tenor sehr weit oberhalb derselben sein Glück zu finden hofft. Als ganovenhafter Schnösel tritt Escamillo auf, Frasquita ist stets betrunken und Mercedes alt. Ein schmieriger Lillas Pastia beschäftigt sich auffallend intensiv mit einem Kind, dem zur Betörung der Zöllner Netzstrümpfe und viel Lippenstift verpasst werden. Die beiden Schmuggler hantieren gern mit dem Messer, aber all das lässt die Oper in ihrem Kern unversehrt.

Béatrice Uria-Monzon ist eine sehr herbe Carmen, die den Lichtdesigner, der sie streckenweise zur alten Frau macht, verklagen sollte, und auch die Kostümbildnerin meint es nicht gut mit ihr, wenn sie sie zum letzten Akt ein scheußliches rosafarbenes Glitzerkleid steckt. Gesanglich ist an ihrem ebenfalls leicht herbem, ebenmäßigem, den Chansonton gut treffendem Mezzosopran nichts auszusetzen. Noch einen schönen lyrischen Sopran hatte damals Marina Poplavskaya für die Micaela, keine Probleme bereitet Erwin Schrott das heikle Auftrittslied des Escamillo. Angemessen besetzt sind die kleineren Partien. Chor und Orchester unter Marc Piollet konterkarieren angenehm die oft rüde Bühne. Die größte Freude bereitet zweifellos Roberto Alagna mit einer schwärmerisch gesungenen Blumenarie, feinem Piano am Schluss des Duetts mit Micaela und leidenschaftlichem Schlussduett. Durch seine Personenregie hat ihn Bieito, er selbst hat sich mit seinem Gesang in das Zentrum der Produktion katapultiert. © 2016 Opera Lounge





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